Sonntag, 14. Februar 2010

Stephen Stills: Auf- und Abstieg eines Musikers

-sv- Stephen Stills ist wohl einer der beeindruckendsten weißen Bluesgitarristen und -sänger des letzten Jahrhunderts. Leider stand seine Karriere unter keinem guten Stern, blieb er doch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bzw. stand sich selbst im Weg. Auslöser hierfür waren m.E. die (zu) großen Erfolge mit der sog. "Supergroup" Crosby, Stills & Nash (z.T. auch "& Young"). Doch von vorne.
Stills gründete im Alter von 21 Jahren u.a. zusammen mit Neil Young 1966 die Folk-Rock-Band "Buffalo Springfield", die sich bereits nach drei Alben 1968 wieder auflöste (und 1997 in die Rock´n Roll Hall of Fame aufgenommen wurde). Die frühe Trennung führt man auf die Konflikte zwischen den beiden starken Persönlichkeiten Young und Stills zurück, die sich nach der Trennung der Band direkt anderen (Solo-)Projekten zuwendeten. Stills gründete mit David Crosby (vorher The Byrds) und Graham Nash (vorher The Hollies) die Band "Crosby, Stills & Nash", Young schlug seine Solokarriere ein.
Nach dem eher mäßigen kommerziellen Erfolg mit "Buffalo Springfield" (aber durchaus künstlerischer Anerkennung) brachen "Crosby, Stills & Nash" alle Verkaufsrekorde, was Stills wohl zu Kopf stieg. Zwischen 1969 und 1977 erreichten alle (!) Alben der Band Mulit-Platin-Status und auch die in diesen Jahren veröffentlichten Solo-Alben von Stills verkauften sich prächtig.
Doch ab 1978 brach der Erfolg von Stills ab. Von 1978 bis 2009 veröffentlichte er nur 4 Studioalben (!) - in den Jahren davor war fast jedes Jahr ein neues Solo-Album von ihm erschienen. In den 90ern und 2000ern ließ auch der Erfolg mit CSN nach, die von 1971 bis 1988 ebenfalls nur 3 Studioalben veröffentlichten - auch dies ist wohl auf die Egozentrik der Protagonisten zurückzuführen.
An diesem Punkt muss die Kluft zwischen dem Empfinden der eigenen Stellung im Musikbusiness und der Realität zu einer massiven Frustration bei Stills geführt haben. Nach einem rasenden Aufstieg in den späten 60ern und frühen 70ern kam der Fall schon nach 10 sehr erfolgreichen Jahren als Musiker. Dieser Fall verlief parall zum Aufkommen der Disco-Musik Mitte der 70er-Jahre und war für viele Musiker der 68er-Generation ein harter Schlag - nicht jede Band konnte, wie z.B. die Bee Gees, die Welle nicht nur nehmen sondern sogar treiben. Stills versuchte zu dieser Zeit, seine Folk-Rock-Alben durch überbordende Arrangements an den Mainstream anzupassen und verlor sich dabei selbst aus den Augen und vor allem seine genialen Fähigkeiten auf der Akustikgitarre. Mit ihr hatte er seine stärksten Momente, mit ihr konnte er seine gitarristischen und gesanglichen Fähigkeiten als Solokünstler immer am besten ausleben.
Leider erreichte Stills nie wieder die Position, die er als Musiker von 1969 bis 1977 hatte. In den letzten Jahrzehnten erschienen vor allem Compilations und Veröffentlichungen alter Aufnahmen von ihm; neueres Material erschreckt vor allem durch eine im Vergleich zu früher sehr angeschlagen und zittrig wirkende Stimme.
Stills hätte sich Ende der 70er mehr dem Blues zuwenden und in dieser Nische einen Namen machen sollen, anstatt 3 Jahrzehnte seinen Mainstream-Erfolgen hinterher zu laufen. Schade.
Hörtipps: