Donnerstag, 31. Januar 2008

An einem Tag wie diesem

-cp- In An einem Tag wie diesem von Peter Stamm geht es um Andreas, einen Lehrer aus der Schweiz, der seit vielen Jahren in Paris lebt und dort Deutsch unterrichtet. Andreas ist liebesunfähig, und so plätschert sein Leben zwischen Schule, Affären und Zigaretten gemächlich dahin, bis er wegen eines sich nicht bessernden Hustens zu einem Arzt geht. Der Tag, an dem er seinen Befund bekommen soll, ist für ihn angstbesetzt. Und er reflektiert seine Vergangenheit und seine Gegenwart. Vor allem beschäftigt er sich mit seiner großen unerfüllten Jugendliebe. Er denkt und handelt, hebt sein Leben aus den Angeln und sucht sehnsüchtig nach einem neuen Angelpunkt. Dieser wird untrennbar mit seinen Frauengeschichten zusammenhängen. Nur muss er diese erst sortieren.

Die Geschichte besteht hauptsächlich aus der Gedankenwelt des Andreas. Er und auch die anderen Figuren wirken relativ ernüchtert und zugleich sehnsüchtig, wenn es um das Thema Liebe geht und relativ offen beim Thema Sex. Sex wird als etwas Selbstverständliches und zugleich als etwas sehr Flüchtiges geschildert. Zwischen Sex und Liebe scheint es wenig, manchmal auch keinen Zusammenhang zu geben. Mit der Figur des Andreas hat man an einigen Stellen Mitleid. Man möchte ihn schütteln und auf die richtige Bahn bringe, die für den Leser manchmal offen dazuliegen scheint, für Andreas aber unsichtbar ist. Und doch versteht man diesen Andreas auch, wenn er auch sehr viel Geduld erfordert. An einem Tag wie diesem ist als Charakterstudie großartig, als Roman immer noch gut, aber nicht sensationell, insgesamt aber auf jeden Fall lesenswert.

Der Omega Mann aka I am legend

-sg- Mitte des Monats sahen Chris und ich I am legend mit Will Smith und stellten fest, dass es sich um ein ReReMake handelt (basierend auf dem Roman "Ich bin Legende" von Richard Matheson von 1954), der bereits 1964 mit Vincent Price und 1971 mit Charlton Heston verfilmt wurde. Mutig wie ich bin, schaute ich mir gestern die 1971er Fassung an, denn ich liebe die Filmästhetik der späten 60er und der 70er und gegen Charlton Heston ist ja prinzipiell auch nichts einzuwenden. Weit gefehlt... Wo "I am legend" sich mit dem Befinden und den Stimmungen von Will Smith als vermeintlich letztem Menschen auf Erden befasste, spielte Heston einen überheblichen und gänzlich unberührten Omega-Mann, der seinen Frust an den lebenden Toten auslässt, die nachts aus ihren Löchern kommen. Wo in "I am legend" subtil mit der Angst von Smith gespielt wurde, jeden Moment von den stummen Monstern angegriffen zu werden, quatschen sich die "Monster" im Omega-Mann einen Wolf und man sieht sie direkt nach 10 Minuten und jede Spannung ist hinüber. Wo Smith froh ist, nach langer Zeit der Einsamkeit endlich einen Menschen zu treffen, fällt Heston nichts Besseres ein, als diese Frau direkt zum Sex aufzufordern. Naja und am Ende stirbt Heston und hinterlässt ebenfalls ein Serum, allerdings explodiert er nicht wie Smith sondern wird im Abspann in einer hängenden Position gezeigt, die sehr an den gekreuzigten Jesus erinnert - zu viel des Guten. Ach ja, und hinzu kommt noch, dass Heston leider seit Ben Hur kein anderes Gesicht aufgesetzt hat und immer dieselben Typen spielt und das noch nicht mal gut. Fazit: Setzen! 6!

Dienstag, 29. Januar 2008

Spezialitäten und wie sie geschrieben werden

-sg, cp- Es ist noch nicht einmal einen Monat her, da habe ich (Chris) damals noch im alten Blog eine magische Speisekarte gezeigt. Nun hat Steve eine Entdeckung gemacht, die wir auch nicht für uns behalten wollen. Wer hat nicht schon mit Freuden eine "Sabajone" gegessen?


Vielleicht ist das Wort für uns Deutsche schwer zu schreiben, aber erstens sollte doch derjenige, der so etwas anbietet, wissen, was er da anbietet. Und zum anderen: Wie viele Fehler kann man eigentlich in einem einzigen Wort machen?

