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Montag, 11. Februar 2013

Wenn Hexen im Zug fahren und Gnome die Uhr stellen ... - Moderne Märchen

Mit der CD „Die Hexe im Zug“ gibt der TimpeTe-Verlag eine alternative Antwort auf die Frage, was eigentlich unter dem Begriff Moderne Märchen zu verstehen sein könnte. Die sieben Geschichten spielen im Märchenland Lugabugien, in dem vieles so ganz märchentypisch ist: Hier leben Prinzen und Prinzessinnen, Hexen und Feen, Riesen und Wichtel. Doch während die bekannten Grimm- und Andersen-Märchen in einer vorindustrialisierten Gesellschaft spielen, werden die Figuren auf dieser CD mit Aspekten der beginnenden Moderne konfrontiert: Die Hexe muss ihr Knusperhaus räumen, weil es dem Eisenbahnbau im Weg ist. Ein Wasserwichtel verträgt es nicht, wenn man ihn fotografiert. Die eine Prinzessin sammelt Gartenzwerge, die andere braucht Flügel, um ihren Traumprinzen im Wolkenschloss zu besuchen. Und wenn der Prinz etwas über Kräuter und Gewürze erfahren möchte, dann fragt er kein altes Kräuterweib, sondern wirft einen Blick in die große Enzyklopädie von Lugabugien. Wenn die Fabelwesen mit der Moderne konfrontiert werden, entstehen ganz besondere Situationen und Konflikte, die nicht nur eine neue Sichtweise auf Moderne Märchen anbieten, sondern auch die Gattung Märchen an sich um einige Facetten erweitert. Von diesen gattungsspezifischen Hintergrundgedanken funktioniert die CD aber auch auf der Unterhaltungsebene, und so bieten die Märchen auf „Die Hexe im Zug“ humorvolle-märchenhafte Unterhaltung mit einigen Überraschungen. Empfohlen wird die CD für Kinder ab fünf Jahren, die an den schrägen, aber immer kindgerechten Geschichten, ihre Freude haben werden. Aber auch ältere Kinder und Erwachsene werden durch die verdrehten Märchen wunderbar unterhalten. Quelle: www.moderne-maerchen.com

Freitag, 27. Januar 2012

Peterchens Mondfahrt (Titania)

-cp- Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz feiert in diesem Jahr (2012) seinen einhundertsten Geburtstag. Von Bassewitz schrieb das Märchen im Alter von 33 Jahren während einer Kur, zunächst in einer Theaterfassung. Ein Jahr später wurde das Stück aufgeführt. 1923 las er im Rahmen einer Veranstaltung in der Villa Siemens am Wannsee aus seinem Märchen. Anschließend verließ er die Veranstaltung und nahm sich das Leben. Das Märchen „Peterchens Mondfahrt“ ist vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt. Es gibt einige Theater-, Film- und Hörspielumsetzungen.

Die Hörspiel-Fassung von Titania stammt aus dem Jahr 2009. Wie immer glänzt die Inszenierung durch hervorragende Sprecher und eine stimmige akustische Gestaltung. Inhaltlich gibt es so einiges, das dem erwachsenen Hörer sauer aufstoßen dürfte, aber dies ist bereits dem Originalmärchen geschuldet und kein Mangel, den Titania zu verantworten hätte: So ist das Märchen deutlich von seinem pädagogischen Zeigefinger und seinen naiven Bildern bestimmt. Kinder sollen brav sein, und Freundschaft ist das Wichtigste. Diese Botschaft wird wenig subtil vermittelt, es wird ohne Umschweife genau so formuliert. Auch in der sprachlichen Gestaltung, auch dies ist bereits im Originalmärchen zu spüren, wendet sich die Geschichte eher an kleine Kinder. So kann man denn „Peterchens Mondfahrt“ als wirkliches Kindermärchen sehen, das entgegen der Märchentradition nur zum Teil familienkompatibel ist.

An der Titania-Umsetzung gibt es nicht viel zu meckern. Lediglich in einem Punkt, der auch in den anderen Hörspielen der „Titania Special“-Reihe festzustellen ist, sehe ich ein Verbesserungspotenzial: die Mischung aus Erzähltext und Dialog ist nicht optimal aufeinander abgestimmt. Der Erzähler leitet ein und hier da beschreibt er den Übergang zwischen zwei Szenen, aber seine Rolle ist sehr klein, und zwischendurch gibt es sehr lange Passagen, in denen er gar nicht zu hören ist. Ich persönlich finde den Erzähler in einem Märchenhörspiel für die Atmosphäre sehr wichtig. Bezogen auf diese Fassung von „Peterchens Mondfahrt“ habe ich das Gefühl, dass man ihn bei den paar Sätzen, die er spricht, entweder hätte weglassen können, oder aber, dass es sinnvoll gewesen wäre, seine Rolle deutlich auszubauen. Typisch Kinderhörspiel (das gibt es auch bei den Drei ??? und TKKG) sind Dialoge, in denen sich Figuren gegenseitig beschreiben, was sie sehen. Wenn man diese Dialoge weglässt und die Beschreibungen stattdessen dem Erzähler in den Mund legt, kommt deutlich mehr Märchenatmosphäre auf. Aber dieser Kritikpunkt ist wohl Geschmacksache, und alles in allem ist auch diese Hörspielumsetzung sehr gelungen.

