Freitag, 27. April 2012
Lesehunger
-cp- "Das grenzenloseste Abenteuer der Kindheit, das war das Leseabenteuer. Für mich begann es, als ich zum ersten Mal ein eigenes Buch bekam und mich da hinein schnupperte. In diesem Augenblick erwachte mein Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert." (aus: Astrid Lindgren, "Das entschwundene Land")
In diesem Sinne der Hinweis auf einen Appetitmacher: Die Stiftung Lesen hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt Lesestart ins Leben gerufen. So sinnvoll das Projekt auch ist, muss die Frage aufgeworfen werden, warum es so lange gedauert hat, waren doch die Erfolge von Bookstart in England seit Anfang der 90er Jahre bekannt. Zu hoffen bleibt, dass die Familien auch Unterstützung erhalten, was die Umsetzung angeht. Hier sind sicherlich die Kitas gefragt. Siehe auch: Literaturkita.
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Sonntag, 22. April 2012
Fußball und Märchen
-cp- Die Fußball-Saison nähert sich ihrem Ende. Der deutsche Meister 2011/2012 steht schon fest, im DFB-Pokal und in der Champions-League folgen die Endspiele in den nächsten Woche. Mittlerweile ist schon Normalität geworden, dass im Zusammenhang mit Fußball das Wort Märchen verwendet wird. So wurde vor ein paar Wochen das Ausscheiden von Hannover 96 im Viertelfinale der Euro League als "Ende eines Märchens" bezeichnet (Handelsblatt). Nicht ganz unproblematisch, da der Begriff "Märchen" im Zusammenhang mit sportlichen Erfolgen die Leistung der Sportler schmälert. Etwas anders ist es ja bei der Fußball-WM 2006 gewesen, als der Begriff Märchen zwar in Bezug auf die Deutsche Nationalmannschaft, aber durchaus auch in Bezug auf die Atmosphäre der gesamten Weltmeisterschaft verwendet wurde. Der Spiegel schrieb, Jürgen Klinsmann habe den deutschen Märchenkanon erweitert. Die Film-Dokumentation von Sönke Wortmann trägt folgerichtig sogar den Titel Deutschland - Ein Sommermärchen.
Nachdem die Deutsche Meisterschaft für Bayern München durch die Niederlage in Dortmund in kaum noch erreichbare Ferne gerückt war, konnte man zudem mal wieder verbale Spitzen beobachten, in denen sich besonders Uli Hoeneß hervortat, was seinen Ruf als schlechter Verlierer mal wieder bestätigte. Er warf BVB-Boss Watzke vor, er würde in Bezug auf die Budgets der Bundesligisten "Märchen erzählen" (Süddeutsche). Also Märchen im Sinne von Lügengeschichten.
Es scheint, als seien gegenwärtig die Begriffe Fußball und Märchen kaum zu trennen. Die sowieso schon strittige Frage, was eigentlich moderne Märchen sind, ist also nicht nur literaturwissenschaftlich, sondern auch durch "König Fußball" zu beantworten.
Nachdem die Deutsche Meisterschaft für Bayern München durch die Niederlage in Dortmund in kaum noch erreichbare Ferne gerückt war, konnte man zudem mal wieder verbale Spitzen beobachten, in denen sich besonders Uli Hoeneß hervortat, was seinen Ruf als schlechter Verlierer mal wieder bestätigte. Er warf BVB-Boss Watzke vor, er würde in Bezug auf die Budgets der Bundesligisten "Märchen erzählen" (Süddeutsche). Also Märchen im Sinne von Lügengeschichten.
Es scheint, als seien gegenwärtig die Begriffe Fußball und Märchen kaum zu trennen. Die sowieso schon strittige Frage, was eigentlich moderne Märchen sind, ist also nicht nur literaturwissenschaftlich, sondern auch durch "König Fußball" zu beantworten.