Sonntag, 27. Januar 2008

Der Tatort und die Pädophilie

-cp- Im heutigen Tatort Verdammt bekamen es die Kölner Kommissare Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) mit dem Problem Pädophilie zu tun, ein Thema, mit dem sich der Tatort schon öfter beschäftigt hat, und bei dem in den 90er Jahren drei echte Tatort-Klassiker heraus kamen: Frau Bu lacht (1995, Kripo München), Laura mein Engel (1994, Kripo Dresden) und Manila (1998, Kripo Köln). Zur heutigen Story: Ein Pädophiler, der 12 Jahre Knast wegen Mordes an einem 8-Jährigen hinter sich hat, wird ermordet. Es gibt viele Verdächtige, und nach 90 Minuten ist der Täter überführt. Wie immer.

Der Tatort kam sehr bemüht daher, sich des schwierigen Themas anzunehmen. Die Figuren reden über verschiedenste Fragen und Standpunkte, die man dazu haben kann. Wie entsteht Pädophilie? Wie sollte man mit Tätern umgehen? Wie kann man Kinder schützen? Die Figuren diskutieren diese Probleme emotional und kontrovers, und da die Leiche ein "Kinderschänder" ist, haben neben den Kommissaren bald auch die Zuschauer die Tätersuche aus den Augen verloren und wohnen einer hitzigen Debatte bei. Sicherlich hat das Fernsehen einen Bildungsauftrag, und sicherlich gehört Aufklärung über Pädophilie und präventive Maßnahmen unbedingt ins Programm. Aber ich frage mich, warum man daraus immer wieder müde Tatort bastelt, was in Ermangelung neuer Themen immer wieder vorkommt, anstatt Dokumentationen über die Arbeit des Deutschen Kinderschutzbundes und von Zartbitter zu senden.

Die deutsche Sprache

-cp- Gedanken, die ich mir mache, wenn ich sonntags mal so rumhänge: Das Wort Autodiebstahl meint den Diebstahl eines Autos. Das Wort Hoteldiebstahl aber meint den Diebstahl innerhalb eines Hotels. Und beim Taschendiebstahl ist es nicht so eindeutig, da kann entweder eine Tasche oder etwas aus einer Tasche gestohlen werden. Insgesamt sind wortzusammengesetzte Diebstähle wohl semantisch betrachtet eine ziemlich schwammige Angelegenheit, und ich habe keine Idee, wie man es nennt, wenn jemand in einer Hoteltiefgarage aus einem Auto eine Tasche stiehlt. Das ist so kompliziert, das ist vermutlich nicht mal strafbar.

Freitag, 25. Januar 2008

Jugend, Arbeit und Perspektiven

-cp- Ich arbeite ja unter anderem als Erziehungsbeistand und Betreuungshelfer für ein nahe gelegenes Jugendamt. Schwerpunkt meiner Beschäftigung ist die Arbeit mit 18-20-jährigen, die keine Familie haben oder den Kontakt mit ihrer Familie abgebrochen haben. Diese Jugendlichen wenden sich entweder ans Jugendamt und bitten um Hilfe, oder sie haben Strafverfahren am Hals, und müssen sich helfen lassen (Diversionsverfahren). In der Regel stehen die Jugendlichen, wenn ich sie übernehme, mittellos auf der Straße: kein Geld, keine Wohnung, kein Job. Ich begleite sie dann bei Behördengängen und Wohnungssuche. Und wenn sie eine Wohnung haben, begleite ich sie bei der Jobsuche und bringe sie in der Regel in Qualifizierungsmaßnahmen und angeleiteten Praktika unter.

Immer wieder scheitern diese Jugendlichen direkt am Anfang ihrer Praktika. Und zwar aus einem sehr einfachen Grund. Vor dem Praktikum befinden sie sich in folgender Situation: sie haben eine kleine Wohnung, deren Miete vom Sozialamt übernommen wird. Außerdem erhalten sie das Arbeitslosengeld II, sprich 345 Euro pro Monat. Allerdings geht das Sozialamt davon aus, dass die Jugendlichen einen Anspruch auf Kindergeld haben und ziehen daher 154 Euro ab. Es bleiben 191 Euro, die ausgezahlt werden. Davon zahlen die Jugendlichen ihren Strom, Telefonkosten, Klamotten, Wohnungseinrichtung, Putz- und Hygieneartikel und Lebensmittel. Meistens sind die 191 Euro spätestens am 16. oder 17. des Monats weg. Die Bewilligung des Kindergeldes ist mit Haken und Ösen und einem elenden Papierkrieg verbunden und lässt meist zwei bis drei Monate auf sich warten. Das sind zwei bis drei Monate, in denen die Jugendlichen permanent Geldsorgen haben und Schulden aufbauen. Die können sie dann zwar zurückzahlen, wenn das Kindergeld rückwirkend bewilligt wird, aber leicht wird es ihnen so ja nun nicht gemacht.

