-cp- Die Fußball-Saison nähert sich ihrem Ende. Der deutsche Meister 2011/2012 steht schon fest, im DFB-Pokal und in der Champions-League folgen die Endspiele in den nächsten Woche. Mittlerweile ist schon Normalität geworden, dass im Zusammenhang mit Fußball das Wort Märchen verwendet wird. So wurde vor ein paar Wochen das Ausscheiden von Hannover 96 im Viertelfinale der Euro League als "Ende eines Märchens" bezeichnet (Handelsblatt). Nicht ganz unproblematisch, da der Begriff "Märchen" im Zusammenhang mit sportlichen Erfolgen die Leistung der Sportler schmälert. Etwas anders ist es ja bei der Fußball-WM 2006 gewesen, als der Begriff Märchen zwar in Bezug auf die Deutsche Nationalmannschaft, aber durchaus auch in Bezug auf die Atmosphäre der gesamten Weltmeisterschaft verwendet wurde. Der Spiegel schrieb, Jürgen Klinsmann habe den deutschen Märchenkanon erweitert. Die Film-Dokumentation von Sönke Wortmann trägt folgerichtig sogar den Titel Deutschland - Ein Sommermärchen.
Nachdem die Deutsche Meisterschaft für Bayern München durch die Niederlage in Dortmund in kaum noch erreichbare Ferne gerückt war, konnte man zudem mal wieder verbale Spitzen beobachten, in denen sich besonders Uli Hoeneß hervortat, was seinen Ruf als schlechter Verlierer mal wieder bestätigte. Er warf BVB-Boss Watzke vor, er würde in Bezug auf die Budgets der Bundesligisten "Märchen erzählen" (Süddeutsche). Also Märchen im Sinne von Lügengeschichten.
Es scheint, als seien gegenwärtig die Begriffe Fußball und Märchen kaum zu trennen. Die sowieso schon strittige Frage, was eigentlich moderne Märchen sind, ist also nicht nur literaturwissenschaftlich, sondern auch durch "König Fußball" zu beantworten.
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Sonntag, 22. April 2012
Freitag, 20. Januar 2012
Der kleine grüne Kaktus versus Dornröschen
-cp- Es ist schon manchmal drollig, wie die Sprache sich entwickelt, gerade so, als ob sie ein Eigenleben führt und gewisse Dinge ganz bewusst verdreht. Ein Beispiel: In der Botanik unterscheidet man zwischen dem Stachel und dem Dorn. Während man im Volksmund dem Kaktus die Stacheln und der Rose die Dornen zuordnet, ist dies in der Botanik genau andersherum. (Also: Eigentlich macht es der Volksmund falsch.) Das bedeutet: Rosen haben Stacheln, Kakteen haben Dornen. Und dies hat weitreichende Konsequenzen: Der Name Dornröschen ist eigentlich falsch. Die Prinzessin müsste Stachelröschen heißen. Und die Prinzen müssten sich eigentlich nicht durch eine Dornenhecke, sondern durch eine Stachelhecke zu ihr hervorkämpfen. Es sei denn, die Hecke würde nicht aus Rosen, sondern aus Kakteen bestehen. In diesem Fall würden sich die Prinzen durch eine Dornenhecke zur Prinzessin hervorkämpfen. Diese hieße dann allerdings Dornkaktüschen. (Der Diminutiv von Kaktus klingt aber ziemlich schauderhaft, wenn man mal ehrlich ist.) Da hilft nur eins: Die Vorstellung, dass die Rosen im Märchenreich ein wenig anders wachsen als in der Realität, und dass sie sehr wohl Dornen besitzen. Unser Clip des Tages ist heute Dornröschen gewidmet:
Donnerstag, 15. September 2011
Charles Bronson - Ein Mann ...!
-cp- Zugegeben, es liegt häufig an der deutschen Übersetzung, aber der cineastische Output von Charles Bronson zwischen 1973 und 1983 weist in den Titeln ein auffälliges Muster auf:
- Ein Mann geht über Leichen (1973)
- Ein Mann sieht rot - Death Wish (1974)
- Der Mann ohne Nerven (1975)
- Ein stahlharter Mann (1975)
- Ein Mann räumt auf (1979)
- Ein Mann wird zur Bestie (1981)
- Der Mann ohne Gnade - Death Wish II (1982)
- Ein Mann wie Dynamit (1983)
Montag, 8. August 2011
Falscher Freund - Echter Freund
-sv- Chris fragte sich in seinem Eintrag vom 15. Juni, was ein echter Freund sei, wenn der umgangssprachlich "falsche Freund" den Umstand beschreibt, dass beim Abgang von Leibwinden ungewollt Stuhl mit abgeht. Dazu lässt sich m.E. folgendes sagen:
Ein echter Freund ist der, der nicht vorgibt zu sein, was er nicht ist.
Ein echter Freund ist der, der nicht vorgibt zu sein, was er nicht ist.
Freitag, 8. Juli 2011
Kafkas Eltern führten ein Galanteriewarengeschäft
-sv- ... lese ich soeben in der Legal Tribune in einem Beitrag über Franz Kafka. Doch was sind "Galanteriewaren"??? Ein Blick in Wiki hilft:
Galanteriewaren, von französisch galanterie, „Liebenswürdigkeit“, ist eine veraltete Bezeichnung für modische Accessoires. Zu den Galanteriewaren zählen Modeschmuck (Bijouterie) und kleinere modische Gebrauchsgegenstände wie Parfümfläschchen (Ölflakons) − sie wurden früher manchmal an einem Kettchen getragen −, Puderdosen, auffällige Knöpfe, Armbänder, Schnallen, Tücher, Schals, Bänder, Fächer usw.
Aha! Mal wieder sehr schade, dass ein Begriff nicht mehr genutzt wird!
Galanteriewaren, von französisch galanterie, „Liebenswürdigkeit“, ist eine veraltete Bezeichnung für modische Accessoires. Zu den Galanteriewaren zählen Modeschmuck (Bijouterie) und kleinere modische Gebrauchsgegenstände wie Parfümfläschchen (Ölflakons) − sie wurden früher manchmal an einem Kettchen getragen −, Puderdosen, auffällige Knöpfe, Armbänder, Schnallen, Tücher, Schals, Bänder, Fächer usw.
Aha! Mal wieder sehr schade, dass ein Begriff nicht mehr genutzt wird!
Samstag, 2. Juli 2011
Aberglaube
-cp- Es gibt unzählige Begriffsschemata, nach denen sich Literatur in unterschiedliche Kategorien aufteilen lässt. Eines dieser Schemata trennt belletristische Texte in zwei Kategorien: in realistische und fantastische Literatur. Definiert man diese beiden Kategorien grob, dann würde realistische Literatur die Geschichten umfassen, die man als theoretisch in der Wirklichkeit denkbar einstufen würde, während die fantastische Literatur als Überbegriff für die Geschichten steht, die sich mit übernatürlichen Elementen befassen. Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes ist ein Beispiel für eine Figur, deren Geschichten sich im Grenzland zwischen den beiden Kategorien befindet. In der Tendenz würde man sie allerdings eher zur realistischen Literatur zählen, denn trotz der zum Teil hanebüchenen Handlungsabläufe wären sie rein theoretisch doch denkbar, da letztlich alle übernatürlich erscheinenden Phänomene durch Holmes' induktives Denken auf Natürliches und Erklärbares zurückgeführt wird.
Ein wichtiges Merkmal der Geschichten ist hierbei der Aberglaube der Figuren, denn ohne ihn würden übernatürlich erscheinende Ereignisse von vornherein nicht ernst genommen, und es gäbe keine Geschichten. Holmes' Waffen gegen den Abglauben sind Vernunft und Zweifel.
Der Aberglaube der Figuren ist auch in anderen Geschichten des fortgeschrittenen 19. Jahrhunderts ein wichtiges Merkmal, weil er bewirken kann, dass realistische Literatur eine mitunter gruselige Note bekommt.