Samstag, 14. April 2012
Das deutsche Google-Alphabet (13.04.2012)
-cp- Wenn man bei Google etwas sucht, wird über die automatische Vervollständigung, noch bevor man sein Wort zu Ende geschrieben hat, ein Vorschlag angezeigt, wie sich die bisher eingegebenen Buchstaben möglicherweise zu Wörtern vervollständigen lassen. Hierbei orientiert sich Google an den meistgesuchten Begriffen. Die ersten Vervollständigungen gibt es bereits nach einem Buchstaben, so wird einem zum Beispiel, wenn man "b" eingibt, direkt "Bild" vorgeschlagen. Die Vorschläge orientieren sich an der Häufigkeit der Suchanfragen. Das deutsche Google-Alphabet am 13.04.2012 hat nun folgende Begriffe hervorgebracht:
- Amazon
- Bild
- Cinemaxx
- Das Örtliche
- Ebay
- H&M
- Ikea
- Jobbörse
- kinox.to
- Leo
- Mobile
- NDR
- Otto
- PayPal
- QVC
- RTL
- Spielaffe
- Telefonbuch
- Unser Star für Baku
- Vodafone
- web.de
- YouTube
- Zalando
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Mittwoch, 21. März 2012
Neues Album von Neil Young: Americana
- er hat es wieder getan...
-sv- Neil Young hat es wieder getan. Und damit meine ich nicht, dass er ein neues Album aufgenommen hat, denn das tut er ja regelmäßig [hier]. Nein, er hat sich mal wieder ein Genre vorgenommen, dass im Grunde nicht seins ist, es durch die große Neil-Young.Maschine gedreht und dann ausgespuckt. Wohl gemerkt: ich habe bisher keinen Ton des Albums gehört. Aber wenn ich im American Songwriter Magazine lese [hier], was er getan hat, dann kriege ich eine Gänsehaut. Er hat folgende Songs mit Crazy Horse aufgenommen:
- Oh Susannah
- Clementine
- Tom Dooley
- Gallows Pole
- Get A Job
- Travel On
- High Flyin’ Bird
- She’ll Be Comin ‘Round The Mountain
- This Land Is Your Land
- Wayfarin’ Stranger
- God Save The Queen
Sonntag, 18. März 2012
Phoebe im Wunderland
-cp- Phoebe (Elle Fanning) ist anders als andere Kinder. Sie ist etwas verträumt, lebhaft in ihrer Fantasie, und zwischendurch, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlt, rutscht ihr auchschon mal eine unbequeme Bemerkung heraus, sie spuckt anderen Kindern ins Gesicht oder gibt sich ihrem Waschzwang hin. In ihrer Schulklasse hat sie einen schweren Stand, und auch ihre Eltern sind überfordert. Dann kommt eine neue Lehrerin an die Schule, eine Theaterpädagogin, die auch noch Phoebes Lieblingsgeschichte aufführen möchte: Alice im Wunderland. Ihr gelingt es, einen Draht zu dem Mädchen zu bekommen. ...
Eine Stärke des Films ist, neben der tollen Besetzung und feinfühligen Regie, dass Phoebes "abweichendes Verhalten" häufig in Bezug zu ihrer Umwelt gezeigt wird. So empfindet man ihre Reaktionen (und solche sind es) zwar hier und da überzogen, in der Sache aber nachvollziehbar. Es ist ein interessanter Blick auf ein Umfeld, in dem es ein ungewöhnliches Mädchen mit überforderten Lehrern und Eltern und mit einer oft verletzenden und ihr gegenüber ungerechten Schulklasse zu tun bekommt. Was Phoebes Stellung und ihr Problem angeht, kommt der Film ohne pädagogischen Zeigefinger aus und zeigt subtil, wie wichtig es ist, bei den Ressourcen der Kinder anzusetzen. - Dies ist in der Darstellung der Erwachsenen leider wenig geglückt, gerade die Lehrer sind etwas undifferenziert dargestellt, und die Geschichte der Theaterpädagogin scheint eine billige Variante eines ungleich besseren Lehrer-Portraits zu sein, das nämlich, das man ausDer Club der toten Dichter kennt.
Fazit: "Phoebe im Wunderland" ist ein schöner, warmherziger Film über eine Außenseiterin, der ruhig erzählt ist, manchmal vielleicht zu ruhig, und der dank einer tollen Kinderdarstellerin über die Schwächen der Geschichte, der etwas undifferenzierten Darstellung der Erwachsenenfiguren, hinwegrettet.