Sobald sie ein Praktikum machen, haben sie keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld II. Sie müssen dann beim Arbeitsamt BAB beantragen. Das liegt bei 431 Euro monatlich. Davon müssen sie aber auch die Miete selbst bezahlen. Und jetzt kommt der Haken: Während das Arbeitslosengeld II zum Monatsanfang gezahlt wird, kommt das BAB rückwirkend zum Monatsende. Wenn bis dahin die Kindergeldkasse den Antrag nicht bewilligt hat, sieht es finster aus. Das bedeutet, die Jugendlichen haben z.B. am 1. Januar 191 Euro erhalten und bekommen ihr nächstes Geld erst am 28. Februar.

Das heißt, sie tun, was Gesellschaft fordert und begeben sich in Arbeit. Und sie erleben als persönliche Konsequenz, dass sie sich direkt zum Anfang des Praktikums nichts zu essen kaufen können, keine Miete zahlen können und ein permanentes Gefühl der Verzweifelung in sich tragen. Und: Es gibt nichts, das diese Situation ändern könnte. Meistens haben die Jugendlichen dann Frust und schwänzen. Daraufhin verlieren sie die Praktikumsstelle, und der ganze Ärger geht von vorne los.

Keinohrhasen

-cp- Gestern habe ich es endlich geschafft, mir im Kino Keinohrhasen anzusehen. Ein Film, der viele Vorschusslorbeeren geerntet hat. Ich war sehr gespannt, ob er halten kann, was mir von Gott und der Welt versprochen wurde. Gesehen habe ich ein Gag-Feuerwerk, das mich im Grunde an moderne Fernseh-Sketch-Sendungen erinnert hat. Die Szenen standen meistens für sich und waren auf eine große Pointe ausgelegt. Til Schweiger hat hier gute Schauspielführung und auch ein Gefühl für Witz und Timing bewiesen, allerdings hat mich der Film als Geschichte kein bisschen überzeugt. Zu platt und offensichtlich war die Konstruktion, zu ungeschmeidig das Szenengefüge. Alles war so arg darauf ausgelegt witzig zu sein, dass ich den Film weder glaubwürdig noch als Geschichte ansprechend fand. Drei Beispiele:
  • Der Chefredakteur liest die Artikel seiner Zeitung immer erst nach Erscheinen und macht seine Mitarbeiter immer wieder zur Sau. Es ist lustig, dass er abgeht wie ein HB-Männchen, aber dass Chefredakteure Titelseiten grundsätzlich ungelesen in den Druck geben, insbesondere bei Blättern mit einer Auflage von 14 Millionen, ist vollkommen unglaubwürdig. Lustig als Sketch, als Filmszene jedoch albern.
  • Ein Mann muss als Bewährungsauflage Sozialstunden in einem "Kinderhort" ableisten. Unter anderem veranstaltet er ohne Eltern und ohne Erzieherinnen ein Indianerzeltlager mit den Kids. Die Einrichtung möchte ich sehen, die einen Mann, der auf Bewährung ist, mit Kindern alleine ein Zeltlager veranstaltet lässt. (Übrigens taucht dann doch noch eine Erzieherin auf, allerdings als Ablösung, nicht um ihn zu beaufsichtigen.) Zudem war der Kinderhort im Film kein Kinderhort, sondern ein Kindergarten, denn ein Kinderhort betreut Schulkinder, aber das nur am Rande.
  • Eine Frau wird versetzt, wundert sich, warum ihr Typ nicht kommt, geht zu ihm nach Hause. Die Wohnungstür steht offen. Sie geht rein, drinnen ist alles voll romantisch mit Kerzenlicht und allem, was dazu gehört, und sie findet den Kerl nackt im Bett im Arm einer ebenfalls nackten Frau. Auch hier wurde die Tür nicht offen gelassen, weil es logisch ist, sondern damit es der Geschichte dient.
Es mag kleinkarriert sein, aber ich finde, dass ein Film in sich schon logisch sein sollte. Außerdem hat mich das pseudomoderne Gelaber über Sex und Beziehungen wie sie sein sollten und funktionieren könnten genervt. Ich will mal sagen: befriedigend minus. Gute Gags, gute Schauspieler, vor allem Jürgen Vogel, aber insgesamt kommt dieser Film nicht als Film daher, sondern als Gaganeinanderreihung, die mich mit der Frage entließ, warum zum Teufel diese beiden gar nicht zueinander passenden Menschen sich in der Mitte des Films aus heiterem Himmel ineinander verliebt haben. Meine Vermutung: Weil es halt ein Liebesfilm sein sollte. Naja. So einfach funktioniert es aber leider nicht.

