-cp- Beinahe täglich benutzen wir Löffel, zum Beispiel um Kaffee oder Tee damit umzurühren oder einen Pudding zu essen. Der Löffel ist ein permanenter Begleiter des Alltags, und meist nehmen wir ihn gar nicht mehr bewusst wahr. Wer kann schon sagen, wie der Löffel ausgesehen hat, der beim letzten Cafébesuch den servierten Cappuccino begleitet hat. Aber der Löffel taucht auch in unserer Sprache auf. Wir kennen die Ausdrücke "Mit einem goldenen Löffel im Mund geboren werden" oder auch "Den Löffel abgeben". Beide Redewendungen weisen auf etwas Existenzielles hin. So ist auch der Begriff "Löffelliste" in den letzten Jahren bekannt geworden. Ausgangspunkt war der Film Das Beste kommt zum Schluss. Zwei ältere kranke Herren schreiben "Löffellisten", auf denen sie festhalten, was sie noch erleben wollen, bevor sie "den Löffel abgeben müssen". Nicht nur als Redewendung, sondern tatsächlich spielt der Löffel noch in einem anderen Film eine große Rolle. In "Flucht von Alcatraz" bricht Clint Eastwood mit Hilfe diverser Löffel aus dem Gefängnis aus. Diesem Beispiel folgte 2010 eine Niederländerin (Artikel).
Das Buch Teelöffelmärchen befasst sich auf ganz andere Weise mit dem Thema "Löffel". Es beginnt mit einer an "Dornröschen" erinnernden Situation: Die Prinzessin wille alle Feen zum Tee einladen, doch ihr fehlt ein Silberlöffelchen, um die Tafel angemessen zu decken. Nun macht sich der Prinz auf den Weg ihr einen zu besorgen. - In weiteren Märchen des Buches taucht immer wieder der fehlende (einst aus dem Königsschloss gestohlene) Löffel auf: Ein Zauberer nutzt ihn, um einen Zaubertrank umzurühren, ein Räuber nimmt ihn als Bierlöffel und (in einem Rückblick) erfahren wir, wie dieser Löffel überhaupt hergestellt wurde. Augenzwinkernd leichte Märchen mit philosophischem Hintergrund. -- Weitere Löffelempfehlungen gibt es in der Löffelliste.
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Donnerstag, 29. November 2012
Dienstag, 7. Dezember 2010
Nürnberg, Fürth und Lugabugien
-cp- Heute vor 175 Jahren (7. Dezember 1835) hatte die Adler ihre Jungernfahrt. Sie gilt als die erste deutsche Lokomotive, wobei man im Nachsatz erwähnen sollte, dass es schon vorher Modelle und Versuche gegeben hat, nur keine so erfolgreichen. Die erste Fahrt führte die Adler von Nürnberg nach Fürth und etablierte sie als Lokomotive, die dann sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr eingesetzt wurde.
Eine andere Geschichte erzählt allerdings das Märchen "Der Prinz von Lugabugien" (Märchenbuch, Hörspiel-CD). Da wird nämlich behauptet, dass die Lokomotive erfunden wurde, weil ein Prinz seine geliebte Prinzessin ohne ein sicheres Reisemittel (also die Eisenbahn) nicht hätte ohne Gefahr für Leib und Leben besuchen können. Die erste Fahrt dieser Lokomotive, so heißt es in dem Märchen, führte von Lugabugien nach Lagubagien.
Eine andere Geschichte erzählt allerdings das Märchen "Der Prinz von Lugabugien" (Märchenbuch, Hörspiel-CD). Da wird nämlich behauptet, dass die Lokomotive erfunden wurde, weil ein Prinz seine geliebte Prinzessin ohne ein sicheres Reisemittel (also die Eisenbahn) nicht hätte ohne Gefahr für Leib und Leben besuchen können. Die erste Fahrt dieser Lokomotive, so heißt es in dem Märchen, führte von Lugabugien nach Lagubagien.
