Dienstag, 15. Juli 2008

Auch Horror-Filme brauchen ein gutes Drehbuch

-cp- Die Betreiber dieses Blogs haben sich in den letzten Wochen immer mal wieder (Kult-)Horrorfilmen befasst und sind dabei der Frage nachgegangen, was sie so spannend macht. Die erschütternde Antwort: In der Regel gar nichts. Und sie scheitern nicht unbedingt an lausigen Effekten oder schwachen Inszenierungen, denn auf dem Gebiet ist man ja als Kind der 80er bereit, einiges zu verzeihen. Sie scheitern daran, dass sie einen völlig kalt lassen. Und das liegt nicht daran, dass man ein abgebrühter Rezipient ist, dem man nichts mehr vormachen kann. Es liegt an schlechten Geschichten, und hierzu gibt es eine Theorie. (Die Theorie ist grundlegend nicht von mir, aber ich möchte sie zu diesem Thema mal anbringen.)

Also: Ein Jemand, zum Beispiel John Landis, hat die Idee einen Werwolf-Film zu drehen. Er überlegt sich, was er in seinem Film zeigen will und schreibt ein Drehbuch, in dem er all das unterbringt. Und genau das ist schon der Fehler. Niemals sollte ein Regisseur, der ein paar Ideen hat, mal eben so ein Drehbuch schreiben. Die Geschichte um die es geht wird nämlich dann nur das Mittel zum Zweck sein. Es gibt (in diesem Fall) jede Menge Blut, hier und da Humor in Form flapsiger Sprüche und eine obligatorische Sexszene. Wenn man aber eigentlich gar keine Geschichte zu erzählen hat, sondern lediglich eine bastelt, damit sie die verschiedenen Zutaten, die man sich überlegt hat, zu einem Film werden lässt, dann funktioniert es in der Regel nicht.

Eine Geschichte muss am Anfang stehen. Und für die Geschichte gibt es Regeln. Hierüber hat Robert McKee einen Bestseller geschrieben: Story. Wichtigster Bestandteil einer spannenden Geschichte, sagt McKee, sind Konflikte. Dies können sowohl innere Konflikte sein oder Konflikte zwischen den Figuren. Eine Hauptfigur aber, die ohne Wünsche, Bedürfnisse, Ziele, Konflikte, usw. auf die (Handlungs-)Reise geschickt wird und einfach von einem "Höhepunkt" zum nächsten wandelt, die bietet nicht einmal annähernd genügend Material für eine spannende Geschichte. Besonders dann nicht, wenn es (inkl. der oben genannten opbligatorischen Sex-Szene) im Grunde nur vier Höhepunkte gibt.

Die russische Psychologin Bljuma Wulfowna Seigarnik war der Meinung, dass beim Menschen "unerledigte Aufgaben" besser im Gedächtnis bleiben als erledigte, wenn auch unterschwellig. Das gilt auch für Film-Plots. Eine Figur, die eine Aufgabe hat und zu dieser Aufgabe eine Haltung, bietet dem Zuschauer die Möglichkeit sich zu identifizieren und mit ihm auf die Reise zu gehen. Ein Werwolf-Film, um im Beispiel zu bleiben, wäre viel spannender, wenn eine Figur eine dringende Aufgabe bewältigen müsste, und dann in diese Werwolf-Handlung hinein gerät. So gibt es Spannung auf zwei Ebenene: 1) Auf der Werwolf-Ebene. 2) Wegen der offenen Aufgabe. Eine Figur aber, die scheinbar plan- und ziellos durch die Gegend wandert, die kann vom Werwolf gefressen werden oder nicht, es ist einem egal.