Homunkuli des Bildschirms

-sg- SZ-Redakteur Christopher Schmidt hat die gestrige Folge "Schmidt& Pocher" kommentiert. Hier ein paar Auszüge (aus: Eine kleine Nachtkritik, SZ-Online von heute), ich empfehle den gesamten Beitrag:

  • Zum Engagement von Pocher: "Ein junger Mann zum Mitreisen wurde gesucht. Und eine trudelnde Dschunke der Fernsehunterhaltung sollte mit einem Turbolader nachgerüstet werden."
  • Zum Anfang des neuen Formats: "Pocher, das Kellerkind aus dem Privatfernsehen, lauerte hechelnd auf Konterchancen, und man ahnte, irgendwann würde er nach vorne wimmeln und sein gefletschtes Spaßgebiss ins welke Fleisch seines Pflegevaters schlagen."
  • Zum derzeitigen Niveau: "Die Betriebsnähe der Sendung soll ein Zugeständnis sein an eine Generation, die wie Oliver Pocher statt einer Vergangenheit nur eine Zuschauerbiographie hat - jeder ein bleicher Homunkulus des Bildschirms."

Donnerstag, 24. Januar 2008

Die perfekte Welle

-cp- Die Castingshow Deutschland sucht den Superstar geht in die nächste Runde. Wieder mal haben interessierte Zuschauer die Möglichkeit, das Talent der einen zu bewundern, das Unvermögen der anderen zu belächeln, sich die Frage zustellen, warum es Menschen gibt, die sich und ihre Möglichkeiten so dermaßen unrealistisch einschätzen, oder aber sich zu fragen, ob RTL die Showdeppen von professionellen Darstellern spielen lässt, weil ja in echt so doof keiner sein kann. Vielleicht hat auch manch einer der Zuschauer ein Herz für die jungen Möchtegernstars, denen es gleichermaßen an Talent und Reflexionsvermögen fehlt, und fragt sich, warum Familie und Freunde sie nicht davon abhalten konnten, ins offene Messer zu rennen. Wie man's auch dreht und wendet, davon lebt die Show, davon und von der immer mal wieder geäußerten Empörung von Presse und vereinzelten Zuschauern. Aber - egal, wie groß die Empörung auch ist - dass Peinlichkeiten und Zusammenbrüche den Weg auf die Mattscheibe finden, kann nicht verhindert werden. Das ganze wäre vielleicht auch noch zu verschmerzen, wenn man die Super-Nanny mit in die Jury setzt, damit sie die gescheiterten Kandidaten liebevoll auffängt und Dieter Bohlen eine vernünftige Feedback-Kultur beibringt. So oder so, der gute Raimund Ringele war das Highlight der gestrigen Show, und er hätte vermutlich mehr als nur eine Supernanny gebraucht: [Klick zum Video] Birthe Adam spielt übrigens in einer ähnlichen Liga. [Klick zum Video]

Mittwoch, 23. Januar 2008

Plattencover-Bastel-Stöckchen zum dritten

-cp- Es ist noch gar nicht so lang her, da gab es ein lustiges Plattencover-Bastel-Stöckchen via Tobias, das wir auch brav bearbeitet haben. Das Ergebnis von Steve findet sich [hier], mein Ergebnis mit Erläuertung der Spielregeln gibt's [hier]. Nun habe ich gestern drei Design-Studentinnen getroffen, die sichtlich Spaß an diesem Spielchen hatten, und so kommt es, dass heute an dieser Stelle vier weitere Ergebnisse präsentiert werden. Vom gruseligen Metal- bis zum Schlager-Schnulz-Cover ist alles dabei:

(23.01.2008, T.R.)

(23.01.2008, J.H.)

(23.01.2008, R.K.)

(23.01.2008, T.R.)