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Vorlesegeschichten für Erwachsene
-sv- Die Bedeutung des Vorlesens für die kindliche Entwicklung ist unbestritten. Hierzu zwei Links: alter Beitrag dieses Blogs, und Gedanken zum Vorlesen auf der Seite eines Märchendichters. Aber nicht nur Kinder mögen es, Geschichten vorgelesen zu bekommen, sondern auch Erwachsene. Der Buchmarkt hält ein gewaltiges Angebot vor, nur ist es leider nicht leicht, Bücher auszuwählen, die sich gut für das Vorlesen eignen. Romane sind zu lang, und Bücher mit kürzeren Texten finden oft nicht die Beachtung, die sie vielleicht verdient haben. Zudem sollten die Geschichten in ihrer sprachlichen Gestaltung nicht zu komplex sein, denn endlose Nebensatzverschachtelungen und eine Fülle seltener Fremdwörter hemmen den Spaß.
Folgende Liste beinhaltet zwanzig Empfehlungen von Büchern, die entweder Kurzgeschichten, Märchen oder Gedichte enthalten, und deren Texte eine Vorlesezeit von 30 Minuten in der Regel nicht überschreiten:
- als PDF zum Download
- Liste bei Amazon
Folgende Liste beinhaltet zwanzig Empfehlungen von Büchern, die entweder Kurzgeschichten, Märchen oder Gedichte enthalten, und deren Texte eine Vorlesezeit von 30 Minuten in der Regel nicht überschreiten:
- als PDF zum Download
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Freitag, 13. August 2010
Folke Tegetthoff - Die schönsten Märchen
-cp- Der Begriff "Märchen" ist literaturwissenschaftlich keinesfalls eindeutig. Die einen definieren das Märchen sehr eng und ordnen der Gattung im Grunde nur die Klassiker (z.B. Grimm, Hauff, Andersen, 1001 Nacht) unter. Die anderen fassen den Begriff weit und bezeichnen auch Filme wie Star Wars oder Pretty Woman als Märchen. Folke Tegetthoffs Buch trägt nun den Titel "Die schönsten Märchen", und in der Tat finden sich in seinen Texten märchenhafte Motive. Aber auch Geschichten mit religiösem Hintergrund finden sich in diesem Buch, die übrigens, was ich lobend erwähnen möchte, nicht auf eine Religion beschränkt sind.
Tegetthoff ist durchaus ein guter Erzähler, aber: Seine "schönsten Märchen" waren mir zu weit vom "Märchen" entfernt. Es gibt in diesem Buch nur wenige Geschichten, die eine verträumt-poetische Atmosphäre haben. Vieles scheint mir sehr erwachsen und kopflastig zu sein, zum Beispiel knüpft die Fortsetzung zu Andersens "Prinzessin auf der Erbse" nicht wirklich am Original an, sondern macht aus der höflich-sensiblen Prinzessin eine herrschsüchtige Monarchin. Einige Geschichten sind wirklich nett, bei anderen habe ich mich gefragt, was das eigentlich soll. Es gibt Präsens-Erzählungen, was an sich jede Märchenatmosphäre im Keim ersticken muss. Malerische Beschreibungen und Einführungen in die Geschichten sind in diesem Buch die Ausnahme. Meistens geht es unmittelbar los. Das ist nicht gut oder schlecht, aber es ist für mich eben auch nicht Märchen, sondern Kurzgeschichte. Vermutlich wollte Tegetthoff mit seinen Texten das Märchen formal weiterentwickeln und aus seinem engen Korsett befreien, worauf zum Beispiel auch die im Buch enthaltenen "Märchenbriefe" hindeuten. Meines Erachtens nach führt er das Märchen jedoch nicht auf neue Bahnen, sondern einfach nur in benachbarte Gefilde. Formal und sprachlich gesehen, handelt es sich also eher um Kurzgeschichten mit märchenhaften, fabelhaften und religiösen Elementen als um wirkliche "Märchen".