Technische Bewertung: Der Ton des Films ist leider ziemlich schlecht. Die einzelnen Figuren sind an vielen Stellen unterschiedlich ausgesteuert, und die Musik ist im Verhältnis zu den Dialogen viel zu laut, sodass man gezwungen ist, hier und da mit der Fernbedienung hin und her zu regeln. - Die Extras sind eher dürftig, es gibt lediglich einige Trailer, die zum Großteil eine deutlich B-Movie-Anmutung haben.
Eine Stärke des Films ist, neben der tollen Besetzung und feinfühligen Regie, dass Phoebes "abweichendes Verhalten" häufig in Bezug zu ihrer Umwelt gezeigt wird. So empfindet man ihre Reaktionen (und solche sind es) zwar hier und da überzogen, in der Sache aber nachvollziehbar. Es ist ein interessanter Blick auf ein Umfeld, in dem es ein ungewöhnliches Mädchen mit überforderten Lehrern und Eltern und mit einer oft verletzenden und ihr gegenüber ungerechten Schulklasse zu tun bekommt. Was Phoebes Stellung und ihr Problem angeht, kommt der Film ohne pädagogischen Zeigefinger aus und zeigt subtil, wie wichtig es ist, bei den Ressourcen der Kinder anzusetzen. - Dies ist in der Darstellung der Erwachsenen leider wenig geglückt, gerade die Lehrer sind etwas undifferenziert dargestellt, und die Geschichte der Theaterpädagogin scheint eine billige Variante eines ungleich besseren Lehrer-Portraits zu sein, das nämlich, das man ausDer Club der toten Dichter kennt.
Fazit: "Phoebe im Wunderland" ist ein schöner, warmherziger Film über eine Außenseiterin, der ruhig erzählt ist, manchmal vielleicht zu ruhig, und der dank einer tollen Kinderdarstellerin über die Schwächen der Geschichte, der etwas undifferenzierten Darstellung der Erwachsenenfiguren, hinwegrettet.
Technische Bewertung: Der Ton des Films ist leider ziemlich schlecht. Die einzelnen Figuren sind an vielen Stellen unterschiedlich ausgesteuert, und die Musik ist im Verhältnis zu den Dialogen viel zu laut, sodass man gezwungen ist, hier und da mit der Fernbedienung hin und her zu regeln. - Die Extras sind eher dürftig, es gibt lediglich einige Trailer, die zum Großteil eine deutlich B-Movie-Anmutung haben.
Samstag, 3. März 2012
Ich sehe den Mann deiner Träume
-cp- Die Handschrift Woody Allens ist auf Anhieb zu erkennen: Wir sehen kultivierte und vermögende Menschen in einer Weltstadt, die sich auf neurotische Weise mit ihren Träumen auseinandersetzen. Kaum einer der Protagonisten ist fähig, seinem Partner treu zu sein. Eine Mischung aus Egoismus und Selbstüberschätzung treibt die Figuren voran und zum Teil auch ins Unglück. "Ich sehe den Mann deiner Träume" ist eine gelungene Tragikomödie mit großartigen Schauspielern und einem faszinierenden Figurenspektrum. Wenn jedoch auch ein Vorwurf gestattet ist: Es gibt in der Geschichte kaum etwas, das man nicht in zahllosen anderen Woody Allen-Filmen auch schon gesehen hat. Der Film ist eine gelungene Variation seiner altbekannten Themen, jedoch wird er kaum der Film sein, an den man sich im Werk Woody Allens am deutlichsten erinnern wird. Dennoch ist er sehr sehenswert und unterhaltsam.
Freitag, 17. Februar 2012
Randnotizen zur Novelle
-cp- Die literaturwissenschaftlichen Gattungen und Gernes sind nicht immer ganz eindeutig und hier und da für den Otto Normal-Rezipienten kaum nachvollziehbar. Ziemlich verwirrend wird es, wenn man internationale Vergleiche anstellt.
