Dienstag, 31. Mai 2011

ICD-lit: Störungen der Sichtbarkeit

-cp- In Anlehnung an die ICD-10 sollen in Zukunft unregelmäßig "Krankheitsbilder" vorgestellt werden, die rein literarischer Natur sind. Es werden also keine wirklichen Erkrankungen oder Störungen vorgestellt, sondern nur solche, die ausschließlich in literarischen Werken (Film, Buch, Hörspiel, Theater) vorkommen. Daher der (nicht ganz ernst gemeinte) Überbegriff ICD-lit.

Heute ein Beitrag zu Störungen der Sichtbarkeit:

Entgegen der Störungen, die das Sehvermögen betreffen, und von Augenarzt und Optiker behandelt werden, bietet die Literatur auch "Störungen der Sichtbarkeit" an, d.h. Störungen, die das tatsächliche Aussehen insofern betreffen, dass andere den "Gestörten" nicht richtig sehen können. Hier die verschiedenen Erscheinungsformen:
  1. Scheinriesigkeit: Ein von dieser Störung betroffener Mensch begegnet uns in Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Herr Turtur ist ein Mensch von "normaler" Körpergröße, sieht aber aus der Ferne aus wie ein Riese, was dazu führt, dass die Menschen (und die Halbdrachen) ihn meiden, weil sie Angst vor ihm haben.
  2. Unschärfe: In Woody Allens Film Harry außer sich spielt Robin Williams den Schauspieler Mel, der auf einmal ganz unscharf ist und von den Kameras nicht mehr scharf aufgenommen werden kann. Seine Familie muss sich durch das Tragen von Spezialbrillen auf seine Unschärfe einstellen.
  3. Durchsichtigkeit: In Paul Maars Bilderbuch Als Herr Martin durchsichtig wurde ist der Protagonist Herr Martin von diesem Störungsbild betroffen. Die Leute sehen auf einmal durch ihn hindurch.
  4. Schwersichtbarkeit: In dem Film Eine Insel namens Udo geht es um einen Mann, der im wahrsten Wortsinn schwer sichtbar ist, d.h. die Leute können ihn nur entdecken, wenn sie ganz genau hinsehen, er ist für sie beinahe unsichtbar.

Sonntag, 29. Mai 2011

Psychowilli

-cp- Wie die Zeit vergeht! Nun ist es bereits zwei Jahre her, dass aus "Psychowilli" eine Art Video wurde. Im ersten Jahr hatte er 16.821 Besucher. Nach zwei Jahren wurde der Willi-Clip von 59.480 Besucher angeschaut. Zum "Geburtstag" kommt er hier noch mal:

Donnerstag, 26. Mai 2011

Torwartfehler

-cp- Zugegeben: Als Torwart hat man's nicht leicht, denn jeder Fehler, den man sich erlaubt, wird in der Regel unmittelbar bestraft. Ohne jetzt die armen Torhüter pauschal der Lächerlichkeit preisgeben zu wollen, folgt hier eine kleine, persönliche Top10 besonderer Torwartfehler.
  1. Wenn man jede Reaktion vergisst.
  2. Ein Luftloch
  3. Der Fünfmeter-Raum als Labyrinth
  4. Sehr bemüht, aber leider vergebens
  5. Konfrontation mit plötzlichem Gegner
  6. Ein noch plötzlicherer Gegner
  7. Nur scheinbar überlegen
  8. Zu früh gefreut
  9. Zu lang gefreut
  10. Desorientiert
Zum Glück beweisen die Torhüter oft genug, dass es auch anders laufen kann. Ganz anders zum Beispiel lief es mal bei René Higuita, der den Spitznamen "der Verrückte" trug. Hier sieht man, warum.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Westfalen und die dritte Liga

-cp- Dass Arminia Bielefeld nach dem Abstieg aus der ersten in die zweite Bundesliga (2009/10) einen direkten Durchmarsch in die dritte Liga vor sich haben würde, war schon eine kleine Überraschung, obgleich es bereits in der Winterpause abzusehen war. Nun gesellt sich nach der verlorenen Relegation gegen Dynamo Dresden auch der VfL Osnabrück* hinzu. Auf der anderen Seite spielte Preußen Münster in der Regionalliga West eine äußert erfolgreiche Saison und stieg in die dritte Liga auf. Somit ist Westfalen quasi aus heiterem Himmel in der Saison 2011/12 eine stark vertretene Region der dritten Liga. Schade nur, dass RW Ahlen aus der dritten Liga in die Regionalliga West wechseln muss. Zwar hat Ahlen den sportlichen Klassenerhalt geschafft, kann sich aber die dritte Liga nicht mehr leisten und steigt somit quasi wirtschaftlich ab (Süddeutsche). Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten, dass die in der Saison 2008/09 eingeführte dritte Liga mit Bielfeld, Osnabrück und Münster kommende Saison in der Region Westfalen einen Ballungsraum haben wird.