Fazit: Bevor man dieses Buch kauft, muss man sich überlegen, wie "märchenhaft" man sich die Märchen wünscht, die man gern lesen würde. Ich kann mir gut vorstellen, dass Tegetthoffs Märchen manchen Leser ansprechen. Mir als erwachsenem Märchen-Liebhaber gefällt der Stil nicht besonders gut, und auch Kindern würde ich aus diesem Buch nicht vorlesen, einfach weil es sehr viel lesens- und vorlesenswertere Literatur gibt.
Tegetthoff ist durchaus ein guter Erzähler, aber: Seine "schönsten Märchen" waren mir zu weit vom "Märchen" entfernt. Es gibt in diesem Buch nur wenige Geschichten, die eine verträumt-poetische Atmosphäre haben. Vieles scheint mir sehr erwachsen und kopflastig zu sein, zum Beispiel knüpft die Fortsetzung zu Andersens "Prinzessin auf der Erbse" nicht wirklich am Original an, sondern macht aus der höflich-sensiblen Prinzessin eine herrschsüchtige Monarchin. Einige Geschichten sind wirklich nett, bei anderen habe ich mich gefragt, was das eigentlich soll. Es gibt Präsens-Erzählungen, was an sich jede Märchenatmosphäre im Keim ersticken muss. Malerische Beschreibungen und Einführungen in die Geschichten sind in diesem Buch die Ausnahme. Meistens geht es unmittelbar los. Das ist nicht gut oder schlecht, aber es ist für mich eben auch nicht Märchen, sondern Kurzgeschichte. Vermutlich wollte Tegetthoff mit seinen Texten das Märchen formal weiterentwickeln und aus seinem engen Korsett befreien, worauf zum Beispiel auch die im Buch enthaltenen "Märchenbriefe" hindeuten. Meines Erachtens nach führt er das Märchen jedoch nicht auf neue Bahnen, sondern einfach nur in benachbarte Gefilde. Formal und sprachlich gesehen, handelt es sich also eher um Kurzgeschichten mit märchenhaften, fabelhaften und religiösen Elementen als um wirkliche "Märchen".
Fazit: Bevor man dieses Buch kauft, muss man sich überlegen, wie "märchenhaft" man sich die Märchen wünscht, die man gern lesen würde. Ich kann mir gut vorstellen, dass Tegetthoffs Märchen manchen Leser ansprechen. Mir als erwachsenem Märchen-Liebhaber gefällt der Stil nicht besonders gut, und auch Kindern würde ich aus diesem Buch nicht vorlesen, einfach weil es sehr viel lesens- und vorlesenswertere Literatur gibt.
Samstag, 19. Juni 2010
Das Schwein beim Friseur
-cp- Schade, dass das Vorlesen immer mehr aus der Mode zu kommen scheint. Es gibt einfach keine bessere Art, Kinder an Literatur heranzuführen. Selbst Kinder, die schon selbst lesen können, genießen es sehr, wenn ihnen auch mal vorgelesen wird. Und es gibt so wunderbare Vorlesebücher. "Das Schwein beim Friseur" zum Beispiel. Dieses Buch vereint verdrehte Kurzgeschichten und Gedichte von Erich Kästner. Dieser erweist sich einmal mehr als glänzender Erzähler und versteht es, einen gefühlvollen, warmen Ton mit hintergründigem Humor zu kombinieren. Hier und da gibt er eine gehörige Portion Fantasie hinzu. Wer kann schon ahnen, dass man im Friseursalon nicht auf Stühlen, sondern auf Schweinen sitzt? Diese und andere absurde Einfälle machen auch Erwachsenen Spaß, und diesen Faktor sollte man nicht unterschätzen, denn Bücher, die man als Erwachsener nicht ausstehen kann, liest man auch nicht gerne vor. "Das Schwein beim Friseur" liefert allerdings wunderbarsten Vorlesestoff für Kinder im Grundschulalter.