In Deutschland ist es ja nicht unüblich, Prosatexte in lange (z.B. "Romane"), mittlere (z.B. "Novellen" und "Erzählungen") und in kurze (z.B. "Kurzgeschichte" und "Märchen") Formen einzuteilen. Das klingt theoretisch nachvollziehbar, in der Praxis aber, wenn es um konkrete Werke geht, wird da schon diskutiert. Ernest Hemmingways Der alte Mann und das Meer zum Beispiel wird auf Wikipedia als Novelle und im Klappentext des Buches als Erzählung eingeordnet. Allerdings sehen manche die Novelle als Form der Erzählung, andere als eigene Form. Es ist kompliziert, zumal diese Einteilung nach Längen auch ein wenig subjektiv ist, ... Zumindest in Deutschland, doch dazu später mehr.
Der Begriff Novelle ist sowie schon schwer zu klären (Definition 1, Definition 2), schaut man allerdings ins Englische, wird es noch komplizierter. Der englische Begriff novel bedeutet Roman. (Daran scheitern in aller Regelmäßigkeit Dialogautoren, die englischsprachige Filme übersetzen und aus "novel" in der englischen Fassung dann im Deutschen "Novelle" machen.) Der Begriff "Novelle" findet sich im Englischen allerdings auch wieder: als Novella. Da als weitere Bezeichnung "short novel" angegeben ist, also "Kurzroman", steht zu vermuten, dass unsere Erzählung-/Novelle-Differenzierung im englischsprachigen Raum nicht von Bedeutung und vermutlich nicht einmal bekannt ist. "Novella" scheint pauschal für die mittlere Länge zu stehen.
Wenn man dem englischsprachigen Wikipedia glauben darf, wird allerdings noch weiter differenziert. So steht die "Novella" für normale Novellen (oder eben Texte mittlerer Länge). Kurze Novellen hingegen werden als Novelette bezeichnet. Das sehr diskussionswürdige Wort "kurz" steht dabei außerhalb jeder Diskussion, zumindest im Bereich Science Fiction/Fantasy, denn die Länge eine "Novelette" ist durch die Science Fiction and Fantasy Writers of America klar festgelegt: Sie darf zwischen 7500 und 17499 Wörtern lang sein. Es ist schon etwas drollig, einer Gattung (oder einem Genre) durch das Zählen von Wörtern auf die Spur zu kommen. - )Zumindest muss man in Zeiten des eReaders vermutlich nicht mehr selbst zählen, sondern lässt Bücher elektronisch auswerten. Einen Vorteil muss diese eReader-Sache doch haben. ..). - Auf einer anderen Wikiseite (List of novellas) wird es dann auf die Spitze getrieben, und man sieht nicht nur, dass es eine leichte Abweichung von der Einteilung der amerikanischen Fantasy-und-SF-Schreiberlinge gibt, sondern dass konkrete Zahlen anscheinend Sicherheit (bei der Einteilung) bedeuten:
In Deutschland ist es ja nicht unüblich, Prosatexte in lange (z.B. "Romane"), mittlere (z.B. "Novellen" und "Erzählungen") und in kurze (z.B. "Kurzgeschichte" und "Märchen") Formen einzuteilen. Das klingt theoretisch nachvollziehbar, in der Praxis aber, wenn es um konkrete Werke geht, wird da schon diskutiert. Ernest Hemmingways Der alte Mann und das Meer zum Beispiel wird auf Wikipedia als Novelle und im Klappentext des Buches als Erzählung eingeordnet. Allerdings sehen manche die Novelle als Form der Erzählung, andere als eigene Form. Es ist kompliziert, zumal diese Einteilung nach Längen auch ein wenig subjektiv ist, ... Zumindest in Deutschland, doch dazu später mehr.
Der Begriff Novelle ist sowie schon schwer zu klären (Definition 1, Definition 2), schaut man allerdings ins Englische, wird es noch komplizierter. Der englische Begriff novel bedeutet Roman. (Daran scheitern in aller Regelmäßigkeit Dialogautoren, die englischsprachige Filme übersetzen und aus "novel" in der englischen Fassung dann im Deutschen "Novelle" machen.) Der Begriff "Novelle" findet sich im Englischen allerdings auch wieder: als Novella. Da als weitere Bezeichnung "short novel" angegeben ist, also "Kurzroman", steht zu vermuten, dass unsere Erzählung-/Novelle-Differenzierung im englischsprachigen Raum nicht von Bedeutung und vermutlich nicht einmal bekannt ist. "Novella" scheint pauschal für die mittlere Länge zu stehen.