Freitag, 2. September 2011

Kleine Gedankenklänge über den Alltag und die deutsche Sprache

-cp- Das Podcasting hat mich schon länger mal gereizt, und da sich ein paar Audiominiaturen angesammelt haben, habe ich nun einen Podcast eingerichtet, in dem ich (als Ergänzung zu dem hier Geschriebenen) hörbare Beiträge einstellen werde. Die ersten fünf sind bereits online, zu finden unter Gedankenklänge.

Sonntag, 20. Februar 2011

Doppelgänger und Rollentausch: Zwei Kinderhörspiele

-cp- Was wäre, wenn es noch jemanden gäbe, der einem zum Verwechseln ähnlich sieht? Diese Frage haben sich wohl viele Kinder schon einmal gestellt. Doch nicht nur Kinder, sondern auch berühmte Schriftsteller sind ihr nachgegangen. Die bekanntesten Werke, die dabei herausgekommen sind, sind wohl "Der Prinz und der Bettelknabe" von Mark Twain und "Das doppelte Lottchen" von Erich Kästner. Beide Geschichten sind auch in leicht gekürzten Hörspiel-Fassungen erhältlich.

Im Jahr 1881 veröffentlichte Mark Twain seine märchenhafte Erzählung "Der Prinz und der Bettelknabe", die in London spielt und nicht nur deswegen zum Teil an Charles Dickens' Romane erinnert. Das Umfeld des Betteljungen hat Züge des Dickensschen Sozialdramas, wie man sie aus "Oliver Twist" kennt. Doch insgesamt ist Dickens' Geschichte härter und Twains versöhnlicher. Inhalt: Ein Betteljunge trifft den jungen Prinzen, und weil der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, tauschen die beiden einfach mal die Rollen. Doch ehe sie dies rückgängig machen können, sind sie gezwungen, das Leben des jeweils anderen zu führen, ohne dass ihnen jemand ihre Geschichte vom Rollentausch abnimmt. ... Twain, der vor allem durch seine Romane "Die Abenteuer des Tom Sawyer" und "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" berühmt geworden ist, bewies in dieser Geschichte, dass er auch ein Händchen für märchenhafte Stoffe hatte. Es gibt sogar eine Zeichentrickfilm-Umsetzung aus dem Hause Walt Disney. Die deutsche Fassung des Buches erschien erst 1956, und 1968 produzierte der NDR eine Hörspielfassung (u.a. mit Hans Paetsch als Erzähler). Auch wenn Musik und Geräusche sehr sparsam daherkommen, ist das Hörspiel sehr gelungen und mit einer Länge von einer Stunde für Kinder ab 6 Jahren empfehlenswert. Die CD ist bei Der Hörverlag erschienen.

Erich Kästners "Das doppelte Lottchen" erschien 1949. Hier geht es um die Zwillingsschwestern Lotte und Luise, die sich nur durch einen Zufall im Sommerferienlager kennenlernen. Die Eltern hatten sich kurz nach ihrer Geburt getrennt, jeweils eine der Schwestern zu sich genommen und den Kontakt eingestellt. Die beiden Mädchen nutzen die Gunst der Stunde und versuchen, indem sie die Rollen tauschen, zunächst das Leben der jeweils anderen Schwester kennenzulernen und im nächsten Schritt die Eltern wieder zusammenzubringen. "Das doppelte Lottchen" steht in einer Reihe mit Kästners anderen Kinderbuchklassikern ("Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton", "Das fliegende Klassenzimmer", ...) und wurde bereits einige Male verfilmt. Die bei der Deutschen Grammophon und Oetinger Audio erschienene Hörspiel-Fassung wurde 1974 von Metronome Records produziert. Das 46-minütige Hörspiel hat einen warmen, stets zuversichtlichen Erzählton und wird von mit stimmungsvoller Klaviermusik untermalt. Die Sprecher sind überzeugend, und so ist auch dieses Hörspiel sehr empfehlenswert.

Beide Hörspiele sind für Kinder ab dem Grundschulalter geeignet, wobei "Der Prinz und der Bettelknabe" wegen der Identifikationsfiguren in der Tendenz eher Jungen und "Das doppelte Lottchen" eher Mädchen ansprechen wird. Natürlich sind beide Hörspiele für Jungen und Mädchen geeignet. "Der Prinz und der Bettelknabe" ist etwas abenteuerlicher und spannender, "Das doppelte Lottchen" etwas realistischer. Spannend dürfte es für Kinder sein, beide Hörspiele zu hören und selbst Vergleiche anzustellen.

Freitag, 3. Dezember 2010

Ein Weihnachtsmärchen from outer space

-sv- Dieses Weihnachtsmärchen hat alles, was eine besinnliche Weihnacht ausmacht: Roboter, dunkle Herrscher, Osterhasen und viel Space. Star Wars lässt grüßen - aber hört selbst:

Donnerstag, 4. November 2010

In memoriam: Gisela Trowe

-sv- War ich gestern beim Stöbern in der Welt der "Drei Fragezeichen" überrascht vom Tod von Aiga Rasch, so bin ich es heute über den Tod von Gisela Trowe. Auch ihr Name dürfte den meisten Menschen, die heute um die 40 sind, weniger bekannt sein als ihre Stimme. Sie war bei den drei ??? Sprecherin der ersten Stunde und hatte folgende Rollen:
  • Gräfin - Die drei ??? und die rätselhaften Bilder (Folge 9)
  • Mrs. Darnley - ... der Zauberspiegel (16)
  • Mrs. Macomber - ... die Silbermine (26)
  • Mrs. Peabody - ... der heimliche Hehler (37)
  • Miss Melody - ... die Perlenvögel (39)
  • Mrs Jones - ... das Labyrinth der Götter (91)
  • Alruna - ... das Auge des Drachen (113)
Daneben sprach sie noch für TKKG, Hui Buh und andere Hörspiele. Hier ihr Eintrag bei Wikipedia und hier ein Nachruf mit Bildergalerie.