In Die Abenteuer des Tom Sawyer (Mark Twain, 1876) möchte Toms Freund Huckleberry Finn eine Warze loswerden, und zwar mithilfe einer toten Katze: "Weißt du, du nimmst die Katze und gehst auf den Kirchhof gegen Mitternacht, dahin, wo ein Gottloser begraben ist. Wenn's dann Mitternacht ist, kommt ein Teufel - oder auch ein zweiter oder dritter -, du kannst sie aber nicht sehen, sondern hörst nur so was wie den Wind, oder hörst sie sprechen. Und wenn sie dann den Kerl fortschleppen, wirfst du die Katze hinterher und rufst 'Teufel hinterm Leichnam her, Katze hinterm Teufel her, Warze hinter der Katze her - Seh euch alle drei nicht mehr!' Das heilt jede Warze." (Ausgabe des Lingen-Verlags, Köln, S. 64)
Auch in Der Schimmelreiter (Theodor Storm, 1888) soll die Natur durch abergläubische Handlungen bezwungen werden. Protagonist Hauke Haien ist Deichgraf und will einen neuen, sicheren Deich bauen. Die Arbeiter meinen nun, ohne Opfer könne der Deich nicht halten. "Soll Euer Deich sich halten, so muss was Lebiges hinein!" - "Was Lebiges? Aus welchem Katechismus hast du das gelernt?" - "Aus keinem, Herr!", entgegnete der Kerl, und aus seiner Kehle stieß ein reches Lachen; "das haben unsere Großväter schon gewusst, die sich mit Euch im Christentum wohl messen durften! Ein Kind ist besser noch; wenn das nicht da ist, tut's wohl auch ein Hund!" (Ausgabe des Anaconda Verlags, Köln, 2006, S.105f.)
Ein wichtiges Merkmal der Geschichten ist hierbei der Aberglaube der Figuren, denn ohne ihn würden übernatürlich erscheinende Ereignisse von vornherein nicht ernst genommen, und es gäbe keine Geschichten. Holmes' Waffen gegen den Abglauben sind Vernunft und Zweifel.
Der Aberglaube der Figuren ist auch in anderen Geschichten des fortgeschrittenen 19. Jahrhunderts ein wichtiges Merkmal, weil er bewirken kann, dass realistische Literatur eine mitunter gruselige Note bekommt.
In Die Abenteuer des Tom Sawyer (Mark Twain, 1876) möchte Toms Freund Huckleberry Finn eine Warze loswerden, und zwar mithilfe einer toten Katze: "Weißt du, du nimmst die Katze und gehst auf den Kirchhof gegen Mitternacht, dahin, wo ein Gottloser begraben ist. Wenn's dann Mitternacht ist, kommt ein Teufel - oder auch ein zweiter oder dritter -, du kannst sie aber nicht sehen, sondern hörst nur so was wie den Wind, oder hörst sie sprechen. Und wenn sie dann den Kerl fortschleppen, wirfst du die Katze hinterher und rufst 'Teufel hinterm Leichnam her, Katze hinterm Teufel her, Warze hinter der Katze her - Seh euch alle drei nicht mehr!' Das heilt jede Warze." (Ausgabe des Lingen-Verlags, Köln, S. 64)
Auch in Der Schimmelreiter (Theodor Storm, 1888) soll die Natur durch abergläubische Handlungen bezwungen werden. Protagonist Hauke Haien ist Deichgraf und will einen neuen, sicheren Deich bauen. Die Arbeiter meinen nun, ohne Opfer könne der Deich nicht halten. "Soll Euer Deich sich halten, so muss was Lebiges hinein!" - "Was Lebiges? Aus welchem Katechismus hast du das gelernt?" - "Aus keinem, Herr!", entgegnete der Kerl, und aus seiner Kehle stieß ein reches Lachen; "das haben unsere Großväter schon gewusst, die sich mit Euch im Christentum wohl messen durften! Ein Kind ist besser noch; wenn das nicht da ist, tut's wohl auch ein Hund!" (Ausgabe des Anaconda Verlags, Köln, 2006, S.105f.)
Mittwoch, 15. Juni 2011
Falsche Freunde
-cp- Heute gibt es in der Kategorie Zitat des Tages mal ein schönes Beispiel für ein Teekesselchen.
"Der Besitz verschafft Freunde, das gebe ich zu, aber falsche, und er verschafft sie nicht dir, sondern sich." (Erasmus von Rotterdam) Hier ist die wörtliche Bedeutung des "falschen Freundes" gleich der wirklichen. (Das hoffe ich zumindest.) Es gibt aber auch Auslegungen im übertragenen Sinne.
"Eine besondere Form der Flatulenz besteht, wenn beim Abgang von Leibwinden ungewollt Stuhl mit abgeht (umgangssprachlich falscher Freund)." (Wikipedia) Wenn das ein "falscher Freund" ist, was ist denn dann ein echter?
Auch in der Auseinandersetzung mit Sprache findet sich ein falscher Freund: (Wikipedia)
Wie man es also dreht und wendet: Bei falschen Freunden muss man vorsichtig sein. Bei falschem Hasen allerdings sieht es schon wieder anders aus.
"Der Besitz verschafft Freunde, das gebe ich zu, aber falsche, und er verschafft sie nicht dir, sondern sich." (Erasmus von Rotterdam) Hier ist die wörtliche Bedeutung des "falschen Freundes" gleich der wirklichen. (Das hoffe ich zumindest.) Es gibt aber auch Auslegungen im übertragenen Sinne.
"Eine besondere Form der Flatulenz besteht, wenn beim Abgang von Leibwinden ungewollt Stuhl mit abgeht (umgangssprachlich falscher Freund)." (Wikipedia) Wenn das ein "falscher Freund" ist, was ist denn dann ein echter?
Auch in der Auseinandersetzung mit Sprache findet sich ein falscher Freund: (Wikipedia)
Wie man es also dreht und wendet: Bei falschen Freunden muss man vorsichtig sein. Bei falschem Hasen allerdings sieht es schon wieder anders aus.
Freitag, 3. Juni 2011
Eselsohren
-cp- Das "Eselsohr" ist nicht nur ein Teekesselchen mit verschiedensten Bedeutungen, sondern auch ein klassisches Motiv aus Kinderliteratur und Märchen. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Eselsohr als Narrenkappe, was vermutlich die doppelte Strafe für die Protagonisten der Geschichten erklärt, denen Eselsohren wachsen: Die entstellenden Tierohren haben gleichzeitig die Narrenkappen-Symbolik.
Beim Esel als Märchenfigur denken viele vermutlich zunächst an den Esel aus Tischlein deck Dich der Brüder Grimm. Der ist zwar nicht als Figur interessant, da er mit dem "Tischlein deck Dich" und dem "Knüppel aus dem Sack" in einer Reihe steht und daher eher als magisches Artefakt zu sehen ist, aber der "Goldesel" ist durch dieses Märchen zum festen Begriff geworden. Einen weiteren bekannten Esel gibt es in der deutschen Märchenlandschaft, und der ist Sänger bei den "Bremer Stadtmusikanten".
Ein neben dem Esel als Figur sehr interessantes Märchenmotiv ist der Mensch mit Eselsohren. Hier ist zunächst mal das vor allem in Portugal, aber auch in Spanien bekannte Märchen "Der Prinz mit den Eselsohren" zu nennen. Da bekommen Königin und König einen Sohn. Die Feen geben ihm gute Wünsche mit auf den Weg, nur eine Fee sagt, dass ihm Eselsohren wachsen sollen, damit er nicht zu stolz und hochmütig werde. Und so geschieht es.
In "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff isst die Titelfigur magische Feigen, woraufhin ihm Eselsohren wachsen. Durch das Essen von magischen Feigen eines anderen Baumes verschwinden die Eselsohren wieder. Diese beiden Sorten Feigen nutzt der kleine Muck aus und stellt damit den Hofstaat auf den Kopf.
Auch in dem bekannten Kinderbuch "Pinocchio" (Carlo Collodi) geschieht etwas Ähnliches. Im Spielland gibt sich Pinocchio dem Müßiggang hin, und er verwandelt sich in einen Esel. Er wird an einen Zirkus verkauft, wo er sich während einer Vorstellung verletzt. Er wird weiterverkauft, ins Meer geworfen und verwandelt sich zurück.
Selbst in der Antike gibt es das Motiv: Lucius Apuleius schrieb einen lateinischen Roman nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata. Titel: "Der goldene Esel". Ein junger Mann beobachtet eine Hexe, die sich mit Hilfe einer Salbe in einen Vogel verwandelt. Er will es auch versuchen, doch weil dabei die Salben verwechselt werden, verwandelt er sich in einen Esel.
Das Märchen "Eselsohr und Hahnenkamm" aus meinem gleichnamigen Buch (Hörspielfassung auf CD: Rumpelstilzchen schlägt zurück) greift das Motiv ebenfalls auf. (Der Hahnenkamm war übrigens auch Narrenkappe.) Hier stehlen zwei junge Burschen einer Hexe Äpfel vom Baum. Und als sie die Äpfel essen, verwandeln sie sich. Dem einen wächst ein Hahnenkamm und ein Schnabel, dem anderen wachsen Eselsohren. Sie werden nun verspottet und ausgegrenzt, suchen das Weite und landen schließlich bei einem kleinen Jahrmarkt, dessen Direktor sie quasi als Monster ausstellt. Nun tun sie alles, um aus dem Jahrmarkt zu fliehen.