Wenn man dem englischsprachigen Wikipedia glauben darf, wird allerdings noch weiter differenziert. So steht die "Novella" für normale Novellen (oder eben Texte mittlerer Länge). Kurze Novellen hingegen werden als Novelette bezeichnet. Das sehr diskussionswürdige Wort "kurz" steht dabei außerhalb jeder Diskussion, zumindest im Bereich Science Fiction/Fantasy, denn die Länge eine "Novelette" ist durch die Science Fiction and Fantasy Writers of America klar festgelegt: Sie darf zwischen 7500 und 17499 Wörtern lang sein. Es ist schon etwas drollig, einer Gattung (oder einem Genre) durch das Zählen von Wörtern auf die Spur zu kommen. - )Zumindest muss man in Zeiten des eReaders vermutlich nicht mehr selbst zählen, sondern lässt Bücher elektronisch auswerten. Einen Vorteil muss diese eReader-Sache doch haben. ..). - Auf einer anderen Wikiseite (List of novellas) wird es dann auf die Spitze getrieben, und man sieht nicht nur, dass es eine leichte Abweichung von der Einteilung der amerikanischen Fantasy-und-SF-Schreiberlinge gibt, sondern dass konkrete Zahlen anscheinend Sicherheit (bei der Einteilung) bedeuten:
- "Short storys" (Kurzgeschichten) haben demnach 1000 bis 7500 Wörter.
- "Novelettes" (Kurznovellen) haben 7500 bis 20000 Wörter.
- "Novellas" (Novellen) haben 20000 bis 40000 Wörter.
- "Novels" (Romane) haben mindestens 40000 Wörter.
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Freitag, 27. Januar 2012
Peterchens Mondfahrt (Titania)
-cp- Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz feiert in diesem Jahr (2012) seinen einhundertsten Geburtstag. Von Bassewitz schrieb das Märchen im Alter von 33 Jahren während einer Kur, zunächst in einer Theaterfassung. Ein Jahr später wurde das Stück aufgeführt. 1923 las er im Rahmen einer Veranstaltung in der Villa Siemens am Wannsee aus seinem Märchen. Anschließend verließ er die Veranstaltung und nahm sich das Leben. Das Märchen „Peterchens Mondfahrt“ ist vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt. Es gibt einige Theater-, Film- und Hörspielumsetzungen.
Die Hörspiel-Fassung von Titania stammt aus dem Jahr 2009. Wie immer glänzt die Inszenierung durch hervorragende Sprecher und eine stimmige akustische Gestaltung. Inhaltlich gibt es so einiges, das dem erwachsenen Hörer sauer aufstoßen dürfte, aber dies ist bereits dem Originalmärchen geschuldet und kein Mangel, den Titania zu verantworten hätte: So ist das Märchen deutlich von seinem pädagogischen Zeigefinger und seinen naiven Bildern bestimmt. Kinder sollen brav sein, und Freundschaft ist das Wichtigste. Diese Botschaft wird wenig subtil vermittelt, es wird ohne Umschweife genau so formuliert. Auch in der sprachlichen Gestaltung, auch dies ist bereits im Originalmärchen zu spüren, wendet sich die Geschichte eher an kleine Kinder. So kann man denn „Peterchens Mondfahrt“ als wirkliches Kindermärchen sehen, das entgegen der Märchentradition nur zum Teil familienkompatibel ist.