Mittwoch, 3. November 2010

In memoriam: Aiga Rasch

-sv- Auch wenn dem Leser dieser Zeilen der Name Aiga Rasch nichts sagt, so wird er bestimmt mindestens eines ihrer Bilder kennen, denn sie hat zwanzig Jahre die Cover der Hörspiele von "Die drei ???" gestaltet (die der Bücher sogar noch länger) - von Folge 1, die 1979 erschien, bis 89, die 1999 erschien. Hier alle Cover im Überblick.
Soeben habe ich entdeckt, dass sie bereits am 24.12.2009 gestorben ist. Wer mehr über sie und ihre künstlerische Arbeit erfahren will, möge hier klicken.

31 Jahre "Die drei ???" - Interview mit Oliver Rohrbeck

-sv- Am 12.10.1979 erschien die erste Folge von "Die drei ???": "...und der Super-Papagei". Anlässlich dieses Jubiläums sendete DRadio Wissen ein Interview mit Oliver Rohrbeck, der seit der ersten Folge den 1. Detektiv Justus Jonas spricht und einen Hintergrundbericht - hörenswert! Weitere Hintergrundinfos gibt es hier und hier.

Dienstag, 10. August 2010

Alice im Wunderland - Hörspiele

-cp- Anscheinend ist die Produktion einer Hörspielfassung von Lewis Carrolls Klassiker Alice im Wunderland nicht ganz unproblematisch. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte sehr bildhaft und skurril ist, und dass gerade die vielen wunderbaren Figuren und Situationen schwer in das Medium Hörspiel zu übertragen ist. Versucht haben es dennoch einige, mal mehr, mal weniger gelungen.

1958 Südwestfunk
(Regie: Marcel Wall-Ophüls) Das Problem dieser Fassung ist das deutlich hörbare Alter. Zudem ist der Ton des Erzählers scheinbar auf Kleinstkinder ausgerichtet. Die Geräusch-Effekte sind sehr reduziert, das Wachsen und Schrumpfen ist zum Beispiel gar nicht hörbar. Die Alice-Darstellerin ist ziemlich gut, und insgesamt kann man von einer charmanten Hörspiel-Version sprechen, allerdings nicht von einer wirklich guten. Erhältlich auf CD im Programm von Der Audio Verlag.

1971 Europa
(Regie: Konrad Halver) Wie bei Europas Klassikern üblich, ist auch diese Fassung drastisch gekürzt. Alles ist sehr knapp gehalten, und so etwas wie Atmosphäre kommt nicht mal in Ansätzen auf. Auch Erzähler Hans Paetsch kann diese ziemlich trashige Hörspielfassung nicht retten. Erhältlich nur als MP3-Download.

ca. 1980 Litera
(Regie: Dieter Wardetzky) Schwerpunkt dieser DDR-Hörspielumsetzung ist die Musik, die sehr aufwendig ist und wunderbar zur Geschichte passt. Die Sprecher sind soweit okay, aber leider gibt es keinen Erzähler, sodass die Bildhaftigkeit der Geschichte komplett unter den Tisch fällt. Auch die Geräuscheffekte sind sehr reduziert. Dennoch hebt sich diese Fassung von vielen anderen ab, vor allem durch die Musik. Die Fassung ist als Audio-CD erhältlich.

1999 The Berlin Picture Company
(Regie: Regie: John Clark und Karin Hahn) Soviel Mühe sie sich auch gibt, Franziska Mager als Alice klingt weitestgehend überfordert. Der Text wirkt sehr abgelesen. Da einige der Sprecher mehrere Rollen spielen, ist die klare Zuordnung der Stimmen zu den einzelnen Figuren beinahe unmöglich. Auch wenn Erzähler und Soundeffekte durchaus als Pluspunkte zu erwähnen sind, ist dieses Hörspiel insgesamt schwach. Die Fassung ist auf CD erhältlich.

2005 Universal Family Entertainment
(Regie: Jürgen Nola und Markus Steffen) Diese Produktion kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie Hörspiel oder Lesung sein möchte. Offiziell ist Ilja Richter der Erzähler, zwischendurch übernimmt auch Sabine Postel, die im Booklet einfach als „Sprecherin“ geführt wird. Allerdings ist sie eigentlich auch so etwas wie eine Erzählerin, wenn auch mit geringerem Wortanteil. Die Wirkung der Produktion ist die einer Lesung. Ilja Richter bemüht sich auch um stimmliche Vielfalt, um den unterschiedlichen Figuren gerecht zu werden. Dann auf einmal gibt es allerdings auch andere Stimmen, die einige der Rollen übernehmen, und es wirkt doch eher wie ein Hörspiel, allerdings ohne Musik- oder Geräuscheinsatz. Es gibt keine Atmosphäre, und der bemühte Ilja Richter, auch wenn er seine Sache ganz gut macht, genügt bei Weitem nicht, die Produktion zu retten, denn das Konzept geht einfach nicht auf. Erhältlich als Audio-CD.