Letzter Literaturtipp: Ellis Kaut ("Pumuckl", "Schlupp vom grünen Stern") hat ein Kinderbuch mit dem Titel "Der kluge Esel Theobald geschrieben", das seit geraumer Zeit vergriffen, aber durchaus noch gebraucht zu bekommen ist. Einige hier aufgeführte Motive (Esel, Hexen, Zirkus, ...) finden sich auch in diesem Buch wieder.
Beim Esel als Märchenfigur denken viele vermutlich zunächst an den Esel aus Tischlein deck Dich der Brüder Grimm. Der ist zwar nicht als Figur interessant, da er mit dem "Tischlein deck Dich" und dem "Knüppel aus dem Sack" in einer Reihe steht und daher eher als magisches Artefakt zu sehen ist, aber der "Goldesel" ist durch dieses Märchen zum festen Begriff geworden. Einen weiteren bekannten Esel gibt es in der deutschen Märchenlandschaft, und der ist Sänger bei den "Bremer Stadtmusikanten".
Ein neben dem Esel als Figur sehr interessantes Märchenmotiv ist der Mensch mit Eselsohren. Hier ist zunächst mal das vor allem in Portugal, aber auch in Spanien bekannte Märchen "Der Prinz mit den Eselsohren" zu nennen. Da bekommen Königin und König einen Sohn. Die Feen geben ihm gute Wünsche mit auf den Weg, nur eine Fee sagt, dass ihm Eselsohren wachsen sollen, damit er nicht zu stolz und hochmütig werde. Und so geschieht es.
In "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff isst die Titelfigur magische Feigen, woraufhin ihm Eselsohren wachsen. Durch das Essen von magischen Feigen eines anderen Baumes verschwinden die Eselsohren wieder. Diese beiden Sorten Feigen nutzt der kleine Muck aus und stellt damit den Hofstaat auf den Kopf.
Auch in dem bekannten Kinderbuch "Pinocchio" (Carlo Collodi) geschieht etwas Ähnliches. Im Spielland gibt sich Pinocchio dem Müßiggang hin, und er verwandelt sich in einen Esel. Er wird an einen Zirkus verkauft, wo er sich während einer Vorstellung verletzt. Er wird weiterverkauft, ins Meer geworfen und verwandelt sich zurück.
Selbst in der Antike gibt es das Motiv: Lucius Apuleius schrieb einen lateinischen Roman nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata. Titel: "Der goldene Esel". Ein junger Mann beobachtet eine Hexe, die sich mit Hilfe einer Salbe in einen Vogel verwandelt. Er will es auch versuchen, doch weil dabei die Salben verwechselt werden, verwandelt er sich in einen Esel.
Das Märchen "Eselsohr und Hahnenkamm" aus meinem gleichnamigen Buch (Hörspielfassung auf CD: Rumpelstilzchen schlägt zurück) greift das Motiv ebenfalls auf. (Der Hahnenkamm war übrigens auch Narrenkappe.) Hier stehlen zwei junge Burschen einer Hexe Äpfel vom Baum. Und als sie die Äpfel essen, verwandeln sie sich. Dem einen wächst ein Hahnenkamm und ein Schnabel, dem anderen wachsen Eselsohren. Sie werden nun verspottet und ausgegrenzt, suchen das Weite und landen schließlich bei einem kleinen Jahrmarkt, dessen Direktor sie quasi als Monster ausstellt. Nun tun sie alles, um aus dem Jahrmarkt zu fliehen.
Letzter Literaturtipp: Ellis Kaut ("Pumuckl", "Schlupp vom grünen Stern") hat ein Kinderbuch mit dem Titel "Der kluge Esel Theobald geschrieben", das seit geraumer Zeit vergriffen, aber durchaus noch gebraucht zu bekommen ist. Einige hier aufgeführte Motive (Esel, Hexen, Zirkus, ...) finden sich auch in diesem Buch wieder.
Donnerstag, 3. Februar 2011
Mit freundlichen Grüßen
-cp- Die klassische Formel am Ende eines formellen Briefes lautet "Mit freundlichen Grüßen", abgekürzt "MfG". Die Floskel ist so geläufig, dass Die Fantastischen Vier ihr sogar einen Song gewidmet haben. Im Email-Zeitalter sind die "freundlichen Grüße" nicht mehr so oft zu lesen. Eine neue formelle Schlussformel scheint "Herzliche Grüße" geworden zu sein, selbst in eher sachlichen Zusammenhängen ("Sachliche Grüße" würde sich wohl seltsam lesen). Die beiden Formeln "Liebe Grüße" und "Viele Grüße" werden wohl im Schwerpunkt bei privaten Mails genutzt, gern auch in Kombination "Viele liebe Grüße", und wenn's der Schreiber eilig hat, taucht manchmal einfach nur ein "Gruß" auf oder es wird gar nicht mehr unterschrieben.
