Mittwoch, 28. April 2010

In Minden Kaffee trinken

-cp- Es ist ja nun kein ungewöhnlicher Wunsch, mal in ein Café zu gehen und sich in gemütlichem Ambiente eine modern aufbereitete Kaffeevariation zu gönnen. Sei es ein Milchkaffee, ein Latte Macchiato, ein Cappuccino oder sonst etwas Köstliches, das dem Kaffeetrinker daheim nie so gelingt wie den Café-Betreibern mit ihren riesigen verchromten Kaffeemaschinen und Milchschäumvorrichtungen. Sich diesen Wunsch zu erfüllen ist ein Leichtes, wenn man in einer richtigen Stadt wohnt. Zwar erfüllt Minden formal die Kriterien einer Mittelstadt, aber städtisches Flair stellt man sich doch anders vor. Und die ortsansessigen Kaffeehäuser sind, um es neutral zu sagen "alte Schule" und zeigen dem nach einem koffeinhaltigen Heißgetränk dürstenden Besucher auf subtile Weise, welche Gäste eigentlich gewünscht sind. Man beachte die Werbung auf den Zuckertüten, die mir am Sonntag zum Cappuccino gereicht wurden:

Montag, 26. April 2010

Der Zauberlehrling

-cp- Goethes bekannte Ballade "Der Zauberlehrling" [Text] ist schon oft bearbeitet worden. Bekannt ist die Film-Variante von Walt Disney mit Mickey Mouse als Lehrling, die im Rahmen des Episodenfilms Fantasia auftaucht (1940). Der Film greift die 1897 komponierte Zauberlehrling-Musik von Paul Dukas auf, die für sich genommen auch eine bekannte Bearbeitung ist. Ebenfalls recht bekannt ist das Kinderbuch von Tomi Ungerer [Link] aus dem Jahr 1971. (Anbei bemerkt ist Goethes Ballade auch schon eine Variante.)

Die neueste Variante führt nun wieder das Disney-Logo. Allerdings auch das von Bruckheimer. Dadurch unterscheidet sich die "Variante" in einem Punkt maßgeblich von allen anderen: Man erkennt das Original nicht mehr. Dafür kracht und scheppert es ordentlich.

Samstag, 24. April 2010

Eselsohren

-cp- Das "Eselsohr" ist nicht nur ein Teekesselchen mit verschiedensten Bedeutungen, sondern auch ein klassisches Motiv aus Kinderliteratur und Märchen. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Eselsohr als Narrenkappe, was vermutlich die doppelte Strafe für die Protagonisten der Geschichten erklärt, denen Eselsohren wachsen: Die entstellenden Tierohren haben gleichzeitig die Narrenkappen-Symbolik.

Beim Esel als Märchenfigur denken viele vermutlich zunächst an den Esel aus Tischlein deck Dich der Brüder Grimm. Der ist zwar nicht als Figur interessant, da er mit dem "Tischlein deck Dich" und dem "Knüppel aus dem Sack" in einer Reihe steht und daher eher als magisches Artefakt zu sehen ist, aber der "Goldesel" ist durch dieses Märchen zum festen Begriff geworden. Einen weiteren bekannten Esel gibt es in der deutschen Märchenlandschaft, und der ist Sänger bei den "Bremer Stadtmusikanten".

Ein neben dem Esel als Figur sehr interessantes Märchenmotiv ist der Mensch mit Eselsohren. Hier ist zunächst mal das vor allem in Portugal, aber auch in Spanien bekannte Märchen "Der Prinz mit den Eselsohren" zu nennen. Da bekommen Königin und König einen Sohn. Die Feen geben ihm gute Wünsche mit auf den Weg, nur eine Fee sagt, dass ihm Eselsohren wachsen sollen, damit er nicht zu stolz und hochmütig werde. Und so geschieht es.

In "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff isst die Titelfigur magische Feigen, woraufhin ihm Eselsohren wachsen. Durch das Essen von magischen Feigen eines anderen Baumes verschwinden die Eselsohren wieder. Diese beiden Sorten Feigen nutzt der kleine Muck aus und stellt damit den Hofstaat auf den Kopf.

Auch in dem bekannten Kinderbuch "Pinocchio" geschieht etwas Ähnliches. Im Spielland gibt sich Pinocchio dem Müßiggang hin, und er verwandelt sich in einen Esel. Er wird an einen Zirkus verkauft, wo er sich während einer Vorstellung verletzt. Er wird weiterverkauft, ins Meer geworfen und verwandelt sich zurück.

Selbst in der Antike gibt es das Motiv: Lucius Apuleius schrieb einen lateinischen Roman nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata. Titel: "Der goldene Esel". Ein junger Mann beobachtet eine Hexe, die sich mit Hilfe einer Salbe in einen Vogel verwandelt. Er will es auch versuchen, doch weil dabei die Salben verwechselt werden, verwandelt er sich in einen Esel.