2010 Titania Medien
(Regie: Stephan Bosenius & Marc Gruppe) Das Hörspiel ist kurzweilig und hat viele Höhepunkte zu bieten. Etwas albern geraten sind vielleicht die Auftritte des Erzählers, in denen er mit den Figuren kommuniziert. Die Musik ist etwas zu seicht und passt eigentlich nicht zum Inhalt. Und wie so oft bei Titania entsteht beim Hören das Gefühl, einen Film ohne Bild geliefert zu bekommen. Die Produktion ist zwar technisch perfekt, aber ihr fehlt ein wenig der Geist der Geschichte. Alles in allem ist dieses "Alice im Wunderland"-Hörspiel dennoch die eindeutig beste Umsetzung des Stoffes. Erhältlich als Audio-CD.

Darüber hinaus gibt es noch einige Aufnahmen, die sich zwar "Hörspiel" nennen, allerdings nur die Tonspur einer Film-Version des Stoffes auf Tonträger liefern. Diese Fassungen sind als Hörspiele allesamt wenig ernst zu nehmen.

Donnerstag, 5. August 2010

Momo (Hörspiel Karussell)

-cp- Karussell hat 1973 mit Jim Knopf, 1975 mit Momo und 1980 mit Die unendliche Geschichte drei wunderbare Hörspiel-Umsetzungen von Michael Endes Romanen für Kinder produziert.

Momo ist die Geschichte eines philosophischen Kampfes. Es geht um den Umgang mit Zeit. Das Waisenmädchen Momo bekommt es mit den mächtigen grauen Herren zu tun, die den Menschen mit großem Erfolg eine vergiftete Ideologie einimpfen, nämlich die, dass man Zeit nicht verschwenden darf. Man soll sie sparen, damit man später etwas davon hat. Die Menschen jedoch erkennen die Wahrheit nicht: All ihre "gesparte Zeit" ist in Wirklichkeit verloren. Momo ist die einzige, die in der Lage ist, die grauen Herren noch aufzuhalten. ...

Durch das Hörspiel führt in einem warmen, angenehmen Ton Harald Leipnitz als Erzähler, die Musik stammt von Frank Duval (und erinnert stilistisch an die Musik aus "Captain Future" und "Die drei ???"). Die Produktion kommt ganz ohne Knalleffekte aus, die Geschichte wird in Ruhe (ganz im Geiste des Inhalts) und mit wunderbaren Sprechern erzählt. Besonders großartig finde ich Walter Bluhm als Beppo Straßenkehrer. (Bluhms Stimme ist vor allem durch seine Synchronarbeit bekannt, denn er war die deutsche Stimme von Stan Laurel.) Das Hörspiel ist durch und durch empfehlenswert und steht der alternativen Hörspielfassung von Der Audio Verlag von 1997 in nichts nach. Sie ist lediglich ein klein wenig kürzer (155 statt 192 Minuten), was natürlich bedeutet, dass es leichte inhaltliche Kürzungen gibt. Das Klangbild dürfte jedoch die sogenannten "Kassettenkinder" der 80er Jahre, die mit "Die drei ???" und Co aufgewachsen sind, etwas mehr ansprechen. Auch für Kinder dürfte diese Fassung eingängiger sein (Empfehlung: Ab dem 2. Schuljahr). Wem eine werkgetreuere (weil vollständigere) Umsetzung wichtig ist, dem sei die Fassung von DAV empfohlen.

Momo (Hörspiel DAV)

-cp- Momo ist die Geschichte eines philosophischen Kampfes. Es geht um den Umgang mit Zeit. Das Waisenmädchen Momo bekommt es mit den mächtigen grauen Herren zu tun, die den Menschen mit großem Erfolg eine vergiftete Ideologie einimpfen, nämlich die, dass man Zeit nicht verschwenden darf. Man soll sie sparen, damit man später etwas davon hat. Die Menschen jedoch erkennen die Wahrheit nicht: All ihre "gesparte Zeit" ist in Wirklichkeit verloren. Momo ist die einzige, die in der Lage ist, die grauen Herren noch aufzuhalten.

Michael Endes meisterhafter Roman ist in zahlreiche Sprachen übersetzt und oft in den verschiedensten Medienformaten bearbeitet worden. Das Momo-Hörspiel ist eine Coproduktion des WDR und des BR aus dem Jahr 1997. Es besticht durch eine wunderbare Besetzung, allen voran Erzählerin Karin Anselm. Rufus Beck ist in der Rolle von Gigi zu hören, und Peter Fricke ist als grauer Herr mit von der Partie. Das Hörspiel ist ruhig und sehr intensiv. Der Einsatz von Musik- und Geräuschen ist dezent und trägt zur dichten Atmosphäre des Hörspiels bei. Einziges Manko ist vielleicht die Besetzung von Meister Hora, denn der Sprecher (Martin Flörchinger) war bei der Aufnahme wohl schon etwas älter, und man hat den Eindruck, das Gebiss saß nicht richtig. Es ist immer so ein leichtes, unterschwelliges Schmatzen in der ansonsten tollen Stimme. Aber dieses Manko fällt nicht stark ins Gewicht, denn diese Hörspielfassung ist ganz wunderbar und wird Michael Endes Roman in jeder Hinsicht gerecht.

Empfehlen würde ich das Hörspiel für Erwachsene und für Kinder ab dem 3. Schuljahr.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Alice im Wunderland (Titania)

-cp- Die Geschichte von Alice im Wunderland ist bereits unzählige Male umgesetzt worden, sei es als Fernsehserie, Spielfilm, Lesung oder Hörspiel. Das Titania-Team hat wieder mal sein Händchen für außergewöhnliche Adaptionen bewiesen. Die Sprecher sind vorzüglich, vor allem Luisa Wietzorek gelingt als Alice eine hervorragende Leistung. In anderen Adaptionen ist gerade Alice oft ein Schwachpunkt. Anmerkung am Rande: Luisa Wietzorek war auch als Synchronsprecherin in der Rolle der Coraline zu hören.

Das Hörspiel ist alles in allem kurzweilig und hat auch einige Höhepunkte zu bieten. Dennoch gibt es das ein oder andere, das mir persönlich nicht gefällt: Etwas albern geraten sind z.B. die Auftritte des Erzählers, in denen er mit den Figuren kommuniziert. Die Musik ist mir etwas zu seicht und passt eigentlich nicht zur Stimmung der Geschichte. Und wie so oft bei Titania habe ich beim Hören das Gefühl, einen Film ohne Bild geliefert zu bekommen (siehe auch: Peter Pan), denn die Bildhaftigkeit der Geschichte kommt leider an einigen Stellen nicht so richtig rüber. Da in der Alice-Geschichte unglaublich viele schräge Figuren auftreten, hätten diese öfter beschrieben werden müssen. Das Hörspiel hat 23 Sprecher, und es nicht immer möglich, eindeutig zuzuordnen, wer sich da mit wem unterhält. Auch sonst kommen die Bilder etwas zu kurz. Alles in allem ist dieses "Alice im Wunderland"-Hörspiel aber eindeutig die beste Umsetzung des Stoffes, die ich bislang gehört habe. Und mehr Spaß als bei dem lausigen Tim Burton-Film kommt bei diesem Hörspiel allemal auf.

Samstag, 10. Juli 2010

Ali Baba und die vierzig Räuber (Hörspiel)

-cp- "Ali Baba und die vierzig Räuber" (Wiki) ist als das Märchen mit der Schatzhöhle bekannt, welche sich durch den Zauberspruch "Sesam, öffne Dich!" öffnet. Dabei wird allzuoft vergessen, was sonst noch alles in diesem Märchen vorkommt: Casim, Ali Babas Bruder, wird von den Räubern getötet und gevierteilt. Sein Leichnam wird von Ali Baba gefunden, der dafür sorgt, dass er von einem "Flickschuster" wieder zusammengeflickt wird, bevor man ihn dann bestattet. Die Sklavin Morgiane tötet 39 der 40 Räuber, indem sie jeden einzelnen mit siedendem Öl überschüttet. Dem Räuberhauptmann stößt sie einen Dolch ins Herz. Auch die Räuber werden beigesetzt, allerdings so, dass es niemand merkt: in einem versteckten Massengrab.

Das Originalmärchen, auch wenn es für Kinder kaum geeignet ist, ist in einer sehr blumigen Sprache erzählt und enthält auch interessante Beschreibungen von Sitten und Bräuchen. Für erwachsene Märchenfreunde also ein durchaus lesenswertes Stück Kulturgeschichte. Die Europa-Hörspiel-Fassung des Märchens ist drastisch gekürzt. Im Grunde werden nur die (zum Großteil brutalen) Höhepunkte aneinandergereiht, was ziemlich gehetzt wirkt. Die Sprecher sind mit Ausnahme von Erzähler Hans Paetsch viel zu pathetisch, und die Aufnahme liegt spürbar vor Europas Durchbruch. Ein Tonstudio hatte man damals wohl noch nicht zur Verfügung. Die Sprecher sind mit viel zu viel Hall und zu wenig Bass aufgenommen. In der Endabmischung gibt es kaum Geräusche. Alles in allem ein Hörspiel, dass weder für Hörspielfans, die Wert auf Ästhetik legen, noch für Kinder geeignet ist.

Das zweite Märchen der CD ("Aladin") ist zwar weniger brutal, aber die Hörspielfassung ist auf ästhetisch gleichem, also sehr niedrigen Niveau. Einzig die Vinyloptik der CD ist ein Pluspunkt. Und wer die Europa-Hörspiele mag, kann hier eine Produktion aus grauer Vorzeit abgreifen, die vielleicht einen Platz im Kuriositätenkabinett verdient hat.

Die Abenteuer des starken Wanja (Hörspiel)

-cp- In Krabat hat Otfried Preußler ("Räuber Hotzenplotz", "Die kleine Hexe", ...) aus einer sorbischen Sage einen fantastischen Jugendroman gemacht. Bei "Die Abenteuer des starken Wanja" hat er auf verschiedene russische Märchenmotive zurückgegriffen und sie zu einer völlig neuen Geschichte verwoben.