Sonntag, 9. Mai 2010
Iwein Löwenritter
-cp- Alle zwei Jahre verleiht die Stadt Hameln den Rattenfänger-Literaturpreis. Ausgezeichnet werden Bücher, die sich an Kinder und Jugendliche richten und das Gerne Sagen, Märchen, fantastische Erzählungen bedienen. Preisträger in diesem Jahr ist das Buch "Iwein Löwenritter" von Felicitas Hoppe. Es handelt sich um eine Neuerzählung eines mittelalterlichen Romans rund um den Ritter Iwein, einem Mitglied der Tafelrunde König Arturs. Die in Hameln geborene Autorin Felicitas Hoppe wurde bereits mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Das Buch enthält vier ganzseitige Farbtafeln, die von Michael Sowa illustriert wurden. Sowa hat sich durch diverse Buchillustrationen einen Namen gemacht. Besondere Aufmerksamkeit erhielt er allerdings durch seine Mitwirkung an dem Film Die fabelhafte Welt der Amélie: Er steuerte nicht nur die Bilder aus Amélies Schlafzimmer, sondern auch das Krokodil aus der Anfangssequenz und die berühmte Schweinelampe bei.
Das Buch "Iwein Löwenritter" wurde besonders für seine sprachliche Gestaltung gelobt, die es schafft, den mittelalterlichen Stoff "sachkundig, engagiert und mit ausgeprägtem Humor" zu erzählen.
Das Buch "Iwein Löwenritter" wurde besonders für seine sprachliche Gestaltung gelobt, die es schafft, den mittelalterlichen Stoff "sachkundig, engagiert und mit ausgeprägtem Humor" zu erzählen.
Samstag, 24. April 2010
Eselsohren
-cp- Das "Eselsohr" ist nicht nur ein Teekesselchen mit verschiedensten Bedeutungen, sondern auch ein klassisches Motiv aus Kinderliteratur und Märchen. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Eselsohr als Narrenkappe, was vermutlich die doppelte Strafe für die Protagonisten der Geschichten erklärt, denen Eselsohren wachsen: Die entstellenden Tierohren haben gleichzeitig die Narrenkappen-Symbolik.
Beim Esel als Märchenfigur denken viele vermutlich zunächst an den Esel aus Tischlein deck Dich der Brüder Grimm. Der ist zwar nicht als Figur interessant, da er mit dem "Tischlein deck Dich" und dem "Knüppel aus dem Sack" in einer Reihe steht und daher eher als magisches Artefakt zu sehen ist, aber der "Goldesel" ist durch dieses Märchen zum festen Begriff geworden. Einen weiteren bekannten Esel gibt es in der deutschen Märchenlandschaft, und der ist Sänger bei den "Bremer Stadtmusikanten".
Ein neben dem Esel als Figur sehr interessantes Märchenmotiv ist der Mensch mit Eselsohren. Hier ist zunächst mal das vor allem in Portugal, aber auch in Spanien bekannte Märchen "Der Prinz mit den Eselsohren" zu nennen. Da bekommen Königin und König einen Sohn. Die Feen geben ihm gute Wünsche mit auf den Weg, nur eine Fee sagt, dass ihm Eselsohren wachsen sollen, damit er nicht zu stolz und hochmütig werde. Und so geschieht es.
In "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff isst die Titelfigur magische Feigen, woraufhin ihm Eselsohren wachsen. Durch das Essen von magischen Feigen eines anderen Baumes verschwinden die Eselsohren wieder. Diese beiden Sorten Feigen nutzt der kleine Muck aus und stellt damit den Hofstaat auf den Kopf.
Auch in dem bekannten Kinderbuch "Pinocchio" geschieht etwas Ähnliches. Im Spielland gibt sich Pinocchio dem Müßiggang hin, und er verwandelt sich in einen Esel. Er wird an einen Zirkus verkauft, wo er sich während einer Vorstellung verletzt. Er wird weiterverkauft, ins Meer geworfen und verwandelt sich zurück.
Selbst in der Antike gibt es das Motiv: Lucius Apuleius schrieb einen lateinischen Roman nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata. Titel: "Der goldene Esel". Ein junger Mann beobachtet eine Hexe, die sich mit Hilfe einer Salbe in einen Vogel verwandelt. Er will es auch versuchen, doch weil dabei die Salben verwechselt werden, verwandelt er sich in einen Esel.