An der Titania-Umsetzung gibt es nicht viel zu meckern. Lediglich in einem Punkt, der auch in den anderen Hörspielen der „Titania Special“-Reihe festzustellen ist, sehe ich ein Verbesserungspotenzial: die Mischung aus Erzähltext und Dialog ist nicht optimal aufeinander abgestimmt. Der Erzähler leitet ein und hier da beschreibt er den Übergang zwischen zwei Szenen, aber seine Rolle ist sehr klein, und zwischendurch gibt es sehr lange Passagen, in denen er gar nicht zu hören ist. Ich persönlich finde den Erzähler in einem Märchenhörspiel für die Atmosphäre sehr wichtig. Bezogen auf diese Fassung von „Peterchens Mondfahrt“ habe ich das Gefühl, dass man ihn bei den paar Sätzen, die er spricht, entweder hätte weglassen können, oder aber, dass es sinnvoll gewesen wäre, seine Rolle deutlich auszubauen. Typisch Kinderhörspiel (das gibt es auch bei den Drei ??? und TKKG) sind Dialoge, in denen sich Figuren gegenseitig beschreiben, was sie sehen. Wenn man diese Dialoge weglässt und die Beschreibungen stattdessen dem Erzähler in den Mund legt, kommt deutlich mehr Märchenatmosphäre auf. Aber dieser Kritikpunkt ist wohl Geschmacksache, und alles in allem ist auch diese Hörspielumsetzung sehr gelungen.
Die Hörspiel-Fassung von Titania stammt aus dem Jahr 2009. Wie immer glänzt die Inszenierung durch hervorragende Sprecher und eine stimmige akustische Gestaltung. Inhaltlich gibt es so einiges, das dem erwachsenen Hörer sauer aufstoßen dürfte, aber dies ist bereits dem Originalmärchen geschuldet und kein Mangel, den Titania zu verantworten hätte: So ist das Märchen deutlich von seinem pädagogischen Zeigefinger und seinen naiven Bildern bestimmt. Kinder sollen brav sein, und Freundschaft ist das Wichtigste. Diese Botschaft wird wenig subtil vermittelt, es wird ohne Umschweife genau so formuliert. Auch in der sprachlichen Gestaltung, auch dies ist bereits im Originalmärchen zu spüren, wendet sich die Geschichte eher an kleine Kinder. So kann man denn „Peterchens Mondfahrt“ als wirkliches Kindermärchen sehen, das entgegen der Märchentradition nur zum Teil familienkompatibel ist.
An der Titania-Umsetzung gibt es nicht viel zu meckern. Lediglich in einem Punkt, der auch in den anderen Hörspielen der „Titania Special“-Reihe festzustellen ist, sehe ich ein Verbesserungspotenzial: die Mischung aus Erzähltext und Dialog ist nicht optimal aufeinander abgestimmt. Der Erzähler leitet ein und hier da beschreibt er den Übergang zwischen zwei Szenen, aber seine Rolle ist sehr klein, und zwischendurch gibt es sehr lange Passagen, in denen er gar nicht zu hören ist. Ich persönlich finde den Erzähler in einem Märchenhörspiel für die Atmosphäre sehr wichtig. Bezogen auf diese Fassung von „Peterchens Mondfahrt“ habe ich das Gefühl, dass man ihn bei den paar Sätzen, die er spricht, entweder hätte weglassen können, oder aber, dass es sinnvoll gewesen wäre, seine Rolle deutlich auszubauen. Typisch Kinderhörspiel (das gibt es auch bei den Drei ??? und TKKG) sind Dialoge, in denen sich Figuren gegenseitig beschreiben, was sie sehen. Wenn man diese Dialoge weglässt und die Beschreibungen stattdessen dem Erzähler in den Mund legt, kommt deutlich mehr Märchenatmosphäre auf. Aber dieser Kritikpunkt ist wohl Geschmacksache, und alles in allem ist auch diese Hörspielumsetzung sehr gelungen.