Größere Kartenansicht

* Streng genommen gehört Osnabrück natürlich zu Niedersachsen, aber zum einen ist die regionale Nähe nicht zu bestreiten, da Osnabrück unmittelbar an Westfalen angrenzt, und zum anderen nennt sich Osnabrück ja sogar "Stadt des westfälischen Friedens".

Sonntag, 22. Mai 2011

Realismus, Rationalismus und Übernatürliches

-cp- In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat die Literatur einige Meisterwerke hervorgebracht. Spannend an vielen dieser Werke ist, dass der durch Industrialisierung und Aufklärung hervorgebrachte Fortschritt der Technik und des Denkens in vielen dieser Werke spürbar sind, dass sie aber dennoch auch übernatürliche Elemente beinhalten. Gerade dieses Zusammenspiel macht die besondere Wirkung dieser Werke aus. Mal, wie bei Sherlock Holmes, wird jedwede Übernatürlichkeit durch Logik hinterfragt und schließlich auf Natürliches zurückgeführt. Mal (z.B. bei Jules Verne) werden Phantastik und technische Unmöglichkeiten auf der einen Seite mit Logik und Realismus auf der anderen Seite kombiniert und ergeben so eine neue, einzigartige Atmosphäre. Auffällig ist, dass "das Land von Goethe und Schiller" wenig Klassiker dieser Art hervorgebracht hat, was wohl durch die gegensätzliche Strömung des Realismus zu erklären ist: Das Interesse am Übernatürlichen war bei den bekannten deutschen Autoren zu dieser Zeit sehr gering.

Kleine Sammlung von Lese-Empfehlungen:

1864 Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne
1865 Von der Erde zum Mond von Jules Verne
1870 Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer von Jules Verne
1873 Reise um die Erde in 80 Tagen von Jules Verne
1887 Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle
1887 Das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde
1888 Der Schimmelreiter von Theodor Storm
1890 Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde
1895 Die Zeitmaschine von H.G. Wells
1896 Die Insel des Dr. Moreau von H. G. Wells
1896 Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson
1897 Dracula von Bram Stoker
1898 Krieg der Welten von H. G. Wells
1901 Die ersten Menschen auf dem Mond von H. G. Wells

Freitag, 20. Mai 2011

In Minden nimmt man's ganz genau mit der Statistik

-cp- Mit Statistiken ist es ja immer so eine Sache, wie zum Beispiel das Zitat von Franz Steinkühler zeigt: "Ich denke bei Statistik an den Jäger, der bei einem Hasen das erste Mal knapp links daneben schoss, und beim zweiten Mal knapp rechts vorbei. Im statistischen Durchschnitt gäbe es einen toten Hasen."

Heute nun berichtet das Mindener Tageblatt über die von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vorgestellte Kriminalstatistik, in der es heißt, dass die Zahl der Einbrüche in Deutschland im Jahr 2010 gegenüber 2009 um sieben Prozent gestiegen sei. Zwei Artikel weiter wird über einen Einbruch in ein Mindener Möbelgeschäft berichtet:


Was soll das werden? Ein Rekordversuch? Ganz ehrlich - lange hält's mich hier nicht mehr.

Mel Gibson hat einen neuen Film, und keiner geht rein, zumindest ich nicht

-cp- Ist es tatsächlich eine Meldung wert, dass Mel Gibson mit einem neuen Film im Kino zu sehen ist? Vielleicht! Immerhin war er zuletzt eher jenseits der Kinoleinwand im Gespräch, allerdings nicht so erfolgreich wie andere. Mit seinen Alkoholexzessen blieb er stets im Schatten Charlie Sheens. Und anders als Lars von Trier hat es Gibson mit seinen seltsam rechts gerichteten Äußerungen nicht in die Tagesschau geschafft. Dennoch kann man festhalten, dass es Skandale gegeben hat, und dass er reichlich Sympathien eingebüßt hat. Davon unberührt war er im letzten Jahr im Kino zu sehen, denn "Auftrag Rache" lief ohne größere mediale Aufmerksamkeit im Kino an.