Das Märchen "Eselsohr und Hahnenkamm" aus dem gleichnamigen Buch (und in Hörspielform) von der CD Rumpelstilzchen schlägt zurück) greift das Motiv ebenfalls auf. (Der Hahnenkamm war übrigens auch Narrenkappe.) Hier stehlen zwei junge Burschen einer Hexe Äpfel vom Baum. Und als sie die Äpfel essen, verwandeln sie sich. Dem einen wächst ein Hahnenkamm und ein Schnabel, dem anderen wachsen Eselsohren. Sie werden nun verspottet und ausgegrenzt, suchen das Weite und landen schließlich bei einem kleinen Jahrmarkt, dessen Direktor sie quasi als Monster ausstellt. Nun tun sie alles, um aus dem Jahrmarkt zu fliehen.
Letzter Literaturtipp: Ellis Kaut ("Pumuckl", "Schlupp vom grünen Stern") hat ein Kinderbuch mit dem Titel "Der kluge Esel Theobald geschrieben", das seit geraumer Zeit vergriffen, aber durchaus noch gebraucht zu bekommen ist. Einige hier aufgeführte Motive (Esel, Hexen, Zirkus, ...) finden sich auch in diesem Buch wieder.
Beim Esel als Märchenfigur denken viele vermutlich zunächst an den Esel aus Tischlein deck Dich der Brüder Grimm. Der ist zwar nicht als Figur interessant, da er mit dem "Tischlein deck Dich" und dem "Knüppel aus dem Sack" in einer Reihe steht und daher eher als magisches Artefakt zu sehen ist, aber der "Goldesel" ist durch dieses Märchen zum festen Begriff geworden. Einen weiteren bekannten Esel gibt es in der deutschen Märchenlandschaft, und der ist Sänger bei den "Bremer Stadtmusikanten".
Ein neben dem Esel als Figur sehr interessantes Märchenmotiv ist der Mensch mit Eselsohren. Hier ist zunächst mal das vor allem in Portugal, aber auch in Spanien bekannte Märchen "Der Prinz mit den Eselsohren" zu nennen. Da bekommen Königin und König einen Sohn. Die Feen geben ihm gute Wünsche mit auf den Weg, nur eine Fee sagt, dass ihm Eselsohren wachsen sollen, damit er nicht zu stolz und hochmütig werde. Und so geschieht es.
In "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff isst die Titelfigur magische Feigen, woraufhin ihm Eselsohren wachsen. Durch das Essen von magischen Feigen eines anderen Baumes verschwinden die Eselsohren wieder. Diese beiden Sorten Feigen nutzt der kleine Muck aus und stellt damit den Hofstaat auf den Kopf.
Auch in dem bekannten Kinderbuch "Pinocchio" geschieht etwas Ähnliches. Im Spielland gibt sich Pinocchio dem Müßiggang hin, und er verwandelt sich in einen Esel. Er wird an einen Zirkus verkauft, wo er sich während einer Vorstellung verletzt. Er wird weiterverkauft, ins Meer geworfen und verwandelt sich zurück.
Selbst in der Antike gibt es das Motiv: Lucius Apuleius schrieb einen lateinischen Roman nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata. Titel: "Der goldene Esel". Ein junger Mann beobachtet eine Hexe, die sich mit Hilfe einer Salbe in einen Vogel verwandelt. Er will es auch versuchen, doch weil dabei die Salben verwechselt werden, verwandelt er sich in einen Esel.
Das Märchen "Eselsohr und Hahnenkamm" aus dem gleichnamigen Buch (und in Hörspielform) von der CD Rumpelstilzchen schlägt zurück) greift das Motiv ebenfalls auf. (Der Hahnenkamm war übrigens auch Narrenkappe.) Hier stehlen zwei junge Burschen einer Hexe Äpfel vom Baum. Und als sie die Äpfel essen, verwandeln sie sich. Dem einen wächst ein Hahnenkamm und ein Schnabel, dem anderen wachsen Eselsohren. Sie werden nun verspottet und ausgegrenzt, suchen das Weite und landen schließlich bei einem kleinen Jahrmarkt, dessen Direktor sie quasi als Monster ausstellt. Nun tun sie alles, um aus dem Jahrmarkt zu fliehen.