Das Märchen "Eselsohr und Hahnenkamm" aus dem gleichnamigen Buch (und in Hörspielform) von der CD Rumpelstilzchen schlägt zurück) greift das Motiv ebenfalls auf. (Der Hahnenkamm war übrigens auch Narrenkappe.) Hier stehlen zwei junge Burschen einer Hexe Äpfel vom Baum. Und als sie die Äpfel essen, verwandeln sie sich. Dem einen wächst ein Hahnenkamm und ein Schnabel, dem anderen wachsen Eselsohren. Sie werden nun verspottet und ausgegrenzt, suchen das Weite und landen schließlich bei einem kleinen Jahrmarkt, dessen Direktor sie quasi als Monster ausstellt. Nun tun sie alles, um aus dem Jahrmarkt zu fliehen.

Letzter Literaturtipp: Ellis Kaut ("Pumuckl", "Schlupp vom grünen Stern") hat ein Kinderbuch mit dem Titel "Der kluge Esel Theobald geschrieben", das seit geraumer Zeit vergriffen, aber durchaus noch gebraucht zu bekommen ist. Einige hier aufgeführte Motive (Esel, Hexen, Zirkus, ...) finden sich auch in diesem Buch wieder.

Freitag, 23. April 2010

Bruce Willis: Cop Out - im wahrsten Sinne des Wortes

-sv- Nach eingehender Betrachtung des Filmschaffens von Bruce Willis lässt sich wohl sagen, dass seine Karriere seit Jahren stagniert. Seit der Jahrtausendwende geht eigentlich fast nichts mehr. Drehte er in den 90ern einen Blockbuster nach dem anderen und befand sich - rückblickend - auf dem Höhepunkt seiner Karriere, kommt seit "The Sixth Sense" (1999) im Grunde nur noch Durchschnittsware von ihm ("Sin City" kann (!) man als Ausnahme von der Regel betrachten). Im Detail (eine Auswahl):

  • 1988: Stirb langsam
  • 1990: Stirb langsam 2
  • 1992: Der Tod steht ihr gut
  • 1994: Pulp Fiction
  • 1995: 12 Monkeys
  • 1995: Stirb langsam: Jetzt erst recht
  • 1997: Das fünfte Element
  • 1998: Armageddon
  • 1999: The Sixth Sense
Und seitdem? Der bereits erwähnte Film "Sin City" und der 4. Aufguss von "Stirb langsam". Derzeitiger Tiefpunkt: Cop Out. Ein Buddy-Movie, das kaum weniger originell hätte ausfallen können. Bruce Willis übt sich hier vor allem im Rumstehen - selten eine so lahme und unmotivierte Darstellung eines Cops gesehen. Willis - inzwischen 55 und sichtlich gealtert - setzt hier wohl tatsächlich einen Schlusspunkt unter seine Cop-Film-Karriere oder sogar seine Karriere als Schauspieler. Einziger Lichtblick ist Tracy Morgan, der sichtlich bemüht ist, dem Film ein wenig Schwung zu geben und sich in Eddie Murphy Manier durch den Film plappert (wenn auch nicht auf dem Niveau, dass Murphy in den 80ern hatte). Hier die Kritik auf filmstarts.de.

Sonntag, 11. April 2010

Nachgetreten

-cp- Im Live-Ticker auf kicker.de wird aktuell (11.04.2010, 14:00 Uhr) aus der zweiten Fußball-Bundesliga berichtet. Und gerade ist zu lesen gewesen, dass ein gewisser Gledson da Silva Menezes wegen Nachtretens die rote Karte gesehen hat.


Klickt man nun auf das Spielerprofil und schaut sich das Portrait des Spielers an, wundert einen gar nichts mehr, denn der sieht genauso aus wie einer, der nachtritt. Ob nun Grimms Märchen Schuld sind oder die Medien im Allgemeinen, lässt sich schwer sagen. Aber: Irgendwo im Hinterkopf steckt die vermeintliche Wahrheit, dass die Guten schön sind, und die Bösen eben nicht. Und Gledson da Silva Menezes gehört leider eindeutig zur "eben nicht"-Fraktion.

Schade, dass die Realität immer wieder unsere Vorurteile bestätigt.

Freitag, 9. April 2010

Angelo Debarre: Hommage an Django Reinhardt

-sv- Der grandiose Jazz manouche Gitarrist Angelo Debarre und seine Gruppe haben 2 Stunden live bei ARTE gespielt. Der gesamte Auftritt kann im Netz bewundert werden - hier der Link. Ebenso empfehlenswert ist der deutsche Gitarrist Joscho Stephan.

Dienstag, 6. April 2010

Die geheimnisvolle Minusch

-cp- Die Autorin Annie M. G. Schmidt ist in den Niederlanden beinahe so populär wie Astrid Lindgren, und "Die geheimnisvolle Minusch" gehört zu ihren bekanntesten Kinderbüchern. Inhalt: Tibbe, ein schüchterner Reporter lernt eine geheimnisvolle Frau kennen, bei der man nicht so genau weiß, ob sie ein Mensch oder eine Katze ist. Für ihn entpuppt sie sich als großer Gewinn, denn sie liefert ihm die Geschichten, die er dringend braucht. Und es geschieht allerlei Sonderbares in dem kleinen Städtchen. Und bald versuchen Tibbe, Minusch und ein paar Katzen einem mächtigen Bösewicht das Handwerk zu legen. ...