In Betriebsrats- und Gewerkschaftszusammenhängen wird gerne auch "Mit kollegialem Gruß" verwendet. Das "Mit freundlichen Grüßen" taucht geschäftlich hin und wieder noch in automatisierter Form auf, wenn die Emails nicht mehr persönlich mit einem Gruß am Ende versehen werden, weil dieser bereits in der automatischen Fußzeile enthalten ist. Absurd wird's ein wenig, wenn dem automatischen Gruß doch noch ein persönlicher vorangestellt wird, quasi: halbgeschäftlich. Und das "Hochachtungsvoll" ist wohl immer noch ein Zeichen deutlicher formaler Distanz.
In diesem Sinne: Tschüß!
In Betriebsrats- und Gewerkschaftszusammenhängen wird gerne auch "Mit kollegialem Gruß" verwendet. Das "Mit freundlichen Grüßen" taucht geschäftlich hin und wieder noch in automatisierter Form auf, wenn die Emails nicht mehr persönlich mit einem Gruß am Ende versehen werden, weil dieser bereits in der automatischen Fußzeile enthalten ist. Absurd wird's ein wenig, wenn dem automatischen Gruß doch noch ein persönlicher vorangestellt wird, quasi: halbgeschäftlich. Und das "Hochachtungsvoll" ist wohl immer noch ein Zeichen deutlicher formaler Distanz.
In diesem Sinne: Tschüß!
Donnerstag, 1. Juli 2010
Zua rechtn Zeit des rechte Wort:
Der bayerische Schimpfkalender
-sv- Schon im letzten Beitrag habe ich auf Gerhart Polt und seine Künste im Fluchen hingewiesen [hier]. Damit dem Bayern (und dem Zugereisten) nicht die Schimpfwörter ausgehen, gibt es den bayerischen Schimpfkalendern [Link]. Frei nach dem Motto: an jedem Ort das richtige Wort! Mit besten Grüßen, Euer/Ihr Kletznsepp!
Mittwoch, 19. Mai 2010
Arschgesicht
-cp- Ich finde es immer wieder unverständlich, warum Menschen, die ohnehin erfolgreich sind, dann auch noch mit Preisen überschüttet werden. Da kriegt ein Film wie Avatar zwei Golden Globes und drei Oscars. Dabei hatte er ein Produktionsbudget von mindestens 237 Millionen Dollar [Wiki]. Ist das Niveau dieses Films in Anbetracht der Mittel, die zu seiner Herstellung verwendet wurden, wirklich erwähnenswert?
Aktuell wundere ich mich darüber, dass gerade Udo Lindenberg wegen seiner "Verdienste um die deutsche Sprache" mit dem Jakob-Grimm-Preis ausgezeichnet wird. [Spiegel] Bei Lindenberg fallen mir immer vor allem Texte wie Arschgesicht [YouTube] und Die Klavierlehrerin [YouTube] ein. Sicherlich hat er auch andere Texte geschrieben, aber mal ganz ehrlich: Sind die wirklich so erwähnenswert? Und dann die Begründung: Er habe bewiesen, "dass anspruchsvolle, schöne Rock-Texte in deutscher Sprache möglich sind und außerordentlich erfolgreich sein können". Sollte man da nicht eher Liedermacher oder Rockmusiktexter auszeichnen, die wirklich anspruchsvolle Texte machen und eben (noch) nicht so erfolgreich sind? Muss man da dem Lindenberg, der sowieso schon sehr erfolgreich ist, noch zusätzlich Geld in den (Verzeihung) Arsch schieben?
Fazit: Leider kommt man nicht umhin zu bemerken, dass viele kulturelle Preisverleihungen einen ziemlich faden Beigeschmack haben.
Aktuell wundere ich mich darüber, dass gerade Udo Lindenberg wegen seiner "Verdienste um die deutsche Sprache" mit dem Jakob-Grimm-Preis ausgezeichnet wird. [Spiegel] Bei Lindenberg fallen mir immer vor allem Texte wie Arschgesicht [YouTube] und Die Klavierlehrerin [YouTube] ein. Sicherlich hat er auch andere Texte geschrieben, aber mal ganz ehrlich: Sind die wirklich so erwähnenswert? Und dann die Begründung: Er habe bewiesen, "dass anspruchsvolle, schöne Rock-Texte in deutscher Sprache möglich sind und außerordentlich erfolgreich sein können". Sollte man da nicht eher Liedermacher oder Rockmusiktexter auszeichnen, die wirklich anspruchsvolle Texte machen und eben (noch) nicht so erfolgreich sind? Muss man da dem Lindenberg, der sowieso schon sehr erfolgreich ist, noch zusätzlich Geld in den (Verzeihung) Arsch schieben?
Fazit: Leider kommt man nicht umhin zu bemerken, dass viele kulturelle Preisverleihungen einen ziemlich faden Beigeschmack haben.
Montag, 22. März 2010
Sprachverflachung
-cp- Wer kennt es nicht, das "Montag-Morgen-Syndrom"? Man liegt im Bett wie ein Stein, und die bloße Vorstellung, aufstehen zu müssen, vermittelt ein Gefühl der Überforderung. "Gerädert" ist ein Wort, das einem in diesem Zusammenhang einfällt. Eine ziemlich Übertreibung, wenn man mal nachliest, welchen Ursprung der Begriff hat.
Dienstag, 1. Dezember 2009
Sprachförderung andersrum
-cp- Unter normalen Umständen wird unter "Sprachförderung" ein Prozess verstanden, in dem pädagogische Fachkräfte Kindern und Jugendlichen sprachfördernde Maßnahmen zuteil werden lassen, mit dem Ziel, Wortschatz, Grammatik, Artikulation und im besten Fall auch noch Reflexionsvermögen zu schulen. Auf Initiative des Langenscheidt Verlags werden seit geraumer Zeit die mal mehr mal weniger gelungenen verbalen Absonderungen Jugendlicher unter die Lupe genommen und mit der deutschen Sprachen in Verbindung gesetzt, auf dass die Erwachsenen nachvollziehen können, was die Jugend so plaudert. Aber die Ergebnisse könnten durchaus auch der Verständigung von Jugendlichen untereinander dienlich sein, denn es ist kaum vorstellbar, dass jemand den gesamten Jugendsprachschatz beherrscht. Zum Teil enthält er übrigens sehr kreative Wortneuschöpfungen, auch wenn diese manchmal erschreckende Facetten deutscher Wirklichkeit widerspiegeln. Jugendwort des Jahres 2009 ist das Verb "hartzen", das Bezug auf Hartz IV nimmt. Mehr Infos gibt es unter www.jugendwort.de.
Montag, 23. November 2009
Immer auf die armen Vandalen
-sv- Die Vandalen werden ähnlich stigmatisiert wie Menschen, die an Schizophrenie leiden. Liebt es die Presse, über alle Resorts etwas "schizophren" zu finden, sobald ein Ding zwei Seiten zu haben scheint, müssen die Vandalen immer dann herhalten, wenn mal wieder etwas zerstört wurde [Spiegel].
So wenig zutreffend wie die Begriffsverwendung im Falle der Schizophrenie ist, ist sie dies auch im Falle der Stigmatisierung der Vandalen. Denn im Grunde scheinen sie kaum etwas getan zu haben, dass die Verwendung ihres Namens im Kontext von "blinder Zerstörungswut" rechtfertigen würde [Details hier und hier]. Insofern: arme Vandalen ...
So wenig zutreffend wie die Begriffsverwendung im Falle der Schizophrenie ist, ist sie dies auch im Falle der Stigmatisierung der Vandalen. Denn im Grunde scheinen sie kaum etwas getan zu haben, dass die Verwendung ihres Namens im Kontext von "blinder Zerstörungswut" rechtfertigen würde [Details hier und hier]. Insofern: arme Vandalen ...
Sonntag, 11. Oktober 2009
Liebesdinge auf Wirtschaftisch
-cp- "Wenn eine Frau die Zärtlichkeit rationiert, geht der Mann auf den schwarzen Markt." (Senta Berger)
Freitag, 18. September 2009
Semantische Erwägung
-cp- Was ist eigentlich das Gegenteil von Ruhestand? So wie Rente=Ruhestand muss es doch auch eine Entsprechung von Arbeit=... geben. Vielleicht "Lärmgang"? Oder (im öffentlichen Dienst) "Geräuschsitz"?
