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Freitag, 27. April 2012

Lesehunger

-cp- "Das grenzenloseste Abenteuer der Kindheit, das war das Leseabenteuer. Für mich begann es, als ich zum ersten Mal ein eigenes Buch bekam und mich da hinein schnupperte. In diesem Augenblick erwachte mein Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert." (aus: Astrid Lindgren, "Das entschwundene Land") In diesem Sinne der Hinweis auf einen Appetitmacher: Die Stiftung Lesen hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt Lesestart ins Leben gerufen. So sinnvoll das Projekt auch ist, muss die Frage aufgeworfen werden, warum es so lange gedauert hat, waren doch die Erfolge von Bookstart in England seit Anfang der 90er Jahre bekannt. Zu hoffen bleibt, dass die Familien auch Unterstützung erhalten, was die Umsetzung angeht. Hier sind sicherlich die Kitas gefragt. Siehe auch: Literaturkita.

Dienstag, 10. Januar 2012

Eskapismus oder Stimme der Sehnsucht

-cp- Es ist ja ein altes Lied, dass man der fantastischen Literatur vorwirft, sie unterstütze lediglich den Eskapismus-Tendenzen labiler Menschen, die sich dann in entsprechenden Büchern, Filmen, usw. verlieren. Diese Kritik wurde in Bezug auf J. R. R. Tolkien, Michael Ende, uva. geäußert.

Für die Sehnsucht nach dem Fantastischen hat Thomas Kielinger eine Erklärung: "Unsere Zeit leidet am Mangel politischer Größe, die sich nicht einstellen will inmitten der ökonomischen Malaise, die wie eine globale Krake das Denken gefangen hält. Helden hätte man gerne, Drachentöter, die mit dem Schwert der Rechtschaffenheit den Monstern der Gegenwart entgegentreten und ihnen den Garaus machen." (Die Welt)

Der Mangel an Komplexität, den man Figuren der Fantasy-Literatur oft nachsagt, hat eben auch eine Kehrseite: Die eher einfach gezeichneten und gradlinigen Figuren sind eher Archetypen als komplexe Charaktere, d.h. sie stehen für Grundbilder. Eine Geschichte, die Komplexität zu reduzieren versteht, und deren Bilder und Konflikte so viel überschaubarer sind als die (politische) Wirklichkeit unserer Tage, kommt einer Sehnsucht entgegen. Im Kino stehen Fantasy-Filme, (zu denen auch Comic-Verfilmungen mit Superhelden-Geschichten gezählt werden können) hoch im Kurs. Ob das der Film The Iron Lady über die "Heldin von Einst" (Kielinger) Margaret Thatcher ebenfalls einlösen kann, bleibt abzuwarten.

Sonntag, 1. Januar 2012

2012 - Ein paar mehr oder weniger wichtige Jubiläen

-cp- Das Tückische bei Jubiläen ist, dass es, je weiter die Geschichte voranschreitet, eine immer größere Auswahlgibt. Hier ein paar spannende Jahrestage, chronologisch rückwärts, die dieses Jahr an der Reihe sind. (Auf Geburts- und Todestage wird hier verzichtet.)
  • Am 01.01.2002 wurde der Euro als Barwährung eingeführt. (10 Jahre Euro)
  • Am 31.03.1987 erhielt der Film "Platoon" vier Oscars, unter anderem als bester Film. (25 Jahre Platoon-Oscars)
  • Am 09.04.1962 erhielt der Film "West Side Story" zehn Oscars, unter anderem als bester Film. (50 Jahre West Side Story-Oscars)
  • Am 17.06.1962 wurde bei der Fußball-WM 1962 in Chile Brasilien zum zweiten Mal Weltmeister.Im Finale schlugen sie die Tschechoslowakei mit 3:1. (50 Jahre WM 1962)
  • Im Oktober 1962 befand sich die Welt am Rande eines (Atom-)Krieges der Supermächte USA und Sowjetunion. (50 Jahre Kubakrise)
  • Am 15. April 1912 sank die Titanic, 1500 Menschen starben. (100 Jahre Titanic-Katastrophe) Am 14. Dezemer 1997 wurde James Camerons Film Titanic in den USA uraufgeführt, der später mit elf Oscars ausgezeichnet werden sollte. (15 Jahre Titanic-Film). Für dieses Jahr ist eine Wiederaufführung mit neuen 3D-Effekten geplant. Die Wiederaufführung soll auf den 6. April fallen, dem hundertsten Jahrestag des Auslaufens der Titanic.
  • Am 13. August 1912 lernt Franz Kafka seine spätere Verlobte Felice Bauer kennen. Berühmt ist diese Beziehung wegen der Briefe. Das Paar war drei mal verlobt. Nach der dritten Entlobung heiratete Felice Bauer den Bankprokuristen Moritz Marasse. Die Familie siedelte in die Schweiz über und wanderte später in die USA aus. Hier kommt 1981 (21 Jahre nach ihrem Tod) ihr Urenkel Adam Green zur Welt. (100 Jahre Begegnung Kafka/Bauer)
  • Am 04. Juli 1862 erzählte Lewis Carroll während einer Bootsfahrt auf der Themse den Schwestern Alice, Edith und Lorina Lidell eine Geschichte, die später unter dem Namen Alice im Wunderland veröffentlicht und berühmt werden sollte. (100 Jahre Alice im Wunderland-Idee).
  • Im Jahr 1812 führte Napoleon seinen berühmten Russland-Feldzug und scheiterte. (200 Jahre Russland-Feldzug)
  • Am 20.12.1812 erschien die Erstausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm. (200 Jahre Grimms Märchen)
  • Am 17.09.1787 wird die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika zu Papier gebracht und von George Washington, Benjamin Franklin und Alexander Hamilton unterschrieben. Alle drei sind heute als Portrait auf amerikanischen Dollar-Noten zu finden. Washington: 1 Dollar, Hamilton 10 Dollar, Franklin 100 Dollar. (225 Jahre Verfassung der USA)
  • Am 01.11.1512 wird Michelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle enthüllt. Das bekannteste Fresko ist Die Erschaffung Adams. (500 Jahre Fresken der Sixtinischen Kapelle)

Donnerstag, 22. September 2011

Die Todesstrafe

-cp- Aus aktuellem Anlass (Troy Davis' Hinrichtung): Dass die meisten Staaten der USA (neben einigen anderen Staaten weltweit) immer noch an der Todesstrafe festhalten, ist für sich genommen schon schwer nachvollziehbar. Dass aber eine Urteilsvollstreckung trotz erheblicher Zweifel an der Schuld des Verurteilten stattfindet, ist nicht zu begreifen.

Ein interessanter Gedanke hierzu findet sich bei Franz Kafka. In seiner Erzählung In der Strafkolonie ist letztlich jede Strafe eine Todesstrafe. Ein Offizier ist Richter und Henker in Personalunion. Die Strafe wird durch eine Maschine umgesetzt, die dem Verurteilten zunächst das übertretene Gebot in den Körper ritzt, bevor sie ihn nach und nach tötet. Ein Reisender teilt dem Offizier mit, dass er dieses Prozedere ablehnt. Der Offizier versucht danach aus eigenem Antrieb, sich selbst für dafür zu bestrafen, legt sich in die Maschine und will sich "Sei gerecht!" in den Körper ritzen lassen.

Dieser Höhepunkt aus Kafkas Erzählung wirft (mindestens) zwei wichtige Fragen auf: 1. Kann eine Todesstrafe überhaupt gerecht sein? (Was ist eigentlich Gerechtigkeit?)
2. Machen sich Richter und Henker durch die Vollstreckung nicht ebenfalls schuldig?

Neben Kafkas "In der Strafkolonie" gibt es noch einige andere Werke, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, u.a. sieben empfehlenswerte Filme zum Thema Todesstrafe.

Dienstag, 11. Januar 2011

Psychische Erkrankungen im Spielfilm

-cp- In zahlreichen Filmen tauchen "psychisch Kranke" auf, die Darstellung jedoch ist häufig wenig trennscharf. Es stellt sich die Frage, inwieweit Filme, obgleich sie häufig einen aufklärerischen Anspruch haben, zu Stigmatisierungsprozessen beitragen. Da gibt es im Thriller den "psychopathischen Killer", in der Komödie den "lächerlichen Irren" oder im Drama den "tragischen Helden mit geschundener Seele". In der Regel werden all diese Themenkomplexe mit dem gleichen Vokabular dargestellt. All das ist "Psycho". Der Begriff "Psycho" gehört längst zum Alltagsjargon und ist so negativ belegt, dass es für viele immer noch eine Schande darstellt, zum Psychologen zu gehen.

Was aber ist "Psycho" wirklich? Und: Inwieweit schaffen es ambitionierte Filme, halbwegs realistische Krankheitsdarstellungen abzuliefern? In seiner kommunikationswissenschaftlichen Analyse zu diesem Thema nimmt sich Dr. Stephan Grunst dieser Fragen anhand dreier Themenkomplexe an: Alkoholkrankheit, Schizophrenie und bipolare Störung. Die Krankheiten werden aus medizinisch-psychiatrischer Sicht dargestellt und mit dem verglichen, was die allgemein als ernst zu nehmenden Filme zu diesen Krankheitsbildern darstellen, z.B. "A beautiful mind" zum Thema Schizophrenie. Tragen die Filme zu einem realistischen Blick auf die Erkrankungen bei? Oder sind die Filme selbst stigmatisierend?

Eine wissenschaftliche Arbeit, die sehr spannend zu lesen ist und zudem in gut nachvollziehbaren Schritten sehr genau arbeitet. Wer sich für das Thema interessiert oder sich generell mit Filmanalysen befassen möchte, wird von diesem Buch keinesfalls enttäuscht werden. Mehr Informationen auf www.psychiatriefilm.de.

Donnerstag, 9. September 2010

Fall Benaissa auch abgeschlossen

-sv- Nachdem "Kategorie: Vermischtes" mehrfach über die Causa Benaissa berichtet hatte, kann nun auch dieser Fall zu den Akten gelegt werden. Wie "Die Welt" berichtet, erhält Nadja Benaissa zwei Jahre auf Bewährung und muss 300 Stunden gemeinnützig arbeiten.
Pünktlich zum Abschluss des Prozesses erscheint ihre Biographie "Alles wird gut" als Buch und Hörbuch. Da bleibt nur zu hoffen, dass sie mit ihrem Honorar ihre Schulden begeleichen kann, war sie doch Anfang 2008 nach eigenen Angaben "pleite" und musste einen Offenbarungseid ablegen, was soviel wie Privatinsolvenz bedeutet.

Urteil gegen Jörg Tauss wegen Sichverschaffens kinderpornographischer Schriften rechtskräftig

-sv- Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 31.08.2010:

"Das Landgericht Karlsruhe hat den Angeklagten unter anderem wegen des Sichverschaffens kinder- und jugendpornographischer Schriften in 95 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Nach den Feststellungen des Landgerichts hatte der Angeklagte, der im Tatzeitraum Mitglied des Deutschen Bundestages war, Kontakt zu mehreren Personen aus der Kinderpornographieszene, an die er mittels seines Mobiltelefons Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornograhischen Inhalten versandte und von denen er solche Dateien auch per Mobiltelefon erhielt.

Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung konnten zudem weitere Bild- und Videodateien sowie drei DVDs mit kinder- und jugendpornographischen Inhalten, die der Angeklagte in der Innentasche eines in seinem Schrank hängenden Jacketts bzw. in der hinteren Reihe eines zweireihig bestückten Bücherregals aufbewahrt hatte, sichergestellt werden.

Der Einlassung des Angeklagten, er habe die Taten in Ausübung seines Bundestagsmandats begangen, um eigene Erkenntnisse über die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet zu gewinnen, ist das Landgericht nicht gefolgt. Der Angeklagte hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Sein auf die allgemeine Sachrüge* gestütztes Rechtsmittel hat der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs auf einen entsprechenden Antrag des Generalbundesanwalts als offensichtlich unbegründet verworfen (§ 349 Abs. 2 StPO). Das Urteil ist damit rechtskräftig."

Beschluss vom 24. August 2010 – 1 StR 414/10

Landgericht Karlsruhe – 2 KLs 310 Js 323/09 – Urteil vom 28. Mai 2010

Damit dürfte die Causa Tauss endgültig abgeschlossen sein!

*Im Zuge einer Sachrüge wird geprüft, ob das Recht richtig angewendet wurde. Details und Beispiele dazu hier.

Freitag, 28. Mai 2010

Tauss zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt

-sv- Nachdem "Kategorie: Vermischtes" an dieser Stelle am 18. Mai 2010 angekündigt hat, dass der Prozess gegen den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss beginnt (wegen des Besitzes von kinderpronographischem Material), wollen wir nun an dieser Stelle das Kapitel Tauss für beendet erklären: er ist vom Landgericht Karlsruhe zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Richter sahen es an diesem Freitag als erwiesen an, dass sich der 56-Jährige kinderpornografisches Material aus privatem Interesse beschafft hat. Tauss hat gegen das Urteil Revision beim BGH eingelegt, es ist folglich noch nicht rechtskräftig.
Details zum Prozess im SPIEGEL - hier wird mehr als deutlich, dass er sich in Widersprüche verstiegen hat. Tauss ist jetzt vorbestraft und reiht sich ein in die Reihe anderer straffällig gewordener Politiker.
Interessant ist es aus heutiger Sicht, seine Verteidigungsrede vom Anfang 2009 zu hören, in der er standhaft seine Unschuld beteuert [hier] - geglaubt hat ihm schon damals fast niemand. Ironie des Schicksals, dass das von Tauss so geliebte Internet jetzt zum Bumerang wird.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Streik der Krankenhausärzte: Immer mehr Geld für Ärzte und immer weniger für die Pflegenden

-sv- Die Ärzteschaft will mal wieder mehr Geld. Doch während hier auf hohem Niveau gelitten wird, geht es den Pflegenden ans Eingemachte. Wie der Tagesspiegel heute schreibt, wurden im Pflegebereich "zwischen 1996 und 2008 in den deutschen Kliniken, trotz Arbeitsverdichtung und kontinuierlich gestiegener Patientenzahl, 50 000 Vollzeitstellen abgebaut. Das ist, mit 14,2 Prozent, jede siebte. Im gleichen Zeitraum habe man die Zahl der Klinikärzte um rund 26 Prozent erhöht. Und von den 3,8 Milliarden Euro, um die sich die Personalkosten zwischen 2002 und 2008 erhöhten, landeten 2,9 Milliarden bei den Medizinern. Bei den Pflegekräften dagegen gab es ein Minus von 50 Millionen Euro." (Quelle) Klasse! Ein Krankenhausarzt verdient im Durchschnitt 66.000 € brutto im Jahr (Quelle), eine ausgebildete Pflegekraft im Durchschnitt 35.000 € (Quelle). Nun ist klar, dass mit Ausbildungsgrad und Verantwortung das Gehalt steigen sollte, ob man allerdings in Zeiten wie diesen 5% mehr Gehalt fordern sollte, ist fraglich. Der Ausspruch "mies bezahlt" (Quelle) von streikenden Ärzten zeigt, wie sich die Berufsgruppe selbst sieht und darstellt: kurz vor der Armut und nur ausgenutzt. Dass auch andere Berufsgruppen im Krankenhaus Überstunden machen, dafür aber tatsächlich schlecht bezahlt werden, entgeht der Arroganz der Mediziner. Aber es wird kommen, wie es immer kommt: mehr Geld für Ärzte, weniger für die Pflegenden und Stellenabbau im Pflegebereich - denn wo soll das Geld herkommen, dass die Ärzteschaft braucht, um überhaupt überleben zu können? Interessant wird es in einem Krankenhaus, wenn keine Pflegenden mehr dort sind - entweder, weil sie einfach nicht eingestellt werden oder weil der Job zu unattraktiv ist. Medizinische Versorgung ist nur ein Teil der Genesung - Zuwendung, Verständnis und Hilfe bei den Aktivitäten des tägliche Lebens der andere.
Schade ist in diesem Kontext, dass es die ca. 700.000 professionell Pflegenden nicht schaffen, mit einer Stimme zu sprechen - dies haben die Ärzte den Pflegenden voraus.

Dienstag, 18. Mai 2010

Kurz informiert: Prozess gegen Tauss beginnt.

-sv- Wie Kategorie: Vermischtes schon im März berichtet hat, geht es für den ehemaligen SPD-Abgeordneten Jörg Tauss nun ums Ganze: in Karlsruhe wird vor dem Landgericht sein Fall behandelt. Mehr dazu im Spiegel und in unserem Archiv.

Sonntag, 21. März 2010

Jörg Tauss muss im Mai vor Gericht

-sv- "Kategorie: Vermischtes" hat bereits mehrfach über den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss und seinen Besitz von kinderpornographischem Material berichtet [hier]. Nun wird Anklage gegen Tauss erhoben, wie der Focus berichtet - hierzu hat Tauss selbst noch nichts "gezwitschert".

Kino-Kultur?

-cp- In den vergangenen Monaten haben wir die Veränderung des Mainstream-Kinos in Richtung 3D beobachtet und dabei den Publikumserfolgen "Alice im Wunderland" (Rezension) und "Avatar" (Rezension 1, Rezension 2) besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Effekt steht über Inhalt, das ist die traurige Bestandsaufnahme dessen, was "Kino Kultur" derzeit auszumachen scheint, zumindest im Mainstream-Bereich. Mit Entgegennahme der 3D-Brille kann der Kino-Besucher sein Denkvermögen an der Kinokasse zurücklassen. Während des Films wird er es in den allermeisten Fällen nicht brauchen. Er soll gefälligst die immer höheren Eintrittspreise zahlen und die visuellen Feuerwerke auf der Leinwand bestaunen. Mitdenken ist nicht erwünscht. Das wirklich Traurige an der Sache ist, dass die Publikumsmassen dieser Entwicklung folgen. Die Frage, warum Hollywood auf die Story so wenig Wert legt, bleibt offen. Immerhin ist die Story das Skelett eines jeden Films. Sie stützt die Bilder und die Dialoge.

Gerade in den USA erfreut sich Robert McKee einer gewissen Bekanntheit. Er hat sich mit Filmgeschichten und Plots auseinandergesetzt und gibt Seminare zum Thema "Storytelling". Nicht nur Anfänger, sondern auch renomierte Drehbuchautoren besuchen seine Seminare oder lassen sich von ihm beraten. In dem Film Adaption hat er einen Gastauftritt. In seinem Buch "Story", dem Standardwerk für Drehbuch- und andere Autoren, schreibt er: "Schwache Storys, die unbedingt die Aufmerksamkeit des Publikums fesseln wollen, degenerieren zu knallig-wirren Multimillionen-Dollar-Demospulen. (...) Musik und Toneffekte werden zunehmend tumultartig. Die Gesamtwirkung versickert ins Groteskte. (...) Jedes Jahr produziert und/oder verleiht Hollywood vierhundert bis fünfhundert Filme. (...) Einige wenige sind hervorragend, aber die Mehrheit ist mittelmäßig oder schlimmer." (McKee, Robert: "Story", Berlin 2001, 2. Auflage)

Es bleibt abzuwarten, wie sich "Kino-Kultur" weiterentwickelt. Solange die Eintrittspreise weiterhin ins Unverschämte steigen und die Qualität der meisten Filme derartig flach ist, sollte man gut überlegen, was man mit seinem Geld und seiner Zeit anstellt.

Montag, 1. März 2010

Sinus-Milieus

-sv- "Sinus-Milieus sind Zielgruppen, die es wirklich gibt – in Sinus-Milieus werden Menschen nach ihren Lebensauffassungen und Lebensweisen gruppiert. Sinus-Milieus verbinden demografische Eigenschaften wie Bildung, Beruf oder Einkommen mit den realen Lebenswelten der Menschen, d.h. mit ihrer Alltagswelt, ihren unterschiedlichen Lebensauffassungen und Lebensweisen: Welche grundlegenden Werte sind von Bedeutung? Wie sehen die Einstellungen zu Arbeit, Familie, Freizeit, Geld oder Konsum aus? Sinus-Milieus werden für jedes Land einzeln entwickelt und validiert. Sie liegen heute von China bis Kanada für 18 Nationen vor und dienen dem (inter-) nationalen Marketing." (Quelle: www.sociovision.de)
Warum ich das zitiere? Es ist immer schön, wenn man Komplexität reduzieren und sich selbst einem Milieu zuordenen kann. Ich selbst sehe mich an der Schnittstelle zwischen bürgerlicher Mitte und Postmaterialismus. Es gibt aber noch die Katgeorien Traditionsverwurzelte, Konservative, DDR-Nostalgiker, Etablierte, Konsum-Materialisten, Postmaterielle, Moderne Performer, Experimentalisten und Hedonisten.
Lieber Leser: schau doch mal selbst, zu welcher Gruppe Du Dich hingezogen fühlst! Weitere Infos gibt es hier und hier.

Sonntag, 17. Januar 2010

Handygewalt

-cp- "Handygewalt" ist im Grunde eine gesteigerte Form des Mobbing, oft kombiniert mit Körperverletzung. Man sollte es kaum glauben, aber es gibt tatsächlich so viele Fälle, dass die Polizei nun in Kooperation mit dem Informationszentrum Mobilfunk auf Aufklärung und Beratung setzt. Für Opfer, die sich nicht trauen, zur Polizei zu gehen, sei noch die Nummer gegen Kummer empfohlen, wo es kostenlos und anonym eine erste Hilfe gibt. Bei der Polizei gibt es ein Medienpaket und einen Film bei Youtube:

Sonntag, 3. Januar 2010

Das Leben des David Gale

-cp- Alan Parker hat ein Händchen für Thriller mit politischem Hintergrund. "Midnight Express" und "Mississippi Burning" sind längst Filmklassiker. Das Thema Todesstrafe passt gut daher sehr gut in sein Werk. Filme über dieses Thema stellen meist die Frage, ob der zum Tode Verurteilte überhaupt schuldig ist, in den Mittelpunkt der Geschichte. Das liegt durchaus nahe, denn die Hinrichtung eines Unschuldigen würde die Forderung nach einer Abschaffung der Todesstrafe untermauern.

Zum Inhalt: David Gale (Kevin Spacey) war Philosophie-Professor und hat sich jahrelang in Theorie und Praxis gegen die Todesstrafe eingesetzt. Nun sitzt er selbst in der Todeszelle und gibt einer jungen Journalistin (Kate Winslet) ein letztes Interview. Auch hier stellt sich die Frage - ist er schuldig oder nicht? Hervorhebenswert ist dabei, dass die Auseinandersetzung mit der Todesstrafe an sich unabhängig von der Schuld oder Unschuld David Gales behandelt wird.

Der Film ist schauspielerisch und dramaturgisch absolut überzeugend und liefert ein beeindruckendes Statement gegen die Todesstrafe. Schnitt und Musik gehen teilweise experimentelle Wege, und dieses Experiment ist geglückt, denn der Film hat eine durch und durch unheilvolle Atmosphäre. Die Filmmusik stammt übrigens von den beiden Söhnen Alan Parkers und weicht deutlich vom Filmmusik-Mainstream ab. Auch der Soundtrack ist eine Anschaffung wert. Die DVD enthält auch einige sehenswerte Specials (Filmmusik, Todesstrafe in Texas, Making Of, ...). Einziges Manko ist die Soundqualität. Die Dialoge klingen etwas unsauber. Aber diese Störung ist minimal und fällt nicht ins Gewicht.

Samstag, 2. Januar 2010

Kleine Pädagogik des Märchens

-cp-Märchen gehören zu den ältesten literarischen Erzählformen überhaupt. Ursprünglich waren sie gar nicht für Kinder gedacht, sondern für Erwachsene. Und doch entwickelten sich spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Märchen zu einer spezifischen Gattung für Kinder und kaum ein anderes Buch entfaltete eine solche pädagogische Wirkung wie das Märchenbuch der Brüder Grimm.

Die Geschichte der Märchenpädagogik ist seitdem geprägt von Aufs und Abs. Der pädagogische Wert von Märchen wurde einerseits früh erkannt und herausgestellt. Andererseits waren viele Märchen wegen ihrer Grausamkeiten auch zu allen Zeiten umstritten. Die moderne Psychologie hat sich seit Sigmund Freud und Carl Gustav Jung bis heute immer wieder wissenschaftlich mit Märchen und ihrer entwicklungsfördernden Wirkung beschäftigt. Spätestens seit Bruno Bettelheims berühmter Studie Kinder brauchen Märchen von 1975 ist das Märchen unter pädagogischen und psychologischen Gesichtspunkte vollständig rehabilitiert. Heute weiß man: Märchen sind nicht nur unterhaltsam und erfreuen die Leser und Hörer, sondern sind auch phantasieanregend und allein deshalb pädagogisch wertvoll.

Ganz aktuell ist zu diesem Thema die Monographie „Kleine Pädagogik des Märchens“ von Oliver Geister erschienen. Dieses Buch bringt das Kunststück fertig, wichtige Theorien zur Textsorte Märchen komprimiert und verständlich darzustellen und mit didaktischen Ansätzen für die pädagogische Praxis zu versehen. So gibt es praktische Hinweise für Nutzungsmöglichkeiten, die sich zum Teil auf Kita, in der Hauptsache aber auf den Schulunterricht beziehen (Grundschule und 5./6.Klasse). Angereichert wird das Buch durch einige Textbeispiele. Das Buch ist für Pädagogen und Märcheninteressierte eine wunderbare und leicht zu lesende Lektüre. Wenn man didaktisch oder kreativ mit Märchen arbeiten möchte, ist das Buch ein guter Einstieg in das Thema, liefert aber auch über die grundlegenden Themen hinaus noch spannende Ansätze, wie z.B. die Erarbeitung und Produktion eines Märchenhörspiels als Klassenprojekt. An diesem und anderen Beispielen zeigt der promovierte Erziehungswissenschaftler Oliver Geister auf, wie mit Hilfe alter Märchen auch Medienkompetenz vermittelt werden kann. Auch moderne Märchen werden behandelt. Ein weiteres Thema ist die interkulturelle Nutzung von Märchen. Fazit: Unbedingt empfehlenswert! (Das Buch bei Amazon)

Link: www.maerchenpaedagogik.de

Dienstag, 29. Dezember 2009

Nachruf 2009

-sv- Am Ende des Jahres schaut man zurück auf das Jahr und auf verstorbene Persönlichkeiten. Die SZ tut dies in einer knapp 9-minütigen Slideshow, Wikipedia aktualisiert laufend seinen Nekrolog.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Die Todesstrafe im Film

-cp- In der Bundesrepublik Deutschland ist die Todesstrafe seit 1949 durch den Artikel 102 des Grundgesetzes ausdrücklich verboten. Doch in vielen Staaten der Welt ist sie noch heute gängige Praxis, so auch in einigen Bundesstaaten der USA. Trauriger Spitzenreiter ist in dieser Hinsicht der Bundesstaat Texas, denn dort werden über fünfzig Prozent der in den Staaten angeordneten Todesurteile vollstreckt.

Die Todesstrafe sorgt immer für Diskussionsstoff, und auch in Deutschland, obgleich sie hier schon lange nicht mehr praktiziert wird, ist das Thema durchaus aktuell, sei es als weltpolitisches oder ethisches Problem. Eine Auseinandersetzung findet sich unter anderem auf der Website von Amnesty International.

Auch im Film wurde die Todesstrafe mehrfach behandelt, mal am Rande, mal als zentrales Thema. Hier eine Liste von sieben empfehlenswerten Filmen:

1) Dead Man Walking (1995, Regie: Tim Robbins)
Links: Wikipedia, Amazon

2) Endstation Schafott (1973, Regie: José Giovanni)
Links: Wikipedia, Amazon

3) Ein kurzer Film über das Töten (1987, Regie: Krzysztof Kieślowski)
Links: Wikipedia, Amazon

4) Das Leben des David Gale (2002, Regie: Alan Parker)
Links: Wikipedia, Amazon

5) Ein wahres Verbrechen (1999, Regie: Clint Eastwood)
Links: Wikipedia, Amazon

6) Monsters Ball (2001, Regie: Marc Forster)
Links: Wikipedia, Amazon

7) Die Kammer (1996, Regie: James Foley)
Links: Wikipedia, Amazon

Samstag, 5. Dezember 2009

Shanti wegen Missbrauchs verurteilt, Polanski auf Kaution frei.

-cp- Das Wort "Berühmtheit" oder "Prominenter" ist vermutlich zu groß gewählt, wenn man über Oliver Shanti redet. Hinter diesem ziemlich weichgespühlten Künsternamen steckt Ulrich Schulz, ein deutscher Musiker und Musikproduzent, dessen künstlerischer Schwerpunkt im Bereich Esoterik- bzw. New Age-Musik liegt. Über seine musikalischen Ambitionen und Erfolge, soll allerdings an dieser Stelle nicht geurteilt werden.

Nachdem an dieser Stelle bereits in der Vergangenheit über Prominente berichtet wurde, die teils zu Recht teils ungerechtfertigt als pädophil gelten [Artikel aus dem September 2009], reiht sich nun auch Oliver Shanti in die Liste ein. Nachdem 2002 Vorwürfe in dieser Richtung bekannt wurden tauchte er unter. 2008 wurde er von den portugisischen Behörden nach Deutschland ausgeliefert. Im Prozess gestand er die ihm zur Last gelegten Taten. Das Urteil: sechs Jahre und zehn Monate Gefängnis [Spiegel Online]. Wenn das Klischee stimmt, wird seine Strafe nicht der langjährige Freiheitsentzug selbst sein, sondern die soziale Position, die verurteilte Pädophile innerhalb des Strafvollzugs haben.

Die Frage, was aus den Tätern wird, beschäftigt die Medien nachhaltig, wie gerade der Fall Polanski wieder zeigt. Der konnte jetzt gegen Zahlung einer Kaution aus der schweizerischen Justizvollzugsanstalt in eine Villa umziehen, wo er unter Hausarrest steht. Bestürzung gibt es auch darüber, dass viele berühmte Kollegen Polanskis eine Petition zu seinen Gunsten unterschrieben haben. Was nun weiter passiert wird man sehen. Was im Fall Polanski das Wort Gerechtigkeit überhaupt bedeuten kann, könnte Thema juristischer und/oder philosophischer Doktorarbeiten sein. [Artikel auf FAZ-Online]

Die weitaus wichtigere Frage ist allerdings die, was für die Opfer "gerecht" wäre, und zu dem Thema schweigen sich die Medien wie immer aus. Auch das Thema "Prävention" kommt zu kurz. Sicherlich wäre es falsch, die Opfer in die Medien zu zerren, aber die Frage, wie man Kinder schützen kann, verdient größere Aufmerksamkeit. Hierzu drei Links:
- Kinderschutzportal
- Zartbitter
- DGgKV

Montag, 9. November 2009

Marketingagentur "Bundesprüfstelle"

-sv- Witzig! Seit 16.10. ist das Album "Liebe ist für alle da" der Gruppe "Rammstein" im Handel erhältlich. Mehr als drei Wochen später fällt der Bundesprüfstelle auf, dass die Band auf dem Album zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr animiere sowie gefährdende Sadomaso-Praktiken verbreite. Ergebnis: Das Album kommt auf den Index. Ab 11.11. darf die neue Rammstein-CD nicht mehr an Minderjährige verkauft und auch nicht frei zugänglich ausgestellt oder beworben werden.
Der Schuss geht m.E. nach hinten los, denn eine bessere Werbung als die Indizierung kann sich eine Band wie Rammstein kaum wünschen - auch wenn die Bandmitglieder nicht verstehen können, warum ein Text (und sei er noch so platt und einfallslos) wie der zu dem Lied "Ich tu Dir weh" für Kinder möglicherweise ungeeignet sein könnte, Zitat: "Bei dir hab ich die Wahl der Qual - Stacheldraht im Harnkanal - Leg dein Fleisch in Salz und Eiter - Erst stirbst du, doch dann lebst du weiter - Bisse, Tritte, harte Schläge - Nadeln, Zangen und stumpfe Säge - Wünsch dir was, ich sag nicht nein - Und führ dir Nagetiere ein".