Der neue Film ("Der Biber") soll nun etwas gehaltvoller sein. Ob er jetzt an seinem (vermeintlichen) Anspruch scheitert oder an Mel Gibsons verlorenen Sympathien, lässt sich schwer sagen. Festhalten lässt sich allerdings, dass der Film in den USA nicht sonderlich erfolgreich gestartet ist, und dass er in Deutschland, wenn die Zahlen auf filmstarts.de stimmen, eher zurückhaltend präsentiert wird. Während das neue "Fluch der Karibik"-Sequel in der Startwoche in 703 Kinos gezeigt wird, kann man "Der Biber" lediglich in 62 Kinos sehen. Bundesstart war bei beiden Filmen der 19. Mai 2011.

Für mich stellt sich die Situation nun wie folgt dar: Trotz mangelnder Sympathien für Mel Gibson hätte ich "Der Biber" wegen seiner interessanten Geschichte gerne gesehen, aber in Minden und Umgebung gibt es wieder mal keine Chance dazu. Wenn ich "Fluch der Karibik 4" sehen wollte, hätte ich hingegen die Möglichkeit dies im Umkreis von 15 Kilometern in drei verschiedenen Kinos zu tun (Minden, Bad Oeynhausen oder Bückeburg). Fazit: 1. Wenn man in Ostwestfalen Kino-Interesse außerhalb von Blockbustern hat, ist man ziemlich aufgeschmissen. 2. Es gab Zeiten, da wäre "Der Biber" wegen Mel Gibson (und/oder Jodie Foster) zum Blockbuster geworden und vermutlich in Minden und Umgebung in zwei bis drei verschiedenen Kinos zu sehen gewesen. 3. Alkoholismus und seltsam rechts gerichtete Äußerungen sind einfach nicht gut.

Freitag, 13. Mai 2011

Mitternachtsspitzen

-cp- Die frischverheiratete Kit (Doris Day) wird von einer unheimlichen Stimme belästigt, die Ihr sogar mit der Ermordung droht. Zunächst ist die Stimme im Park aus dem Nebel heraus zu hören, danach mehrfach am Telefon. Doch Kit hat leider keine Beweise, und so steht man ihren Schilderungen skeptisch gegenüber. Ihr Mann Tony hat zudem kaum Zeit für sie, weil es in seiner Firma viel Geschäftliches zu erledigen gibt. ...

An einigen Stellen erinnert Mitternachtsspitzen an Alfred Hitchcock, und diesem dürfte der 1960 entstanden Film auch nachempfunden sein. An anderen Stellen aber entsteht eher der Eindruck einer Edgar Wallace-Verfilmung. Dies mag an den plakativen Effekten liegen (die ewig kreischende Doris Day, der dicht vor sich hin wabernde London-Nebel und das andauernd schrill klingelnde Telefon). Die Dialoge schwanken zwischen trockenem englischen Humor und banal-theatralischem Geschwätz. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass der Film das Potential seiner Geschichte nicht ganz ausgespielt hat. Dies liegt meines Erachtens nach nicht nur an den bereits erwähnten Unausgegorenheiten, sondern vor allem an den schwachen Figuren, die sehr oberflächlich bleiben und allesamt funktional auf die Story bezogen handeln. Zwar sind die Schauspieler überzeugend, aber die Rollen geben an sich leider nicht sehr viel her.

Das alles ist sicherlich zum Teil auch Geschmackssache, aber in meinem Empfinden ist der oft angestrengte Hitchcock Vergleich nur zum Teil zutreffend. Bedenkt man, dass Hitchcock im gleichen Jahr Psycho gedreht hat, muss man doch zugeben, dass Welten zwischen diesen beiden Filmen liegen.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Nimm die U-Bahn! Take the "A" Train oder the "L" Train! Ansonsten: S-Bahn fahren!