Donnerstag, 6. August 2009
Sozialverhalten erjuggern
-cp- Manchmal findet man beim Recherchieren seltsame Dinge. Wenn man zum Beispiel im Themenkreis Förderung von Sozialkompetenz, Förderung von Sozialverhalten, ... herumgooglet, kann es passieren, dass man auf Jugger stößt, eine "Sportart", die wie eine barbarische Schlacht anmutet. Vielleicht ist sie am ehesten mit Rugby zu vergleichen, nur wird als Spielgerät ein (künstlicher) Hundeschädel verwendet. Diese Sportart geht zurück auf den Endzeitfilm Die Jugger - Kampf der Besten (1989), in dem ein ähnliches Spiel gladiatorenartig und mit echtem Hundeschädel gespielt wird. Während der Film anscheinend eher Kult als Qualität liefert und als ziemlich brutal gilt (FSK 18), soll nun das Spiel das Sozialverhalten fördern? Mag sein. Mag aber auch sein, dass man sich mit Sprache alles irgendwie hinbiegen kann, wenn man's gerade so braucht.
Dienstag, 4. August 2009
Warum eigentlich PREUSSEN Münster?
-sv- Namen von Fußballvereinen sind oft wenig originell (z.B. HSV, FC Bayern München), manchmal zu originell (SV Tasmania Gropiusstadt 73) und oft rätselhaft. Denn warum trägt der SC Preußen 06 e. V. Münster das "Preußen" in seinem Namen? Des Rätsels Lösung liegt in der deutschen Geschichte:
Gegründet wurde der Verein 1906, als Münster Teil des Königreichs Preußen (1701-1918) bzw. des Zweiten Deutschen Kaiserreichs (1871-1918) war. Zwischen 1918 und 1933 war Preußen Freistaat innerhalb des Deutschen Reichs, 1933 wurde es gleichgeschaltet und verlor seine Eigenständigkeit und 1947 wurde es von der Alliierten formell aufgelöst - seine fast 500-jährige Geschichte war beendet.
Der SC Preußen 06 e. V. Münster behielt seinen Namen bis heute, ebenso der Fußball-Oberligist Berliner FC Preussen 1894 e.V. und der SV Preußen Frankfurt aus der Landesklasse-Ost. Außerdem findet sich der Name "Preußen" in seiner lateinischen Form "Borussia" in vielen anderen Vereinsnamen (z.B. Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, die ebenfalls beide im Reichsgebiet des ehemaligen Preußen liegen).
Gegründet wurde der Verein 1906, als Münster Teil des Königreichs Preußen (1701-1918) bzw. des Zweiten Deutschen Kaiserreichs (1871-1918) war. Zwischen 1918 und 1933 war Preußen Freistaat innerhalb des Deutschen Reichs, 1933 wurde es gleichgeschaltet und verlor seine Eigenständigkeit und 1947 wurde es von der Alliierten formell aufgelöst - seine fast 500-jährige Geschichte war beendet.
Der SC Preußen 06 e. V. Münster behielt seinen Namen bis heute, ebenso der Fußball-Oberligist Berliner FC Preussen 1894 e.V. und der SV Preußen Frankfurt aus der Landesklasse-Ost. Außerdem findet sich der Name "Preußen" in seiner lateinischen Form "Borussia" in vielen anderen Vereinsnamen (z.B. Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach, die ebenfalls beide im Reichsgebiet des ehemaligen Preußen liegen).
Dienstag, 28. Juli 2009
Jamie lange T9
-cp- Vor einem Jahr habe ich meinen Bruder per SMS mitgeteilt, dass meine Mutter durchblicken lassen hat, dass sie sich zum Geburtstag ein Buch von Jamie Oliver wünscht. Mein Handy kannte den Namen Jamie nicht, da habe ich ihm den beigebracht. Ich habe meinem Handy lange Zeit alles, was es nicht wusste, beigebracht. Immerhin gibt es ja auch Jamie Cullum und Jamie Lee Curtis, und damit Namen, die man beinahe täglich durch die Weltgeschichte simst. Naja, Spaß beiseite. Man sollte seinem Handy nicht zu viel beibringen. Meins schlägt mir nämlich seitdem immer, wenn ich "lange" schreiben möchte, "Jamie" vor. Jamie habe ich allerdings nie wieder geschrieben.
Dienstag, 26. Mai 2009
Meteorismus
-sv- Es gibt tatsächlich für fast alles einen Fachbegriff! Hier steht, was man unter Meteorismus versteht. Stichwort: Heiße Luft zum Stinken bringen.
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