Letzter Literaturtipp: Ellis Kaut ("Pumuckl", "Schlupp vom grünen Stern") hat ein Kinderbuch mit dem Titel "Der kluge Esel Theobald geschrieben", das seit geraumer Zeit vergriffen, aber durchaus noch gebraucht zu bekommen ist. Einige hier aufgeführte Motive (Esel, Hexen, Zirkus, ...) finden sich auch in diesem Buch wieder.
Samstag, 27. Februar 2010
Pinocchio
-cp- Die Geschichte von Pinocchio gehört zu den ultimativen Klassikern der Kinderliteratur. Das Buch von Carlo Collodi ist in viele Sprachen übersetzt und bereits mehrfach verfilmt worden. Berühmt geworden ist das Motiv der wachsenden Nase, wenn Pinocchio lügt. Man könnte die Geschichte über die Holzpuppe, die versucht "ein richtiger Junge" zu werden, aber sich immer wieder verleiten lässt, irgendwelche Dummheiten anzustellen, fast als Märchen betrachten, und in der Tat wird Pinocchio häufig als Märchenfigur bezeichnet. Das Buch ist zwar eigentlich zu komplex, um in die Gattung Märchen zu fallen, aber es enthält doch sehr märchenhafte Züge: Es gibt eine gute Fee, magische Verwandlungen und die ewige Suche nach dem Gutem. Diese Suche findet nicht in Form von Schlachten statt, es ist eine innere Auseinandersetzung. Pinocchio muss lernen, sich gegen die Verführungskünste des "Bösen" abzugrenzen, und unbeirrt seinem guten Weg zu folgen. Die Geschichte ist sprachlich sehr einfach und wunderbar geschrieben. Sie ist lustig, anrührend und fantasievoll. Hier und da ist sie vielleicht etwas zu stark moralisierend, aber dennoch immer unterhaltsam und auch als Vorlesebuch für Kinder ab 6 Jahren geeignet.
Zum Hörbuch: Schauspieler Bodo Primus findet in seiner Lesung einen angenehmen, warmen Ton für die Geschichte. Er gestaltet auch die verschiedenen Charaktere etwas unterschiedlich, ohne sie zu sehr zu überziehen. Einzig die Figur des Pinocchio, die er etwas höher anlegt als die anderen, ist mit der Zeit etwas anstrengend zu hören. Alles in allem ist dieses Hörbuch aber sehr empfehlenswert und bietet zweieinhalb Stunden allerbester Familienunterhaltung.
Zum Hörbuch: Schauspieler Bodo Primus findet in seiner Lesung einen angenehmen, warmen Ton für die Geschichte. Er gestaltet auch die verschiedenen Charaktere etwas unterschiedlich, ohne sie zu sehr zu überziehen. Einzig die Figur des Pinocchio, die er etwas höher anlegt als die anderen, ist mit der Zeit etwas anstrengend zu hören. Alles in allem ist dieses Hörbuch aber sehr empfehlenswert und bietet zweieinhalb Stunden allerbester Familienunterhaltung.
Freitag, 26. Februar 2010
Neue Märchen aus Lugabugien: von Christian Peitz
-sv- Auch in seiner zweiten Märchensammlung "Eselsohr und Hahnenkamm. Neue Märchen aus Lugabugien." gelingt es Märchenautor Christian Peitz hervorragend, mit gewohnten Märchenklischees zu spielen, sie dabei aber nicht einfach zu zitieren, sondern sie neu zu entwickeln und der heutigen Zeit anzupassen. In gewohnt klarer und für Kinder (und Erwachsene!) verständlicher Sprache, entwickelt er seine Märchenwelt im Lande Lugabugien. Das Buch entält 9 kurze und ein längere Geschichte, die sich zum Selberlesen und Vorlesen hervorragend eignen und die vor allem Spaß machen! Wunderschöne Abbildungen runden das Leseerlebnis ab.