Zum Inhalt: Wanja ist ein Faulpelz, der regelmäßig den Zorn seiner Brüder auf sich zieht. Eines Tages wird ihm geweissagt, er könne Zar werden. Dazu muss er zunächst weitere sieben Jahre faullenzen, wobei er in dieser Zeit mit niemandem sprechen und sich nicht vom Ofen erheben darf. Danach, so heißt es, sei er stark genug, um Abenteuer zu bestehen, die ihn letztlich zum Zar machen werden.

Zur Hörspielumsetzung: Ingeborg Tröndle hat schon so manchen Klassiker zu einem Hörspiel umgearbeitet. Auch "Die Abenteuer des starken Wanja" ist eine meisterhafte Umsetzung. Das Hörspiel ist spannend und fantasievoll, und die Sprache trifft jeder Zeit den schmalen Grad zwischen dezenter Ironie und märchenhafter Poesie. Der Geräuscheinsatz ist eher sparsam, die Dialoge stehen im Vordergrund. Die Atmosphäre entsteht durch die perfekt ausgewählten Sprecher und die hochwertige Hörspielmusik, die passender Weise ebenfalls russische Motive aufgreift. Alles in allem ist "Die Abenteuer des starken Wanja" ein Musterbeispiel für ein großartiges Hörspiel, das nicht nur Kinder verzaubert, sondern auch Erwachsene zu gebannten Mithörern macht.

Dienstag, 6. April 2010

Die geheimnisvolle Minusch

-cp- Die Autorin Annie M. G. Schmidt ist in den Niederlanden beinahe so populär wie Astrid Lindgren, und "Die geheimnisvolle Minusch" gehört zu ihren bekanntesten Kinderbüchern. Inhalt: Tibbe, ein schüchterner Reporter lernt eine geheimnisvolle Frau kennen, bei der man nicht so genau weiß, ob sie ein Mensch oder eine Katze ist. Für ihn entpuppt sie sich als großer Gewinn, denn sie liefert ihm die Geschichten, die er dringend braucht. Und es geschieht allerlei Sonderbares in dem kleinen Städtchen. Und bald versuchen Tibbe, Minusch und ein paar Katzen einem mächtigen Bösewicht das Handwerk zu legen. ...

Die Geschichte bewegt sich irgendwo im Grenzland zwischen Fantasy und Krimi und dürfte nicht nur Katzenliebhaber ansprechen. "Die geheimnisvolle Minusch" ist unterhaltsam, spannend und stellenweise ziemlich witzig. Kinder, die für die Reporterin Karla Kolumna (aus "Benjamin Blümchen" und "Bibi Blocksberg") langsam zu alt sind, düften mit Tibbe und Minusch viel Freude haben. Allerdings ist die Geschichte deutlich komplexer. So ist das Hörspiel für Kinder ab ca. acht Jahren zu empfehlen, und die Eltern werden vermutlich gerne mithören. Die Sprecher sind fantastisch, vor allem Kathrin Angerer als Minusch. Sie findet einen geheimnisvollen und unverwechselbaren Ton für die Figur.

Freitag, 2. April 2010

Das Orangenmädchen

-cp- "Das Orangenmächen" ist eine Erzählung von Jostein Gaarder ("Sofies Welt"). Inhalt: Der fünfzehnjährige Georg bekommt einen Brief von seinem vor elf Jahren gestorbenen Vater. Die Großeltern haben den Brief entdeckt und überreichen ihn Georg, der sich mit ihm zurückzieht und sich in ihn vertieft. In diesem langen und sehr persönlichen Schreiben gibt es einiges zu lesen. Es geht um das paradoxe Gefühl des gleichermaßen fremd und bekannt Seins. Es geht um existentielle Fragen. Und: Der Vater erzählt dem Sohn eine Liebesgeschichte aus seinem Leben.

"Das Orangenmädchen" ist eine ungemein fesselnde und romantische, manchmal aber auch etwas nervige Geschichte. Auf vielen Ebenen funktioniert alles ganz wunderbar. Die Liebesgeschichte ist spannend und wunderbar anrührend. Und allein der Rahmen, dass der Sohn elf Jahre nach dem Tod des Vaters diesen Brief liest, hat eine aufwühlende Wirkung. Nervig hingegen sind die etwas gezwungenen und arg konstruierten philosophischen Anteile des Briefes und auch Georgs Gedanken darüber. Diese besondere Vater-Sohn-Geschichte hätte auch dann wunderbar gewirkt, wenn sie nicht mit dem Leben an sich und dem ganzen Kosmos in Beziehung gesetzt worden wäre.

Zwischenbemerkung: Es ist ein in typisches Jostein Gaarder-Problem. Er ist ein ganz wunderbarer Erzähler, dem es wie kaum jemand anderem gelingt, in klarer und anregender Sprache zu schreiben und seine Geschichten mit Rätseln zu spicken, die gleichermaßen spannend wie faszinierend sind. Gleichzeitig aber drückt er seinen Geschichten regelmäßig seinen Zwang zur philosophischen Tiefe auf, indem er diese Themen und Fragen direkt formuliert. Weniger wäre da mehr, denn man kann dem Leser durchaus zutrauen, dass er von selbst philosophische Gedanken entwickelt. Die rätselhaften Geschichten geben das durchaus her. Große Literatur entfaltet ihre anregende Kraft aus der Geschichte selbst heraus, ohne dass der Erzähler diese Dinge direkt ausdrückt.