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Freitag, 20. Januar 2012
Der kleine grüne Kaktus versus Dornröschen
-cp- Es ist schon manchmal drollig, wie die Sprache sich entwickelt, gerade so, als ob sie ein Eigenleben führt und gewisse Dinge ganz bewusst verdreht. Ein Beispiel: In der Botanik unterscheidet man zwischen dem Stachel und dem Dorn. Während man im Volksmund dem Kaktus die Stacheln und der Rose die Dornen zuordnet, ist dies in der Botanik genau andersherum. (Also: Eigentlich macht es der Volksmund falsch.) Das bedeutet: Rosen haben Stacheln, Kakteen haben Dornen. Und dies hat weitreichende Konsequenzen: Der Name Dornröschen ist eigentlich falsch. Die Prinzessin müsste Stachelröschen heißen. Und die Prinzen müssten sich eigentlich nicht durch eine Dornenhecke, sondern durch eine Stachelhecke zu ihr hervorkämpfen. Es sei denn, die Hecke würde nicht aus Rosen, sondern aus Kakteen bestehen. In diesem Fall würden sich die Prinzen durch eine Dornenhecke zur Prinzessin hervorkämpfen. Diese hieße dann allerdings Dornkaktüschen. (Der Diminutiv von Kaktus klingt aber ziemlich schauderhaft, wenn man mal ehrlich ist.) Da hilft nur eins: Die Vorstellung, dass die Rosen im Märchenreich ein wenig anders wachsen als in der Realität, und dass sie sehr wohl Dornen besitzen. Unser Clip des Tages ist heute Dornröschen gewidmet:
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Dienstag, 10. Januar 2012
Eskapismus oder Stimme der Sehnsucht
-cp- Es ist ja ein altes Lied, dass man der fantastischen Literatur vorwirft, sie unterstütze lediglich den Eskapismus-Tendenzen labiler Menschen, die sich dann in entsprechenden Büchern, Filmen, usw. verlieren. Diese Kritik wurde in Bezug auf J. R. R. Tolkien, Michael Ende, uva. geäußert.
Für die Sehnsucht nach dem Fantastischen hat Thomas Kielinger eine Erklärung: "Unsere Zeit leidet am Mangel politischer Größe, die sich nicht einstellen will inmitten der ökonomischen Malaise, die wie eine globale Krake das Denken gefangen hält. Helden hätte man gerne, Drachentöter, die mit dem Schwert der Rechtschaffenheit den Monstern der Gegenwart entgegentreten und ihnen den Garaus machen." (Die Welt)
Der Mangel an Komplexität, den man Figuren der Fantasy-Literatur oft nachsagt, hat eben auch eine Kehrseite: Die eher einfach gezeichneten und gradlinigen Figuren sind eher Archetypen als komplexe Charaktere, d.h. sie stehen für Grundbilder. Eine Geschichte, die Komplexität zu reduzieren versteht, und deren Bilder und Konflikte so viel überschaubarer sind als die (politische) Wirklichkeit unserer Tage, kommt einer Sehnsucht entgegen. Im Kino stehen Fantasy-Filme, (zu denen auch Comic-Verfilmungen mit Superhelden-Geschichten gezählt werden können) hoch im Kurs. Ob das der Film The Iron Lady über die "Heldin von Einst" (Kielinger) Margaret Thatcher ebenfalls einlösen kann, bleibt abzuwarten.
Für die Sehnsucht nach dem Fantastischen hat Thomas Kielinger eine Erklärung: "Unsere Zeit leidet am Mangel politischer Größe, die sich nicht einstellen will inmitten der ökonomischen Malaise, die wie eine globale Krake das Denken gefangen hält. Helden hätte man gerne, Drachentöter, die mit dem Schwert der Rechtschaffenheit den Monstern der Gegenwart entgegentreten und ihnen den Garaus machen." (Die Welt)
Der Mangel an Komplexität, den man Figuren der Fantasy-Literatur oft nachsagt, hat eben auch eine Kehrseite: Die eher einfach gezeichneten und gradlinigen Figuren sind eher Archetypen als komplexe Charaktere, d.h. sie stehen für Grundbilder. Eine Geschichte, die Komplexität zu reduzieren versteht, und deren Bilder und Konflikte so viel überschaubarer sind als die (politische) Wirklichkeit unserer Tage, kommt einer Sehnsucht entgegen. Im Kino stehen Fantasy-Filme, (zu denen auch Comic-Verfilmungen mit Superhelden-Geschichten gezählt werden können) hoch im Kurs. Ob das der Film The Iron Lady über die "Heldin von Einst" (Kielinger) Margaret Thatcher ebenfalls einlösen kann, bleibt abzuwarten.
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