Fazit: Wie schon in seiner ersten Märchensammlung "Der Märchenprinz im Märchenwald hört einen Schuss, der gar nicht knallt. Märchen aus Lugabugien." (amazon), weiß Peitz auch mit diesem Buch zu überzeugen! Wem das Einerlei der Brüder Grimm (vor allem auch sprachlich) nicht zeitgemäß vorkommt, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt! Die Märchen von Peitz sind auch auf CD erschienen und hier erhältlich.
Fazit: Wie schon in seiner ersten Märchensammlung "Der Märchenprinz im Märchenwald hört einen Schuss, der gar nicht knallt. Märchen aus Lugabugien." (amazon), weiß Peitz auch mit diesem Buch zu überzeugen! Wem das Einerlei der Brüder Grimm (vor allem auch sprachlich) nicht zeitgemäß vorkommt, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt! Die Märchen von Peitz sind auch auf CD erschienen und hier erhältlich.
Sonntag, 17. Januar 2010
Paul Maar: "Kreuz und Rüben, Kraut und quer"
-cp- Empfehlung eines Buchs zum Vorlesen: Paul Maar hat nicht nur "Das Sams" erfunden, auch das bereits zweimal verfilmte Buch "Lippels Traum" stammt von ihm. Er ist ein großartiger Erzähler, der es wie kein zweiter Kinderbuchautor versteht, mit Sprache zu spielen. Seine Geschichten sind stets fantasievoll und bestechen durch eine klare Sprache, die mit viel Humor nicht nur Kinder, sondern auch Eltern in ihren Bann zieht. In diesem Buch nun sind verschiedene seiner kürzeren Geschichten sowie Auszüge (sinnvolle Abschnitte) aus seinen größeren Werken zusammengestellt. Es ist ein Lesebuch, das ein rundes Bild vermittelt und auf sehr abwechslungsreiche Weise unterhält. Zwischendurch gibt es auch mal Gedichtchen, Collagen und ganz wundervolle Illustrationen. Dieses Buch ist als Einstieg in das Paul Maar-Universum geeignet, denn wir lernen das Sams kennen (das bekannte Wesen, das Herrn Taschenbier am Samstag besucht und seine Welt aus den Angeln hebt), wir lernen Lippel kennen, der sich in eine schöne Welt träumen muss, weil die Wirklichkeit bisweilen schwer zu ertragen ist. Aber es gibt auch Geschichten wie "Der Zauberzylinder", die abgeschlossen sind und beinahe als skurrile Märchen bezeichnet werden können. Das Buch ist zum Vor- und Selberlesen geeignet, am besten für die Altersgruppe der 5-9-Jährigen.
"Die Zauberschule und andere Geschichten" von Michael Ende
-cp- Unter dem Stichwort Vorlesen sollen in lockerer Folge einige Bücher empfohlen werden. Schwerpunkt sollen zunächst Bücher sein, die viele verschiedene Geschichten enthalten. Ausgangspunkt der Empfehlungen ist diese Studie.
Michael Ende ist zweifelsohne einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller. Mit "Momo", "Jim Knopf", "Der Wunschpunsch" und "Die unendliche Geschichte" hat er Kinderbücher geschaffen, die durch ihre Mischung aus nachdenklichen Themen, liebenswerten Charakteren und märchenhaften Elementen zu absoluten Klassikern geworden sind. Aber auch seine kürzeren Märchen und Geschichten sind fantasievoll und schön. In diesem Buch nun sind einige Geschichten zusammengetragen, abwechslungsreich, vielfältig, ganz wunderbar gestaltet und sehr gut zum Vorlesen geeignet. Da gibt es zum Beispiel in "Lenchens Geheimnis" ein Mädchen, das seine ungehorsamen Eltern mit Hilfe einer Fee zu bändigen versucht. "Die Geschichte von der Schüssel und dem Löffel" ist eine augenzwinkernde und sehr intelligente Hommage an "Dornröschen". Dann gibt es noch das "Traumfresserchen", "Ophelias Schattentheater" und viele andere. Vom Unfang (20-40 Minuten) und Anspruch eignen sich die Geschichten zum Vorlesen eher für ältere Kinder (2.-6. Schuljahr). Alle Geschichten sind fantasievoll, haben märchenhafte Anteile, sind sprachlich klar und enthalten einen augenzwinkernden Humor, der das Buch auch für Erwachsene zu einem unverzichtbaren Lese-Ereignis macht.