-sv- Es gibt ja viele Lieder über Fortbewegungsmittel; ganz besonders schöne sind allerdings über den ÖPNV entstanden:

Montag, 9. Mai 2011

Musik aus dem Tatort "Peggy hat Angst"

-cp- Der Tatort Peggy hat Angst (Folge 148, 1983) bleibt nicht nur durch den grausamen Mord und die mit Hannelore Elsner hervoragend besetzte Peggy und den von Hans-Georg Pancak bedrohlich dargestellten Stefan Gabler in Erinnerung. Vor allem die ungewöhnliche musikalische Gestaltung fällt auf. Leider sind Tracklisten im Internet kaum zu finden, dies ist nun der Versuch, die wesentlichen Lieder aufzulisten, soweit sie recherchierbar waren:
  • Warning - "Why Can The Bodies Fly?" (YouTube)
  • Helen Schneider - "When The Dream Is Over" (geschrieben von Udo Lindenberg, MP3 bei Amazon)
  • Simon & Garfunkel - "Me And Julio Down By The Schoolyard"
  • Darüber hinaus werden durch die Protagonisten noch einige Schallplatten gespielt, und in einigen Foren wird gesagt, dass auch Musik von Frank Duval in dem Tatort zu hören sein soll.
Aktualisierungen folgen! Informationen? Bitte Mail an vermischtes@wortmedien.de

Sonntag, 8. Mai 2011

Bei der Geburt getrennte Traumpaare

-cp- Nachdem wir neulich schon einmal auf die zumindest nicht gänzlich von der Hand zu weisende Ähnlichkeit zwischen Cleopatra (Elizabeth Taylor) und einem gewissen Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) hingewiesen hatten, ... Zwillinge?


... stellen wir heute einen weiteren Fall aus der Kategorie "Männer, die Frauen nacheifern" vor. Wieder gibt es einen Generationsunterschied, und wieder ist die Dame sowohl älter als auch stilprägend. Agatha Christie ist eine der bedeutendsten Kriminalschriftstellerinnen. Dass sie allerdings auch das Zeug zu einer Stilikone hatte, dürfte ein neuer Aspekt sein, zumal Atze Schröder sich hierzu noch nicht geäußert hat.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Die Kraft des Fernsehens oder
"Kulturindustrie ist überall"

-sv- Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich die Ausstrahlung bestimmter Filme auf die Verkäufe von CDs und DVDs auswirkt. So lief gestern, am 4. Mai 2011, um 22:25 Uhr auf 3sat der Kinofilm Once. Und heute - nicht einmal 24 h später - ist der Soundtrack zum Film auf Platz 9 der amazon-Verkaufscharts geklettert (von Platz 245 am Tag zuvor) und das Album "The swell season" vom Komponisten des Soundtracks, Glen Hansard, auf Platz 68 von vormals 1.681. Unglaublich, oder? Und der Film lief mitten in der Woche auf 3sat! Hallo? Die DVD des Films ist dann auch gleich von Platz 721 auf Platz 89 hochgegangen. Irre.
Das legt die Vermutung nah, dass Filmstudios gezielt bei den Sendern für die Ausstrahlung von bestimmten Filmen zahlen, um den DVD-Verkauf anzukurbeln. So lassen sich die Verkäufe steigern, auch wenn es keinen Grund gibt, einen Schauspieler z.B. zu "Wetten, dass..." zu schicken.
Das ist Kulturindustrie de luxe - Kultur wird zur Ware, sogar auf nicht werbegetriebenen Sendern wie 3sat...

Sonntag, 1. Mai 2011

David Garrett und Co.: Keine Klassik

-sv- Bereits im vergangenen Jahr hat "Kategorie: Vermischtes" - wie immer - messerscharf analysiert, dass es sich bei der derzeit beliebten "Classic light" oder dem sog. "Classical Entertainment" nicht um klassische Musik handelt. Nun - fast ein halbes Jahr später - hat Star-Geigerin Julia Fischer sich ebenfalls zum Thema geäußert:

Ich lehne es nicht ab, dass es das überhaupt gibt. Wenn Leute das gerne hören, sollen sie das gerne tun. Womit ich aber ein Problem habe, ist, wenn ein klassischer Musiker diese Musik damit rechtfertigt, dass er damit Menschen für klassische Musik begeistert. Das stimmt einfach nicht. Die Leute werden sich keine Beethoven-Sonate anhören, weil sie vorher Michael Jackson auf der Geige gehört haben. Ich bezeichne das nicht als klassische Musik [...] und ich höre diese Musik auch nicht gerne. [Quelle]