Zum Glück nehmen diese Anteile in "Das Orangenmädchen" keinen allzugroßen Raum ein, denn das Konkrete, also die Liebes- und die Vater-Sohn-Geschichte, stehen im Zentrum, und die sind sehr gelungen. Schön gewählt finde ich auch die Erzählperspektive. Es gibt zwei Ich-Erzähler: Einmal Georg, der erzählt, wie er den Brief bekommen hat und wie es ihm damit ergangen ist. Und zum anderen den Brief selbst. Das Hörbuch greift diese Perspektiven auf, indem zwei Sprecher abwechselnd die jeweiligen Parts sprechen. Es ist keine trockene Lesung, denn die beiden Sprecher spielen die Rollen und greifen die Gefühlslagen der Figuren wunderbar auf.

Fazit: "Das Orangenmädchen" ist vor allem eine romantische Erzählung, die viele wunderbare Momente enthält und trotz kleinerer Schwächen sehr empfehlenswert ist. Das Hörbuch ist gut umgesetzt und sehr kurzweilig!

Montag, 22. März 2010

Nils Holgersson

-cp- Der junge Nils Holgersson treibt einen Spaß mit einem Wichtel, der sich bitter rächt. Er wird selbst auch in einen Wichtel verwandelt, allerdings ohne Zauberkräfte. Nun muss er den Tieren des elterlichen Bauernhofes, die er früher oft geärgert und gequält hat, in Däumlingsgröße gegenüber treten. Zwar versteht er seit der Verwandlung die Sprache der Tiere, aber diese haben ihm nichts Freundliches zu sagen. Am selben schönen Frühlingstag ziehen die aus dem Süden kommenden Wildgänse am Hof vorbei und überreden einen jungen Gänserich vom Hof mitzukommen. Nils hält sich an diesem Gänserich fest, und ehe er sich versieht, geht er mit den Gänsen auf eine abenteuerliche Reise.

Die Geschichte ist wunderbar geschrieben, sehr lebendig und trotz ihres Alters sehr nah an der Gefühlswelt von Kindern. Nils muss viele Abenteuer bestehen, und ihn dabei zu begleiten, macht einfach Spaß. Ein kleines Manko ist lediglich, dass alles sehr episodenhaft ist, und dass der rote Faden an vielen Stellen den (zweifelsohne faszinierenden) Geschichten der Tiere (Elch, Bärenfamilie, Ziegenherde, usw.) weicht und in den Hintergrund gedrängt wird. Dennoch ist "Nils Holgersson" von Selma Lagerlöf ein zeitloser und hochwertiger Kinderbuch-Klassiker, der sich gut zum Vorlesen, aber auch zum Selberlesen eignet.

Anmerkung zur Lesung: Peter Striebeck findet einen guten Ton für die Geschichte und gibt auch den (vorwiegend tierischen) Figuren eine interessante Färbung. Hin und wieder schimmert eine norddeutsche Färbung durch, aber das tut dem Hörvergnügen keinen Abbruch.

Donnerstag, 18. März 2010

Die Bücherdiebin

-cp- Es gibt unzählige Romane und Jugendbücher, die sich in irgendeiner Weise mit der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen. Aber keines dieser Bücher ist wie "Die Bücherdiebin". Erzähler der Geschichte ist kein geringerer als der Tod selbst. Bei einer Beerdigung im Jahr 1939 sieht er zum ersten Mal Liesel Meminger, ein zu dem Zeitpunkt neun Jahre altes Mädchen. Das Mädchen fällt ihm auf, vor allem, weil es ein Buch stiehlt, das einem der Totengräber aus der Tasche gefallen ist. Ein paar Jahre später treffen der Tod und das Mädchen abermals aufeinander, und der Tod findet Liesels Tagebuch. Er nimmt es mit, und gestützt auf die Eintragungen des Mädchens und auf seine eigenen Erinnerungen an die Kriegszeit erzählt er, wie Liesel den Krieg erlebt hat. Vom Leben in der Pflegefamilie, von Rudi, dem Nachbarjungen, und von Nazis, Judenverfolgung und Krieg.

Nicht nur durch die ungewöhnliche Wahl der Erzählperspektive ist Markus Zusak ein unvergleichliches Meisterwerk gelungen, das deutlich mehr ist als einfach nur eine neue Geschichte über die Nazizeit. "Die Bücherdiebin" erzählt von den kleinen Abenteuern eines Mädchens, von vielen ungewöhnlichen Menschen und von den Schrecken der Nazizeit. Die Sprache des Buches ist gleichermaßen einfach wie komplex, nüchtern wie poetisch, und die Stimmung gleichzeitig unterkühlt und warmherzig. Es ist ein Buch, das den Leser in seinen Bann zieht und ihn schmunzeln und leiden lässt. Es geht unter die Haut und rührt zu Tränen. Besonders faszinierend ist jedoch der Tod selbst, der immer wieder unter Beweis stellt, dass er kein kalter Sensemann ist, sondern dass auch er ein Herz hat. Zitat: "Das Tagebuch des Todes: 1942. Es war ein denkwürdiges Jahr, wie 79 nach Christus oder 1346, um nur zwei zu nennen. Vergesst die Sense - ich hätte einen Besen oder einen Wischmopp gebraucht. Oder Urlaub."