Michael Ende ist zweifelsohne einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller. Mit "Momo", "Jim Knopf", "Der Wunschpunsch" und "Die unendliche Geschichte" hat er Kinderbücher geschaffen, die durch ihre Mischung aus nachdenklichen Themen, liebenswerten Charakteren und märchenhaften Elementen zu absoluten Klassikern geworden sind. Aber auch seine kürzeren Märchen und Geschichten sind fantasievoll und schön. In diesem Buch nun sind einige Geschichten zusammengetragen, abwechslungsreich, vielfältig, ganz wunderbar gestaltet und sehr gut zum Vorlesen geeignet. Da gibt es zum Beispiel in "Lenchens Geheimnis" ein Mädchen, das seine ungehorsamen Eltern mit Hilfe einer Fee zu bändigen versucht. "Die Geschichte von der Schüssel und dem Löffel" ist eine augenzwinkernde und sehr intelligente Hommage an "Dornröschen". Dann gibt es noch das "Traumfresserchen", "Ophelias Schattentheater" und viele andere. Vom Unfang (20-40 Minuten) und Anspruch eignen sich die Geschichten zum Vorlesen eher für ältere Kinder (2.-6. Schuljahr). Alle Geschichten sind fantasievoll, haben märchenhafte Anteile, sind sprachlich klar und enthalten einen augenzwinkernden Humor, der das Buch auch für Erwachsene zu einem unverzichtbaren Lese-Ereignis macht.
Freitag, 15. Januar 2010
Studie zum Thema "Vorlesen"
-cp- Dass vielen Kindern nicht genug (und in manchen Fällen gar nicht) vorgelesen wird, ist schon länger Teil der öffentlichen Diskussion. Ein Zusammenhang zur mangelnden Lesekompetenz vieler Jugendlicher und somit auch zum schlechten Abschneiden bei den Pisa-Studien liegt nahe. Zum Thema "Vorlesen" gibt es eine interessante Studie aus dem Jahr 2008, die von der Deutschen Bahn, Der Zeit und der Stiftung Lesen durchgeführt wurde. Ein kurzer Artikel (inkl. PDF zum Download) findet sich auf der Seite der Stiftung Lesen.
Samstag, 14. November 2009
Die Bedeutung des Vorlesens
-cp- "Vorlesen ist die Mutter des Lesens", sagte schon Goethe. Nur weil's von Goethe ist, muss es natürlich noch nicht stimmen, doch die Bedeutung des Vorlesens ist unbestritten, denn das Vorlesen formt bei Kindern neuronale Strukturen. Es fördert nicht nur die Sprachkompetenz, sondern stellt auch die Weichen für Lesekompetenz. Eine Studie, die 2008 von der Deutschen Bahn in Kooperation mit der Zeit und der Stiftung Lesen erstellt wurde, warf eine erschreckende Zahl auf: 37% der Kinder in Deutschland wird niemals vorgelesen. Dabei ist erwiesen, dass das Vorlesen aus vielerlei Gründen wichtig ist, nicht nur wegen der Sprach- und Leseentwicklung der Kinder, denn Vorlesen bedeutet auch Zuwendung und Nähe. Auch für Grundschulkinder, die ja schon vieles selbst lesen können, ist das Vorlesen noch wichtig.
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Empfehleneswerte Vorlese-Bücher bei Amazon Zur Bahn-Vorlesestudie-2008
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