Die Geschichte bewegt sich irgendwo im Grenzland zwischen Fantasy und Krimi und dürfte nicht nur Katzenliebhaber ansprechen. "Die geheimnisvolle Minusch" ist unterhaltsam, spannend und stellenweise ziemlich witzig. Kinder, die für die Reporterin Karla Kolumna (aus "Benjamin Blümchen" und "Bibi Blocksberg") langsam zu alt sind, düften mit Tibbe und Minusch viel Freude haben. Allerdings ist die Geschichte deutlich komplexer. So ist das Hörspiel für Kinder ab ca. acht Jahren zu empfehlen, und die Eltern werden vermutlich gerne mithören. Die Sprecher sind fantastisch, vor allem Kathrin Angerer als Minusch. Sie findet einen geheimnisvollen und unverwechselbaren Ton für die Figur.

Freitag, 2. April 2010

Das Orangenmädchen

-cp- "Das Orangenmächen" ist eine Erzählung von Jostein Gaarder ("Sofies Welt"). Inhalt: Der fünfzehnjährige Georg bekommt einen Brief von seinem vor elf Jahren gestorbenen Vater. Die Großeltern haben den Brief entdeckt und überreichen ihn Georg, der sich mit ihm zurückzieht und sich in ihn vertieft. In diesem langen und sehr persönlichen Schreiben gibt es einiges zu lesen. Es geht um das paradoxe Gefühl des gleichermaßen fremd und bekannt Seins. Es geht um existentielle Fragen. Und: Der Vater erzählt dem Sohn eine Liebesgeschichte aus seinem Leben.

"Das Orangenmädchen" ist eine ungemein fesselnde und romantische, manchmal aber auch etwas nervige Geschichte. Auf vielen Ebenen funktioniert alles ganz wunderbar. Die Liebesgeschichte ist spannend und wunderbar anrührend. Und allein der Rahmen, dass der Sohn elf Jahre nach dem Tod des Vaters diesen Brief liest, hat eine aufwühlende Wirkung. Nervig hingegen sind die etwas gezwungenen und arg konstruierten philosophischen Anteile des Briefes und auch Georgs Gedanken darüber. Diese besondere Vater-Sohn-Geschichte hätte auch dann wunderbar gewirkt, wenn sie nicht mit dem Leben an sich und dem ganzen Kosmos in Beziehung gesetzt worden wäre.

Zwischenbemerkung: Es ist ein in typisches Jostein Gaarder-Problem. Er ist ein ganz wunderbarer Erzähler, dem es wie kaum jemand anderem gelingt, in klarer und anregender Sprache zu schreiben und seine Geschichten mit Rätseln zu spicken, die gleichermaßen spannend wie faszinierend sind. Gleichzeitig aber drückt er seinen Geschichten regelmäßig seinen Zwang zur philosophischen Tiefe auf, indem er diese Themen und Fragen direkt formuliert. Weniger wäre da mehr, denn man kann dem Leser durchaus zutrauen, dass er von selbst philosophische Gedanken entwickelt. Die rätselhaften Geschichten geben das durchaus her. Große Literatur entfaltet ihre anregende Kraft aus der Geschichte selbst heraus, ohne dass der Erzähler diese Dinge direkt ausdrückt.

Zum Glück nehmen diese Anteile in "Das Orangenmädchen" keinen allzugroßen Raum ein, denn das Konkrete, also die Liebes- und die Vater-Sohn-Geschichte, stehen im Zentrum, und die sind sehr gelungen. Schön gewählt finde ich auch die Erzählperspektive. Es gibt zwei Ich-Erzähler: Einmal Georg, der erzählt, wie er den Brief bekommen hat und wie es ihm damit ergangen ist. Und zum anderen den Brief selbst. Das Hörbuch greift diese Perspektiven auf, indem zwei Sprecher abwechselnd die jeweiligen Parts sprechen. Es ist keine trockene Lesung, denn die beiden Sprecher spielen die Rollen und greifen die Gefühlslagen der Figuren wunderbar auf.

Fazit: "Das Orangenmädchen" ist vor allem eine romantische Erzählung, die viele wunderbare Momente enthält und trotz kleinerer Schwächen sehr empfehlenswert ist. Das Hörbuch ist gut umgesetzt und sehr kurzweilig!

Donnerstag, 1. April 2010

Rauchen macht nicht dumm, aber Raucher sind dümmer

-sv- Zigaretten-Raucher haben einen niedrigeren IQ als Nicht-Raucher. Und je geringer der IQ ist, desto mehr wird gequalmt. Dies fanden israelische Wissenschaftler heraus [Quelle]. Präventionsprogramme sollten daher vor allem auf Jugendliche mit eher geringer Intelligenz zugeschnitten sein, so die Empfehlung von Dr. Mark Weiser (Sheba Medical Center in Tel Hashomer) und seinen Kollegen. Weitere Infos hier.