Die Lesung von Boris Aljinovic gehört zum besten, was der Hörbuchmarkt derzeit zu bieten hat, und findet den perfekten Ton: ruhig, warm und sehr präsent.

Freitag, 5. März 2010

Hörbuch: Lippels Traum (Paul Maar)

-cp- Lippel heißt eigentlich Philipp. Er geht zur Schule, wo er den Deutschunterricht lieber mag als Sport, er sammelt Sammelpunkte von Jogurtbechern und ist fasziniert vom "Morgenland". Eines Tages nun müssen seine Eltern geschäftlich nach Wien reisen. Es ist zwar nur für eine Woche, aber für Lippel bedeutet das Unannehmlichkeiten: Eine gewisse Frau Jakobs wird für diese Woche als "Kindermädchen" eingestellt. Und mit ihr ist nicht gut Kirschen essen. Sie nimmt ihm sogar das Buch weg, das seine Eltern ihm geschenkt hatten, damit er die Woche über etwas zu lesen hätte: Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Geschichte, die er nicht zuende lesen konnte, weiter zu träumen. In "Fortsetzungsträumen" geht also das Märchen weiter, in dem Lippel (und nicht nur er) auch eine Rolle spielen wird. Die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und seinem märchenhaften Traum scheinen zu verschwimmen. ...

"Lippels Traum" erinnert hier und da an Michael Endes Die unendliche Geschichte. Neben der Wertschätzung der Phantasie und der Macht von Märchen und Geschichten haben die Bücher gemein, dass ihr Protagonist sich isoliert fühlt und unter Zurhilfenahme der Phantasie einen Ausweg suchen muss. Es gibt aber auch Unterschiede: In Paul Maars Geschichte spielt die Wirklichkeit eine größere Rolle. Lippels Träume und seine Konflikte mit Frau Jakobs sind gleichermaßen spannend, lustig und abenteuerlich. Zwar sind die Sams-Geschichten deutlich bekannter, aber Paul Maars eigentliches Meisterwerk ist "Lippels Traum".

Zum Hörbuch: Friedhelm Ptok liest "Lippels Traum" auf grandiose Weise. Es gelingt ihm ohne Krächzen, Quäken oder sonstige Stimmverstellereien, den Figuren Persönlichkeit zu geben. Er deutet die verschiedenen Figuren durch seine Sprachmelodie an und gestaltetet sie mit kleinen Eigenheiten. Aber im Schwerpunkt bleibt er in seiner Erzählerrolle. Und so findet er genau den richtigen Ton für diese Geschichte. Auf diese Weise wird die Lesung ohne viel Schnickschnack sehr lebendig. Das immerhin fünf Stunden lange Hörbuch ist von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselnd. Inhalt und Rezitation kommen meisterhaft zusammen. Die Traumsequenzen werden jeweils von der Musik einer türkischen Langhalslaute umrahmt, was die Atmosphäre zusätzlich unterstützt.

Mittwoch, 3. März 2010

Harry Rowohlt liest "Schlechte Nachrichten" (Philip Ardagh)

-cp- Nach Schlimmes Ende und Furcht erregende Darbietungen schließt "Schlechte Nachrichten" die (erste) Eddie Dickens-Trilogie ab. Das geniale Buch wird von Harry Rowohlt genial übersetzt und genial rezitiert. Zur Story: Die mit Ausnahme von Protagonist Eddie durch und durch verrückte Familie Dickens besitzt einen Zeitungsverlag in Amerika. Leider bleiben die Schecks nach England seit einiger Zeit aus. Da es weder Email noch Telefon noch Fax gibt (wir befinden uns mitten im 19. Jahrhundert), muss jemand nach Amerika aufbrechen, um nach dem Rechten zu sehen. Eddie ist der einzige aus seiner Familie, der a) zurechnungsfähig und b) nicht gesundheitlich eingeschränkt ist. Also wird er ausgewählt, diese Reise anzutreten. Allerdings geht es in dieser Geschichte wenig um die Reise. Wie man es von Autor Philip Ardagh gewohnt ist, macht er sich wenig Gedanken um seine Handlungen. Viel mehr interessiert es ihn, ob der Wal, aus dessen Knochen das Halskorsett für Eddies Mutter angefertig wurde, gejagt und getötet wurde, oder ob er auf natürliche Weise ums Leben gekommen ist. Es sind skurrile Nebengedanken wie diese, von denen die Geschichte lebt, gerade dann, wenn Harry Rowohl sie ins Mikrofon knurrt. Hin und wieder würde man sich vielleicht mal so etwas wie eine Charakterentwicklung oder einen klaren Handlungsaufbau wünschen, aber alles in allem ist auch der dritte Roman rund um Eddie Dickens sehr vergnüglich und unterhaltsam. Die dreieinhalb Stunden Hörbuch vergehen wie im Flug, und auch wenn man hinterher kaum in der Lage ist zu erklären, worum es in der Geschichte eigentlich ging, weiß man doch eines: Man hat die dreieinhalb Stunden mit permanentem Schmunzeln verbracht. Alles in allem ein geniales Hörbuch für Kinder (ab 10 Jahren) und für Erwachsene, die Spaß an verdrehten Sprachspielen und skurriler Situationskomik haben.